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Perspektiven
und strategische Bedeutung
Deutschland und Brasilien fördern seit Jahren die
Integrationsbestrebungen zwischen Mercosul und Europäischer Union
und damit die Schaffung eines Freihandelsgebietes zwischen beiden
Wirtschaftsräumen.
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Für die globalen wirtschaftlichen Interessen Brasiliens und
Deutschlands sind diese Verhandlungen von grosser strategischer
Bedeutung. Brasilien ist sehr daran gelegen, ein gesundes
Gleichgewicht in den aussenwirtschaftlichen Beziehungen des Mercosul
sicherzustellen, um einer Konzentration von Handel und Investitionen
auf dem amerikanischen Doppelkontinent entgegenzuwirken, während
Deutschland seine solide wirtschaftliche Präsenz auf dem grössten
und dynamischsten Markt Lateinamerikas wahren und ausbauen möchte.
Während der deutschen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 1999 hat
Deutschland entscheidend zur Erteilung des Mandats für Verhandlungen
mit dem Mercosul beigetragen. Seitdem haben die deutsche
Bundesregierung und die Privatwirtschaft die Verhandlungen
aufmerksam verfolgt und unterstützt. Gerade mit Blick auf das
geplante Inkrafttreten der "FTAA - Alca" im Jahre 2005 kann die
deutsche Industrie ihre Position auf den südamerikanischen Märkten
nur halten, wenn die Verhandlungen zwischen Mercosul und EU
beschleunigt werden. Deutschland ist sich bewusst, dass dieses Ziel
nur erreicht werden kann, wenn Europa seinen Markt für Agrarprodukte
öffnet. Ohne dies gäbe es für den Mercosul keinerlei Anreiz, eine
Vereinbarung mit der EU zu treffen.
Die Verhandlungen sind bereits in ein wichtiges Stadium getreten.
Vor kurzem haben beide Seiten erste Vorschläge für Zollsenkungen und
den Abbau anderer Handelshemmnisse unterbreitet. In der nächsten
Verhandlungsphase bedarf es nunmehr weiterer intensiver Bemühungen,
um zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen. Dabei erweisen sich
die Verhandlungen zwischen dem Mercosul und der EU als weitaus
komplexer als die Verhandlungen zwischen der EU und Mexiko, einem
Land, das kein vergleichbares landwirtschaftliches Exportpotenzial
besitzt.
Die Integrationsbestrebungen zwischen Mercosul und EU werden von der
europäischen und insbesondere von der deutschen Wirtschaft gefördert
und sind in dem Mercosul-EU Business Forum "MEBF" bereits
institutionalisiert worden.
Das MEBF entstand auf Initiative Deutschlands und Brasiliens und
trat 1999 zum ersten Mal zusammen. Seitdem dient es beiden Seiten
dazu, den Regierungen und der Europäischen Kommission die Interessen
der Unternehmerschaft zu übermitteln und darzulegen, welchen Beitrag
es zu den Bi-regionalen Verhandlungen leisten könnte.
Nach einem Treffen im Dezember 2001 in Buenos Aires schlug das MEBF
mehrere Massnahmen vor, um den Handelsverkehr zwischen beiden
Blöcken noch vor Abschluss eines Freihandelsabkommens zu
erleichtern.
Die Turbulenzen in Argentinien belasten natürlich die Verhandlungen
zwischen EU und Mercosul, der somit gezwungen wird, sich seinen
internen Problemen aktiv zuzuwenden. Gelingt es Argentinien, die
Krise durch konsequentes Wirtschaftsprogramm zu überwinden, ist
abzusehen, dass der Mercosul als Wirtschaftsblock gefestigt aus den
Schwierigkeiten hervorgehen wird und gestärkt in extreme
Verhandlungen - insbesondere mit der EU - gehen kann.
Durch die Einführung freier Wechselkurse in Argentinien - in
Brasilien erfolgte dies vor drei Jahren - ist die divergierende
Wirtschaftspolitik als grösstes Hindernis für die interne
Entwicklung des Mercosul beseitigt. Durch seine solidarische
Unterstützung des Nachbarlandes während der Krise hat Brasilien zur
Festigung der Partnerschaft zwischen den beiden Ländern beigetragen.
Darin zeigte sich ferner, welchen strategischen Stellenwert der
Mercosul für die Wirtschaftspolitik beider Länder besitzt.
Gerade in diesen von Krisen erschütterten Tagen sind Brasilien und
Deutschland, Mercosul und EU ein Beispiel für konstruktive
Zusammenarbeit auf der Grundlage von Frieden und Demokratie und in
ihrem Streben nach Solidarität und Entwicklung möglicherweise ein
Vorbild für andere interregionale Beziehungen.
Copyright © Brasilianische
Botschaft - Berlin
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