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Gesellschaftsstrukturen Brasiliens

Bevölkerung

Brasilien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südamerika. Dreiviertel der Einwohner lebt in den Städten. Das hat zwei wesentliche Ursachen. Zum einen die jahrzehntelange wirtschaftspolitische Bevorzugung der Industrie gegenüber der Landwirtschaft. Zum anderen die Verhinderung einer einschneidenden Landreform durch die konservativen Großgrundbesitzer. Brasilien hat ca. 198,7 Mill. Einwohner (2012), 1960 waren es noch 70 Mill. Die Bevölkerung hat sich also in den vergangenen 40 Jahren mehr als verdoppelt. Der meiste Bevölkerungszuwachs erfolgt bekanntlich in den Unterschichten und vorzugsweise im sogenannten marginalen Milieu. Große Familien sind ein wichtiges Element der Überlebenssicherung, da Kinder und Jugendliche zum Lebensunterhalt mit beitragen müssen. Außerdem spielt die der katholischen Kirche zu Grunde liegende Geburtenregelung eine Rolle sowie die mangelnde Sexualaufklärung. Nicht zuletzt gilt unter Einheimischen immer noch das Vorurteil, dass „richtiger Mann“ möglichst viele Kinder haben muss. Die ethnische Verteilung lässt sich der Statistik nach wie folgt definieren: Weiße 53%, Mulatten 22%, Mestizen 12%, Schwarze 11% und sonstige 2%.

Sprache

Im Gegensatz zu den anderen Ländern Südamerikas, in denen Spanisch gesprochen wird, ist in Brasilien Portugiesisch die Amtssprache. Menschen, die sich im Alltag auf Portugiesisch verständigen, verstehen größtenteils auch Spanisch. Umgekehrt ist dies zumeist nicht der Fall. Zu den Indianersprachen zählen Guaraní, Makú, Tupi und Gês, die jedoch nur etwa 0,1% der Gesamtbevölkerung Brasiliens anwenden. Insgesamt lassen sich 188 verschiedene Sprachen und Idiome zählen. Vorrangig wurden diese durch indianische wie afrikanische Begriffe beeinflusst. Natürlich hat Brasilien auch seine ureigene Umgangssprache, seinen „Slang“, seine Schimpf- und Koseworte. Daher brauchen Brasilianer und Portugiesen auch mehrere Tage um sich gegenseitig zu verstehen. Im Süden wird vor allem die Minderheitensprache Deutsch gesprochen, welche sich im Zuge der Einwandererwellen im 19. Jh. Etabliert hat. Im Gegenzug dazu spielt die eigentliche Weltsprache Englisch in Brasilien kaum eine Rolle. Meist sprechen selbst in den besten Hotels nur wenige Mitarbeiter ein paar Brocken.

Religion

Brasilien ist das größte katholische Land der Welt, jedenfalls der Statistik nach. Früher gehörten fast alle Einwohner Brasiliens dem katholischen Glauben an; daher auch der Spruch: „Deus é brasileiro – Gott ist Brasilianer“. Unter der Herrschaft der Portugiesen hatte die katholische Kirche viel Einfluss auf die Politik. Seit der Gründung der Republik 1889 sind Kirche und Staat jedoch getrennt und es herrscht Religionsfreiheit. Aber der Anteil der Katholiken sinkt stetig und macht heute kaum noch drei Viertel der Bevölkerung aus. Ein Fünftel der Brasilianer ist anderen Ausprägungen des Christentums zuzuordnen; meist sind sie protestantisch orientiert. Des Weiteren gibt es knapp 1.400.000 Zeugen Jehovas, etwa 225.000 Mormonen, 245.000 Buddhisten, 107.000 Juden, über 35.000 Muslime und mehr als 5.500 Hindus. 8,0% erklärten, keiner Religion anzugehören. Einen völlig anderen Schwerpunkt bilden die afro-brasilianische Religionen, die zumeist durch die Sklaverei geprägt worden. Sie künden vom Widerstand der Afro-Brasilianer, vom Rassismus der Weißen, Mächtigen und Reichen, die sie verfolgten, aber auch von Assimilation, Synkretismus und Synthese sowie von der stetigen Präsenz Afrikas auf dem amerikanischen Kontinent.

Bildung

Das Bildungswesen wird in Brasilien über öffentliche wie über private Institutionen bestimmt, die sich in die Bereiche der Vor- und Grundschulen, Sekundarschulen und Universitäten gliedern. Die Grundschulausbildung von Kindern ist kostenfrei und obligatorisch, doch meist genießen die staatlichen Schulen einen schlechten Ruf. Schulpflichtige Kinder sind in der Regel zwischen 7 und 15 Jahre alt. Das Schuljahr geht üblicherweise von Anfang Februar und bis in die erste Dezemberhälfte. Im gesamten Monat Juli sind Winterferien. Die Oberstufe wir mit der 11. Klasse abgeschlossen. Da jedoch viele Jugendliche ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen müssen, um den Lebensunterhalt der Familien mit zu tragen, ist die Analphabetenquote relativ hoch. Verschiedene soziale Programme versuchen dem entgegen zu wirken. Grundsätzlich fließt in das brasilianische Bildungssystem relativ viel Geld; ähnlich der Höhe des deutschen Bildungsbudgets. Das brasilianische Bildungswesen untersteht der Aufsicht des Bundeserziehungsministeriums. Hier werden Lehrpläne und die Einhaltung der Lernziele geprüft und festgelegt. Zu den führenden Universitäten im Land zählen die Universität von Brasília (1961), die Universität von São Paulo (1934), die päpstlich-katholische Universität von Campinas (1941), die Bundesuniversität von Rio de Janeiro (1920) und die päpstlich-katholische Universität von Rio Grande do Sul (1948) in Porto Alegre.

Soziales

Der Ursprung der sozialen Extreme in Brasilien ist in der Lebensform der Fazendas zu suchen. Noch heute beeinflusst dieses Feudalsystem der von Sklaven aufgebauten Landgüter die Gesellschaft. Die Tradition von Herrentum und Unterwürfigkeit existiert bisweilen heute noch. Das Ergebnis ist eine komplexes System unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller, religiöser, regionaler und politischer Gruppen. So existiert einerseits eine Oberschicht in den Zentren wie Rio de Janeiro; andererseits leben Indianerstämme, Großgrundbesitzer und eine moderne Arbeiterschaft gleichberechtigt nebeneinander. Brasilien gilt als typisches Schwellenland mit einem hohen Grad an Industrialisierung und einem breiten Angebot an Gütern. Trotzdem existiert der Großteil nur am Rande der Armutsgrenze, vor allem in den Außenbezirken der Städte – den Favelas. Die Bereitschaft zur Kriminalität ist hoch. Alkohol und Drogen „helfen“ dabei, den harten Alltag vergessen zu machen. Staatliche Leistungen wie Rente, Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe sind minimal. Die wenigsten kommen überhaupt in ihren Genuss. Hingegen wird ein jeder behandelt, der eine ärztliche Betreuung benötigt – auch ohne Krankenversicherung. In vielen Fällen vertrauen Betroffen allerdings lieber auf alte Hausmittel als sich in die Obhut staatlicher Krankenhäuser zu begeben.