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Wirtschaft im Bundesstaat São Paulo

   
     

"Wussten Sie, dass der Bundesstaat São Paulo etwa das Bruttosozialprodukt von Argentinien aufweist und die Hälfte des mexikanischen erreicht? Und, dass die deutschen Unternehmen in São Paulo über 250.000 Arbeitnehmer beschäftigen?"

Im ersten Vierteljahr 2004 lagen die Verkäufe der paulistaner Industrie um 17,3 % höher als im gleichem Vorjahreszeitraum. Wenn man nur den März 2004 mit dem von 2003 vergleicht, liegt der Anstieg sogar bei 30,7 % und der März 2004 war um 22,3 % besser als der Vormonat. Allerdings sagt die FIESP "Industriedachverband von São Paulo", dass der Inlandsmarkt immer noch stagniert, die gezeigte Entwicklung ist fast ausschließlich auf den Export zurückzuführen. Das Realeinkommen in der paulistaner Industrie stieg im März 2004 gegenüber dem Vormonat um 2,1 % und gegenüber dem Februar 2003 sogar um 9,9 %, es besteht also Hoffnung, dass sich auch der Inlandsmarkt belebt.

Wer die wirtschaftliche Situation der Stadt beschreiben will, kommt um Zahlen nicht herum. Im Grossraum São Paulo erbringen rund 11% der Bevölkerung 55% der Industrieproduktion und 36% der Dienstleistungen Brasiliens. Hier sind fast drei Viertel der High-Tech-Unternehmen konzentriert. Das Pro-Kopf-Einkommen ist fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Losgelöst von Brasilien wäre das Bundesland São Paulo die drittstärkste Wirtschaftsmacht (nach Brasilien und Argentinien) Südamerikas. Gleichzeitig gilt die Metropole als weltweit grösster deutscher Industriestandort.

Eine konsequente Ausrichtung auf Funktionalität und ständigen Wandel sowie der im Vergleich zu anderen brasilianischen Städten hohe Stellenwert der Arbeit im Leben der "Paulistanos" sind wichtige Antriebselemente der Lokomotive. Die zentrale Lage in Südamerika, die Nähe zur Hafenstadt Santos und durch das relative Höhenlage bedingte gemässigte Klima sind weitere Pluspunkte für die Stadt.

Die moderne Industriegesellschaft - in vielen Bundesländern Brasiliens noch ein Fremdwort - ist in São Paulo längst Realität. Junge Firmengründer setzen innovative Ideen in wirtschaftliche Erfolge um. Multinationale Unternehmen entsenden Führungskräfte in die Stadt, damit diese hier ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können, sich kurzfristig auf völlig veränderte Rahmenbedingungen einzustellen. Aber auch der bekannte Führer der Arbeiterpartei PT, Liuz Ignácio "Lula" da Silva, und der Präsident der grössten Gewerkschaft Brasiliens CUT, "Vicentinho", haben in der Region ABC, in den grossen, im Südosten der Metropole gelegenen Industrievororten Santo André, São Bernardo do Campo und São Caetano do Sul, ihre Karrieren als Metallgewerkschafter begonnen.

Das ABC ist die Wiege der Gewerkschaftsbewegung, die hier mit dem Aufbau der Automobilindustrie entstanden ist. Seit jener Zeit hat sich die Region dramatisch verändert. Die Real-Einkommen der "Metalúrgicos" haben sich bedeutend erhöht. PKws, Farbfernseher und Videogeräte sind in den Haushalten häufiger anzutreffen als beispielsweise in Salvador, Curitiba oder Porto Alegre. Auf der anderen Seite hat sich die Zahl der Indstriearbeitsplätze trotz gestiegener Produktion in den letzten 15 Jahren um rund 40% verringert.

Vor dem Hintergrund der Lohnentwicklung und zahlreicher Streiks wird heute nur noch wenig in der Region investiert. Viele mittelständische Unternehmen haben ihre Pforten im ABC für immer geschlossen. An ihre Stelle sind Handel und Dienstleistungen getreten. Shopping-Center entstehen auf den Geländen ehemaliger Fabriken. Ein vollständiger Strukturwandel wird jedoch nicht möglich sein. Das ABC wird auch in Zukunft Industrieansiedlungen benötigen und sich im zunehmenden Wettbewerb mit anderen Standorten beweisen müssen.

Auszug aus dem Buch "Willkommen in Brasilien: Informationen für das Einleben in São Paulo" Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002

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