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Geschichte des Karnevals

Der Karneval wurde von den Portugiesen wahrscheinlich schon im 17. Jh. nach Brasilien gebracht. Mit Sicherheit feierte man das Fest ausgelassen im Jahre 1723 unter der alten Bezeichnung „Entrudo“. Ursprünglich war der Karneval ein ausgelassenes und mitunter ausartendes Treiben, bei dem man sich mit Wasser, Puder, Kalk und allem, was gerade zur Verfügung stand, gegenseitig bespritzte und beschmutzte. Später wurden weniger aggressive Spielformen eingeführt wie das Bewerfen mit Konfetti und Papierschlangen.

Ab 1840 wurde der Karneval ein Fest des Bürgertums. Veranstaltungen in noblen Ballhäusern und die Entstehung von finanzkräftigen Karnevalsgesellschaften wurden zum Alltag. 1928 entstand in Rio de Janeiro die erste Sambaschule Mangueira. Bis heute ist der Karneval von dieser historischen Ambivalenz zwischen spontanem Volksfest und organisierter Bürgerveranstaltung geprägt. Beide Formen bestehen nebeneinander, vermischen sich und grenzen sich regional auch einander aus.

Seit Mitte des Jahrhunderts jedoch präsentiert sich der Karneval in Brasilien, besonders in Bahia und im Nordosten des Landes, verstärkt afrobrasilianisch und führte zu einer Wiederbelebung des populären Straßenkarnevals. Lediglich in Rio de Janeiro blieben der traditionelle Salon- und Clubkarneval sowie die organisierten Umzüge der Sambaschulen weiter dominierend. Ein formeller Stadtball wurde erstmals 1932 im Teatro Municipal eröffnet. Bis dahin gab es in Rio zur Karnevalszeit an die 100 Faschingsbälle. Rios Arbeiterklasse mochte – und mag – den Karneval vor allem wegen der Musik, des Tanzens und Trinkens.

Afrobrasilianischer KultDen ersten Karnevalsclub gründete der Portugiese José Nogueira Paredes. Seiner Idee war es, jedermann im Club dazu zu bringen, auf der Trommel denselben Rhythmus zu spielen, um so einen einheitlichen Klang zu erzeugen. Diese Technik wurde grundlegend für die „Bateria“ oder auch „Rhythmusgruppe“ der modernen Sambaschulen. Die Clubs der Arbeiter- und Mittelklasse heißen „Blocos, Ranchos oder Cordoes“ und spielten aus Europa stammende Balladen, die zum Teil immer noch beliebt sind. Im 19. Jh. hatten diese Clubs oft eine wohltätige oder, wie beim Clube dos Socialistas, eine rein politische Zielsetzung und waren auch außerhalb der Karnevalszeit aktiv. Im späten 19. Jh. nahmen erstmals Schwarze am Karneval teil.