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Es
könnte eine Frage des beliebten Gesellschaftsspiels Trivial
Pursuit sein: "Wie heisst die grösste deutsche Industriestadt?"
Antwort: "São Paulo".
In der Tat, keine Stadt in der Welt - selbst in Deutschland nicht! -
beschäftigt in deutschen Industrieunternehmen mehr Arbeitnehmer als
Brasiliens 17-Mio.-Einwohner-Metropole. So eine offizielle
Verlautbarung des Deutschen Generalkonsulates in São Paulo.
Firmen, die in Deutschland Konkurrenten und weit voneinander
entfernt angesiedelt sind, residieren hier in São Paulo als
friedliche Nachbarn. Fast alle deutschen Grossunternehmen
unterhalten in der grössten lateinamerikanischen Volkswirtschaft
eine Niederlassung mit umfangreicher eigener Fertigung. Und längst
ist für viele Unternehmen die Brasilien-Tochter eines der grössten,
wenn auch nicht immer lukrativsten Engagements weltweit. 1.200
deutsche Firmen mit eigener Produktion gibt es in Brasilien, rund
1.000 davon arbeiten im Bundesstaat São Paulo und etwa 800 im
Grossraum São Paulo, der "Zona Metropolitana de São Paulo".
Das Who ist Who der deutschen Konzerne in São Paulo liest sich
eindrucksvoll: Volkswagen mit 28.400 Beschäftigten und einem Umsatz
von 5,7 Mrd. US$ (2000) ist nach den Bilanzanalysen des
brasilianischen Wirtschaftsmagazins "Exame" das grösste private
Unternehmen des Landes. In der Branche fabrizieren und montieren
ferner Daimler Chrysler mit 2,1 Mrd. US$ Umsatz und 12.400
Mitarbeitern sowie Karmann Ghia. Alle drei Autobauer finden sich in
der sog. ABC-Zone, am südlichen Rand São Paulos, wo sich in den 50er
und 60er Jahren neben der Automobilindustrie unzählige andere
Metallverarbeitende Betriebe ansiedelten. Zahlreiche Zulieferer
haben sich im Laufe der Zeit dazu gesellt.
Siemens und BASF setzten 2000 jeweils 1,4 Mrd. US$ um. Auf
anhaltendem Expansionskurs, aber noch unter der Umsatzschwelle von 1
Mrd. US$ blieben 2000 Bayer do Brasil mit 634 Mio. US$, Aventis mit
523 Mio., die Bosch-Siemens-Hausgeräte-Tochter BSH Continental mit
433 Mio. und Boehringer Ingelheim mit 237 Mio. US$. In der
Chemie-/Pharmasparte sind zudem Henkel, Degussa und Schering
engagiert. Ungezählt sind die Maschinenbauer, die in grossen Scharen
in den 70er und 80er Jahren gen São
Paulo zogen, als der Markt noch gegen Importe abgeschottet war.
Genannt seien nur einige grosse Namen: Voith Paper, Voith Siemens
Hydro, Schuler, Mannesmann Rexroth, KHS oder Fabrima, der grösste
brasilianische Hersteller von Verpackungsmaschinen, eine 100%ige
Tochter der deutschen IWK Verpackungstechnik.
Das Aspirin von Bayer, die Götterspeise von Dr.Oetker und der Bulli
von Volkswagen - hier Kombi genannt -. Jeder Brasilianer kennt und
schätzt diese Produkte - alle "Made in
São Paulo".
Warum São Paulo? Was zieht und
zog deutsche Unternehmen nach
São Paulo? Deutscher Herkunft sind in Südamerika etwa 1,5 Mio.
Menschen, von denen knapp 80% in Brasilien leben. Allein in São Paulo wohnen heute fast 500.000
deutsche Auswanderer bzw. deren Nachkommen sowie Entsandtkräfte
deutscher Firmen und Institutionen. In São Paulo werden
protestantisch-lutheranische Gottesdienste abgehalten, es gibt
deutsche Zeitungen, ein deutsche Krankenhaus und über 100
deutschsprachige Vereinigungen (vom Armbrustschützenverein über das
Kolpinghaus bis zum Yacht Club Santo Amaro). Fünf deutsche
Auslandsschulen sind offiziell anerkannt, drei davon im Grossraum São Paulo. Um den spielenden Nachwuchs
in der Metropole kümmert sich fast ein Dutzend deutschsprachiger
Kindergärten.
In dieser grössten Ansammlung von Firmen und Menschen Lateinamerikas
ringen jeden Tag auf insgesamt 2.140km² urbanisiertem Territorium
10.200 Busse, 30.000 Taxis und 4 Mio. anderer Pkw um ihre Vorfahrt.
Insgesamt umfasst das Stadtgebiet nach offiziellen Angaben übrigens
eine Fläche von 8.050km² und ist damit fast so gross wie Jamaika
oder der Libanon. Das hier erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt
entspricht in etwa demjenigen Portugals oder Griechenlands. Und
endlich, mit 17 Mio. Einwohnern rangiert São Paulo weltweit hinter Tokio und
Mexiko auf Platz 3.
Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO 10 N°1" - Bericht von Axel Simer
(seit 1994 Korrespondent der BfAI, São Paulo) Copyright © AHK-São
Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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