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Privatisierungswelle rollt weiter - Chancen für deutsche Investoren

     

Seit Beginn der 90er Jahre investierten ausländische Kapitalgeber mehr als 160 Milliarden Mark in Brasilien. Der Anteil solcher Mittel am Inlandsprodukt stieg während dieser Zeit von 0,25 auf fast 5%. Fast ein Drittel der Summe diente dabei Privatisierungskäufen und anderen Beteiligungen des Auslands in der brasilianischen Wirtschaft.

Im Rahmen der Privatisierungsprogramme wurde Eigentum des Bundes, der Bundesstaaten und der Gemeinden verkauft oder per Konzession vergeben. Hierzu gehören Industriefirmen, Banken und Dienstleistungsbetriebe. Insgesamt handelte es sich um fast 120 Objekte, darunter Bergbau-Konzerne, Stromversorger, Seehäfen, Kreditinstitute, Auto- und Eisenbahnen, Telefongesellschaften sowie der einzige grosse Flugzeugkonstrukteur des Landes.

Die bedeutendste Transaktion bildete Mitte 1998 die Versteigerung des Telebras-Verbundes (Telekommunikation) für etwa 21,5 Milliarden Mark. Dabei gingen die bis dahin für In- und Auslandsferngespräche zuständige Gruppe Embratel, drei regionale Fernsprechnetz-Betreiber sowie acht Mobilfunkfirmen in Privathand über.

Die Veräusserung der Telebras galt Brasilien ebenso wie die des Stromversorgers von Rio "Light" als Test für den Erfolg der Privatisierungsprogramme. Tatsächlich gab Light (heute im Besitz eines französisch-amerikanischen Konsortiums) allein im Vorjahr etwa 600 Millionen Mark für Elektrifizierungen und die technische Verbesserung seines Stromnetzes aus.

Auch die Modernisierung der Telefonnetze soll in den kommenden Jahren zügig fortgesetzt werden: bis Ende 2003 wollen die Betreiber nach Angaben der Aufsichtsbehörde Anatel umgerechnet mehr als 80 Milliarden Mark ausgeben, davon noch in diesem Jahr (2000) 12,5 Milliarden im Festnetzbereich.

EnergieversorgungFür dieses und das nächste Jahr sind nach Ansicht von Fachleuten der Zentralbank wieder mindestens 25 Milliarden Mark ausländische Neuinvestitionen in Brasilien zu erwarten, davon schätzungsweise ein Viertel für Privatisierungsvorhaben. Ein Grossteil dieser Vorhaben wurde bereits abgeschlossen, aber einige wichtige Objekte stehen noch auf der Kandidatenliste, so z.B. der Stromversorger Furnas und die Landesbank von São Paulo "Banespa". Präsident Fernando Henrique Cardoso erklärte erneut, Auslandskapital werde in Brasilien bei solchen Vorhaben auch künftig "mit offenen Armen" empfangen.

Ob es dem Präsidenten gelingt, politisch diskutierte Projekte wie die Privatisierung des Ölkonzerns Petrobras oder der bundeseigenen Banco do Brasil durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Auch bei der Ausschreibung einer Konzession für die Wasser- und Abwasserbetriebe von Rio "Cedae" sind juristische und politische Hürden zu überwinden. Fest steht, dass die überfällige Modernisierung nicht ohne Auslandsinvestoren denkbar ist. Und Anwärter auf die Cedae aus Europa und den USA gibt es im Prinzip genug.

*Auszug aus "BrasilienAktuell" Informationen aus Wirtschaft, Politik und Kultur
 © Brasilianische Botschaft - Berlin

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