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Nach der
Währungsumstellung in Argentinien bleiben die Auswirkungen auf den
Handel zwischen vier Mitgliedsländern des Mercosur - Brasilien,
Argentinien, Paraguay und Uruguay - abzuwarten. Schätzungen des
brasilianischen Aussenhandelsverbands AEB zufolge können die
brasilianischen Exporte nach Argentinien im Jahre 2002 um etwa 30%
von US$ 5,0 Mrd. (2001) auf US$ 3,5 Mrd. fallen. "Argentinien hat
noch grosse Schwierigkeiten zu überwinden, aber eine der unseren
ähnliche Wechselkurspolitik ist unabdingbar, damit das Land wieder
auf die Füsse kommt und eine stabilere Säule für den Mercosur
darstellen kann", so Odair Abate, Chef-Ökonom der Lloyds TSB Bank.
Ein positiver Effekt der Geschehnisse in Argentinien ist der, dass
die Streitigkeiten, welche die Beziehungen zwischen den beiden
Hauptländern des Mercosur - Brasilien und Argentinien - so belastet
haben, weniger werden dürften. "Der Wechselkurs an sich wird
lediglich eine Barriere darstellen", so AEB-Direktor José Augusto de
Castro. Mit Ende der Wechselkursparität werden einige Branchen in
Argentinien gegenüber ihren brasilianischen Nachbarn an
Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, was zu einem Rückgang der
brasilianischen Exporte führen wird.
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Aufrechterhaltung und Stärkung
Trotz des spürbaren Verkaufsrückgangs auf dem Nachbarmarkt atmen
brasilianische Unternehmer erleichtert auf: Die Regierung von
Eduardo Duhalde hat zu erkennen zu geben, dass dem Mercosur
Priorität eingeräumt werden wird. Nach allgemeiner Einschätzung ist
die Bildung des Mercosur nicht mehr rückgängig zu machen; der Block
muss angesichts der wirtschaftlichen Vorteile für Unternehmen und
wegen der grösseren Verhandlungsmacht, die Brasilien durch ihn in
Verhandlungen mit dem Ausland gewinnt, unbedingt aufrechterhalten
werden. "Ich sehe kein Zurück für den Mercosur", bestätigt Antônio
Corrêa de Lacerda, Chef-Ökonom von Siemens und Präsident der
Brasilianischen Gesellschaft für Studien über Transnationale
Unternehmen und Globalisierung SOBEET. "Im Gegenteil, der Weg führt
zu einer Blockbildung innerhalb ganz Südamerikas, ausgehend von
einer Verbindung der Mercosur mit den Ländern der
Andengemeinschaft", erklärt er.
Das ist ein wichtiger Punkt, der für Aufrechterhaltung und Stärkung
des Mercosur spricht: alle grossen internationalen Verhandlungen
finden zunehmend zwischen Blöcken und nicht mehr zwischen einzelnen
Ländern statt. "Ein starker Mercosur stärkt Brasilien auf der
internationalen Bühne", so Lacerda. Im Vordergrund stehen hier die
Verhandlungen mit der Europäischen Union und die Gespräche zur
Schaffung der Gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA. Nach
Einschätzung von Lucia Baptista Maduro, Ökonomin in der Abteilung
für Internationale Integration des Brasilianischen Industrieverbands
CNI, wird die nächste Verhandlungsrunde zwischen Mercosur und EU,
angesetzt für April 2002, zugunsten des Mercosur ausgehen. "Äussere
Erfordernisse könnten für blockinterne Fragen zwingend werden".
"Europäische Union und ALCA sind zwei ausreichend gute Gründe, den
Mercosur in seiner politischen Dimension zu erhalten", sagt José
Augusto de Castro vom Aussenhandelsverband AEB und fügt hinzu, dass
Europa ein grosser Abnehmer von Commodities aus Brasilien und
Argentinien ist. Laut Castro hat der Mercosur aufgrund der Rezession
in Argentinien im vergangenen Jahr viel von seiner wirtschaftlichen
Funktion eingebüsst, eine Entwicklung, die sich seiner Meinung nach
in diesem Jahr fortsetzen wird. Im Jahr 2001 fielen die
brasilianischen Exporte nach Argentinien um fast 20% auf US$ 5,003
Mrd.
Exporte und Internationalisierung
Obwohl die brasilianischen Exporte in die anderen Mercosur-Länder im
vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr 2000 um fast 18%
zurückgegangen sind, sind sich Wirtschaftsfachleute und Unternehmer
darin einig, dass der Mercosur dazu beigetragen habe, in Brasilien
eine Exportkultur zu schaffen. "Der Mercosur hat gezeigt, dass der
Export kein Ungeheuer mit sieben Köpfen ist", so Castro von der AEB.
"Da die geographische Lage günstig ist und auch die sprachlichen
Schwierigkeiten relativ gering sind, begannen viele Unternehmen
damit, nach Argentinien, Paraguay und Uruguay zu exportieren. Heute
sind sie auch auf vielen andern Märkten präsent".
Lucia Maduro vom Industrieverband CNI stimmt dem zu. Sie meint, der
Mercosur habe zur Internationalisierung mittelständischer
brasilianischer Unternehmen beigetragen. Als weiteren Erfolgsbeweis
sieht die Ökonomin das Wachstum des Handels innerhalb des Mercosur.
Während 1990 nur 4,2% der brasilianischen Exporte, nämlich Waren im
Wert von US$ 1,32 Mrd., nach Argentinien, Paraguay und Uruguay
gingen, waren es im Jahr 2000 mit US$ 6,37 Mrd. bereits 13,8% der
Gesamtausfuhren. Im vergangenen Jahr ging dieser Anteil aufgrund der
sich zuspitzenden Krise in Argentinien auf 10,9% zurück, lag mit US$
6,34 Mrd. aber noch immer weit über dem Wert von 1990.
Wettbewerbsvorteile
Die Unternehmen haben unzählige Vorteile durch den Mercosur. Da sind
einmal die Unternehmen, die über den Handel mit den unmittelbaren
Nachbarn in den Export eingestiegen sind; dann diejenigen, die ihre
Exporte erheblich steigern konnten; und schliesslich transnationale
Unternehmen, denen durch den Mercosur ein grösserer Markt offenstand
und die deshalb Investitionen von ihren Mutterhäusern erhielten,
sich strukturell vergrössern konnten und wettbewerbsfähiger wurden,
und zwar nicht nur innerhalb des Mercosur, sondern auch auf anderen
Märkten. Und eben deshalb will die Unternehmerschaft gar nicht an
die Möglichkeit einer Rückentwicklung denken. "Es ist ganz
essentiell, dass der Mercosur weiterhin an der Integration arbeitet
und sich nicht von vorübergehenden Konjunkturproblemen beeinflussen
lässt", so Ansgar Wille, BASF-Geschäftsführer für Strategische
Planung und Neue Geschäfte in Südamerika.
"Ohne den Mercosur wären wir in den vier Ländern zusammen weniger
wettbewerbsfähig als unsere mexikanische Niederlassung, die mehr
produziert und der billigere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen",
sagt auch Domingos Dragone, Betriebsleiter bei Black & Decker do
Brasil. Black & Decker hat ein Werk in Uberaba im Bundesstaat Minas
Gerais, wo Elektrowerkzeuge und Haushaltsgeräte hergestellt werden.
Ohne die günstigeren Zolltarife bliebe, so Dragone, nur der
geographische Vorteil. Die brasilianische Niederlassung des
Unternehmens hat geringere Transportkosten nach Argentinien,
Paraguay und Uruguay als das nordamerikanische Mutterhaus und die
Niederlassungen in Mexiko, England und China. Das bringt auch
logistische Vorteile: Lieferungen nach Argentinien verlassen
Brasilien im Monat vor Liefertermin, wohingegen Ware von England
nach Argentinien zwei Monate vorher verschifft wird. Dadurch
entstehen den Argentiniern höhere Lagerkosten.
Seit Mitte der 90er Jahre plant das Unternehmen seine Investionen
so, dass die Vorteile des Mercosur optimal genutzt werden. Nach der
Abwertung des Real gegenüber dem Dollar im Jahr 1999 wurde
beschlossen, Elektrowerkzeuge auch in Brasilien herzustellen, um die
hohen Importkosten zu umgehen. Der Mercosur war auch ein wichtiger
Faktor, als es darum ging, vom Mutterhaus Investitionen in das Werk
in Uberaba zu erhalten. "Wir konnten zeigen, dass die Herstellung
verschiedener Modelle in Brasilien im ganzen Mercosur Vorteile
bringen würde", erzählt Dragone.
Durch diese zunehmende Verlagerung der Produktion stieg die Anzahl
der in Brasilien hergestellten Elektrowerkzeuge von 3 auf 33
Modelle, die Anzahl der Mitarbeiter von 350 auf 550. Gleichzeitig
wuchsen die Nettoexporte aus der brasilianischen Niederlassung von
nur US$ 4 Mio. im Jahr 1999 auf US$ 15,5 Mio. im Jahr 2000. Sogar im
krisengeschüttelten Argentinien konnte B&D do Brasil im Jahr 2001
wachsen: Die Nettolieferungen beliefen sich auf US$ 3,8 Mio.,
verglichen mit US$ 3,6 Mio. im Jahr 2000.
Die Präferenzspanne von 100% für die Importsteuern in den Mercosur
sichert der brasilianischen Kodak-Niederlassung einen
Wettbewerbsvorteil von 16,5%; das ist der durchschnittliche
Gemeinsame Aussenzoll "TEC", den die Konkurrenz von ausserhalb des
Mercosur bezahlen muss. "Es ist fast so, als würde man auf dem
einheimischen Markt verkaufen", vergleicht der Direktor für
Unternehmensfragen, Waldir Berger. Deshalb konnte das Unternehmen
seine Produktion steigern und damit Kosten senken, wovon es nicht
nur im Mercosur, sondern auch auf anderen Märkten profitiert. "Das
gibt unserem Werk in Brasilien eine sehr starke Position im
Gesamtkonzern, denn es bringt uns Investitionen", so Berger.
Zentralisierte Strukturen
In den Jahren 2000 bis 2004 wird die BASF-Gruppe insgesamt US$ 500
Mio. in Südamerika investieren. Allein in die Herstellung von
Acryl-Monomeren gehen - in Partnerschaft mit der Petrobras - US$ 300
Mio. Abteilungsleiter Ansgar Wille erklärt, dass das Unternehmen die
Region in Bezug auf Investitionen und Planung schon immer eher einen
einzigen Markt betrachtet habe.
Der Zusammenschluss zum Gemeinsamen Markt hatte auch zur Folge, dass
viele Unternehmen ihre Tätigkeiten in den Mercosur-Ländern
umstrukturierten, was wiederum Verfahrensoptimierungen und
Einsparungen mit sich brachte. Das Unternehmen Henkel Mercosur - mit
Werken in Brasilien, Argentinien und Chile (assoziiertes Mitglied
des Mercosur) und einem Umsatz von US$ 160 Mio. im Jahr 2001 - wird
von São Paulo aus zentral verwaltet. "Damit konnten wir unsere
Personalkosten um ungefähr 30% senken", so Klaus H.Behrens,
geschäftsführender Präsident der Gruppe und Vizepräsident der
Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer.
Behrens betont, dass Henkel den Mercosur als Einheit sieht, und
nennt als einen der Hauptvorteile den wegen der Befreiung von
Importzöllen erleichterten Warenaustausch, der es den Unternehmen
erlaubt, ihre Produkte dort herzustellen, wo es kosten- und
kapazitätsmässig am günstigsten ist. So können die Unternehmen - wie
es auch Henkel gemacht hat - die Produktion bestimmter Grundstoffe
auf einige Märkte zentralisieren und damit Kostenersparnisse und
geringere Fixkosten erreichen. Laut Behrens sind die Geschäfte von
Henkel im Mercosur dank der Aufhebung der Importsteuern in den
letzten fünf Jahren um 30% gewachsen.
Auch Kodak hat einen Teil seiner Struktur zentralisiert. Vor etwa
drei Jahren wurde der Verwaltungssitz der Gruppe für den ganzen
Mercosur nach São José dos Campos im Bundesstaat São Paulo verlegt.
"All diese Märkte werden verwaltet, als seien sie ein einziges
Land", so der Geschäftsführer für internationale Logistik, Luiz
Antônio Pasquotto.
Ausserdem wurde Brasilien zur logistischen Basis von Kodak in der
Region. Sämtliche Waren aus dem Ausland, die für den Mercosur
bestimmt sind, werden von der brasilianischen Niederlassung
importiert und in das Zollager in São José dos Campos gebracht, wo
sie erst einmal bleiben, ohne im zollrechtlichen Sinne eingeführt zu
werden. Das Produkt wird dann zeitlich so abgefertigt, wie es in den
Nachbarländern gebracht wird. "Die brasilianische Niederlassung ist
sozusagen die Lieferzentrale für alle anderen Niederlassungen in der
Region", so Pasquotto. Damit hat Kodak Brasilien seine Transporte zu
grösseren Mengen zusammengefasst und spart mindestens 10% an
Frachtvolumen. "Das kommt den in Brasilien hergestellten Produkten
(Fotopapier, Filme und chemische Stoffe) zugute und schafft
Arbeitsplätze bei Speditionen, Zollagenturen und anderen
Dienstleistern", erklärt der Geschäftsführer.
Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO 10 N°1" - Bericht von
Sonia Salgueiro - Copyright © AHK-São
Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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