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Zinsentwicklung - 07/2006

   
     


Obige Graphik wurde am 20.7.2006 im "Estado de São Paulo" veröffentlicht. Der nominale Leitzins ist danach so niedrig wie seit 31 Jahren (!!!) nicht mehr, aber trotzdem zahlen Otto Normalverbraucher und auch Graf Koks von der Gasanstalt immer noch die höchsten Realzinsen der Welt.
 


Aber zum Ausgleich sind ihre Habenzinsen wesentlich niedriger, die Banken gönnen sich ja sonst nichts. Bitte glauben Sie jetzt nicht, dass ich Sozialist bin - im Gegenteil! Aber das Argument der Banken für den weiterhin exorbitanten Spread, dass nämlich das Risiko sehr hoch sei, ist gelinde gesagt, unglaubwürdig. Beziehungsweise erinnert mich an sich selbst erfüllende Vorhersagen. Denn der Kreditnehmer muss sehr hohe Zinsen zahlen, deshalb hat er Probleme mit der Rückzahlung und wegen dieser Probleme müssen die Zinsen hoch sein, weil das Risiko hoch ist. Lächerlich und frühkapitalistisch, nach dem Motto, wenn es Brei regnet, muss man den Löffel raushalten. Der "Estado de São Paulo" erwähnt noch, dass der brasilianische Realzins, also unter Abzug der Inflation der nächsten 12 Monate, immer noch den Weltrekord hält. Er beträgt stolze 9,9 % im Jahr, Malaysia bringt es auf 9,3 %, Singapur auf 7,1 %, Hong Kong auf 4,7 % und die früher so geschmähte Türkei nur noch auf 4,5 %! Interessant übrigens die Anwesenheit von Tigerstaaten in dieser Aufzählung.

Und wer hat die Schuld an der schlechten Position Brasiliens? Natürlich die Regierung und die bei uns von ihr abhängige Zentralbank, denn wenn diese mehr Inflation zuliessen, würde der Realzins niedriger sein! Oder nicht? Denn wenn die Inflation höher wäre, würde auch der Leitzins angehoben werden, eine Schraube ohne Ende.

Der Leitzins wird übrigens zum Jahresende von den Auguren bei 14 % gesehen, kein Wunder, dass das ausländische Geld, was in Brasilien investiert wird, zum grossen Teil in zinsbringende und nicht in produzierende Anlagen gesteckt wird. Und wenn der Leitzins weiterhin so schüchtern reduziert wird, wird sich daran nicht viel ändern.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Wechselkurs. Die angekündigte Reform lässt auf sich warten, aber vielleicht schon in der kommenden Woche wird es endlich wahr und brasilianische Exporteure können die eingenommene Hartwährung im Ausland deponieren und zum Bezahlen von Verpflichtungen aus ihren Importen benutzen. Bis jetzt scheitert diese für eine moderne Volkswirtschaft eigentlich selbstverständliche Regelung daran, dass sie einen Steuerausfall von 200 Mio. R$ im Jahr bedeutet, denn hier bei uns wird ja jede Kontenbewegung besteuert. Und die Regierung versucht noch, eine Möglichkeit zu finden, diesen Ausfall zu kompensieren. Mein Vorschlag dazu: weniger aufwendige und augenauswischende Propaganda, diese kostet mehr als das Doppelte im Jahr.


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