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Kompetenz und Erfolg in der brasilianischen Landwirtschaft

   
     

Kompetenz und Erfolg in der LandwirtschaftDer Überschuss von US$ 19 Mio. im Agrobusiness ist der wachsenden Produktivität und den Investitionen in Technologie zu verdanken. Aber darüber hinaus beweisen die Zahlen auch, dass die brasilianische Landwirtschaft inzwischen zu den wettbewerbsfähigsten der Welt gehört.

Die Entwicklung der Ernte und die zunehmende Produktivität in der brasilianischen Landwirtschaft wirken sich äusserst günstig auf die brasilianische Handelbilanz aus. Das Agrobusiness hat im Jahr 2001 einen Überschuss von US$ 19,03 Mrd. erwirtschaftet, 28% mehr als im Vorjahr. Dabei sind die Exporte um 15% - von US$ 20,68 Mrd. auf US$ 23,95 Mrd. - gestiegen, während die Importe um 19% auf US$ 4,92 Mrd. gefallen sind.

Höhere Ernte, niedrigere Preise. Das Ergebnis war nur deshalb nicht besser, weil einige Produkte auf dem Weltmarkt im Laufe des Jahres zu niedrigen Preisen gehandelt wurden. Es wurden 36% mehr Soja und 29,5% mehr Rohkaffee exportiert; der Export von Orangensaft hat sich gehalten. Aber der durchschnittlich erzielte Preis lag beim Kaffee 40% unter dem des Vorjahres; beim Orangensaft waren es 20%, bei Sojabohnen 8,5%. Eine Ausnahme bildete der Zucker: das Exportvolumen stieg um 71%, die Exporteinnahmen gleich um 90%. Die Aussenhandelsabteilung "SECEX" des Ministeriums für Entwicklung, Industrie und Aussenhandel hat berechnet, dass die Einnahmen aus den Rohstoffexporten (Landwirtschaft und Bergbau im Jahr 2001 um US$ 8,67  höher gewesen wären, wenn die Preise denen von 1997 entsprochen hätten. In gewisser Weise hat gerade die höhere Ernte in Brasilien zu den niedrigen Preisen beigetragen. "Die Notierungen für Soja sind gefallen, weil die USA und Brasilien, grösster und zweitgrösster Hersteller, im letzten Jahr eine Rekordernte hatten", bestätigt der Ökonom Fábio Silveira, von der Unternehmensberatung MB Associados. Der Landwirtschaftsminister des Bundeslandes São Paulo, João Carlos des Souza Meirelles, nennt neben dem gestiegenen Angebot auch die Einfuhrbeschränkungen für Agrargüter auf vielen wichtigen Märkten - allen voran die USA und die Europäische Union. "Der Weltmarkt für Commodities ist enorm gewachsen, und die Preise sind enorm gefallen, sei es wegen der grösseren Wettbewerbsfähigkeit, sei es aufgrund des Protektionismus", fasst er zusammen. Die Subventionen in den 29 reichsten Ländern der Welt, den OECD-Ländern, hätten sich in den letzten vier Jahren auf durchschnittlich insgesamt US$ 1 Mrd. pro Tag belaufen.

Subventionen, Quoten und Zölle. Die vielen Handelshemmnisse, die es weltweit gibt, können die Form von Subventionen, Quoten oder Zöllen annehmen. Die USA beispielsweise subventionieren die einheimische Produktion von verschiedenen Agrargütern. Den Sojaproduzenten verspricht die US-amerikanische Regierung einen Mindestpreis, unabhängig von den internationalen Notierungen. Da sie also den Marktschwankungen nicht unterliegen, können die Sojaproduzenten aus den USA ihre Waren im Ausland zu einem beliebigen Preis verkaufen, wobei sie unter Umständen die Notierungen destabilisieren.
Brasilianischer Zucker unterliegt beim Verkauf in die USA seit 1982 einem Quotensystem. Ab einer gewissen Grenze muss pro Tonne ein Aufgeld von US$ 338,70 gezahlt werden. Die Einführung dieser Praxis hat dazu geführt, dass die Verkäufe von brasilianischem Zucker in die USA um über 60% zurückgegangen sind. Später kamen weitere Beschränkungen hinzu, und heute liegt die Zuckermenge, die Brasilien in die USA exportiert, bei nur noch 15% der Menge von vor 1982. Auch in die Europäische Union kann Brasilien seinen Zucker nicht ohne weiteres exportieren: Die EU subventioniert die Produktion von Rübenzucker und den Export von Zucker aus Indien, dem weltweit grössten Hersteller.
Auf brasilianischen Orangensaft wird die Einfuhr in die USA ein Aufschlag von US$ 418 pro Tonne erhoben. "Das Schlimmste ist, dass sowohl die USA als auch die EU mit der Karibik und mit Mittelmeerländern einen Vertrag abgeschlossen haben und Importe von dort nicht mit Zöllen belegen. So können 300.000 Tonnen Orangensaft zollfrei in die Europäische Union eingeführt werden", so Ademerval Garcia, Präsident von ABECITRUS, dem Verband der Exporteure von Zitrusfrüchten. Gäbe es nicht Handelshemmnisse wie dieses, könnten der Produzent und alle, die sonst an der Herstellung von Orangensaft beteiligt sind, besser entlohnt werden. "Ausserdem könnten wir die 300.000 Tonnen nach Europa exportieren, die zur Zeit von unserer Konkurrenz kommen, der günstigere Konditionen eingeräumt werden", so Garcia. Im vergangenen Jahr habe Brasilien 800.000 Tonnen Orangensaft nach Europa verkauft.
Eine Folge solcher Handelshemmnisse, erklärt der ABECITRUS-Präsident, sei eine stagnierende Produktion. 1999 lag die Orangenernte bei 440 Mio. Kisten. Im vergangenen Jahr ist diese Zahl auch aus klimatischen Gründen auf 328 Mio. gefallen; für dieses Jahr wird ein geringer Anstieg auf 360 Mio. Kisten erwartet. "Die 15,2%, die die Europäische Union auf brasilianischen Orangensaft aufschlägt, entsprechen in etwa dem Herstellergewinn. Damit entfällt der Produktionsanreiz", so Garcia.
Der Export brasilianischer Agrarprodukte auf wichtige Absatzmärkte wird dadurch noch komplizierter, dass der Protektionismus mit Wert des gehandelten Gutes zunimmt. Während z.B. Sojabohnen noch zollfrei in die EU verkauft werden können, wird auf Sojaöl bereits ein Zoll von 6,4% erhoben. In China liegt auf Sojabohnen ein Zoll von 3%, bei Sojaöl sind es gleich stolze 85%. Auch die USA erheben Zoll auf die Einfuhr von Sojaöl. "Das hat negative Auswirkungen auf die brasilianische Exportwirtschaft als ganzes, denn so geht das Land dazu über, mehr Sojabohnen und weniger verarbeitete Produkte zu exportieren", bestätigt Cesar Borges de Sousa, geschäftsführender Präsident von Caramuru Alimentos, einem Unternehmen, das im vergangenen Jahr Sojaschrot, -bohnen und -öl im Wert von US$ 149,5 Mio. exportiert hat und für dieses Jahr mit Exporten in Höhe von US$ 180,7 Mio. rechnet.

Brasilianische Effizienz. Das Gute an dem Protektionismus der anderen Länder ist die Tatsache, dass das brasilianische Agrobusiness eben aufgrund der vielen Hemmnisse gezwungen ist, seine Produktivität zu steigern, um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein. "Je stärker ein Hersteller subventioniert wird, desto weniger wichtig ist es für ihn, möglichst gewinnbringend zu produzieren. Letztendlich drückt er damit den Marktpreis nach unten, auch für diejenigen, die keine Subventionen erhalten, wie eben die Hersteller in Brasilien", erklärt João de Almeida Samaio Filho, Präsident der Brasilianischen Agrargesellschaft "Sociedade Rural Brasileira". "Die brasilianischen Hersteller mussten hingegeben ihre Produktion modernisieren und effizienter machen, um die Handelshemmnisse und den Preisverfall auszugleichen; modernisieren oder schliessen, das war die Alternative".
Daher auch die wachsende Produktivität in jüngster Zeit. Die brasilianische Sojaherstellung ist beispielsweise die weltweit produktivste. In Brasilien werden laut Zahlen des Brasilianischen Verbandes der Pflanzenölindustrie, ABIOVE, 2.777kg Soja pro Hektar produziert; in den USA sind es 2.663 Kilo, in Argentinien 2.636kg. Und der brasilianische Zucker hat die weltweit niedrigsten Produktionskosten. In São Paulo sind es US$ 165 pro Tonne, im Nordosten US$ 200; der weltweite Durchschnitt liegt bei US$ 320 bis 364, und die führenden Zuckerexporteure haben Kosten von US$ 268 bis 334 pro Tonne, wie eine Erhebung des Verbandes der Zuckerrohrindustrie im Bundesland São Paulo "Unica" belegt.
Der Wirtschaftswissenschaftler Fernando Homem de Melo, Professor an der Wirtschaftsfakultät der Universität São Paulo "USP", hat einen Index berechnet, demzufolge der Ackerbau in Brasilien zunehmend produktiv wird. Dabei hat er 20 Anbauprodukte, darunter Soja, Zucker, Kaffee, Orangen, Reis, Mais und Bohnen, zusammengenommen und ihnen für das Jahr 1989 den Produktivitätsindex 100 zugewiesen. Dieser Index hatte im Jahr 1998 bereits 129,6 erreicht, im Jahr darauf 133,9 und im vergangenen Jahr schliesslich 140,9, d.h. also, die Herstellung der ausgesuchten Produkte ist in zwölf Jahren um fast 41% effizienter geworden. De Melo nennt zwei Gründe für diese Produktivitätssteigerung: die Marktöffnung Brasiliens 1990, die den Import von Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Landmaschinen ermöglichte und die Kosten für die brasilianischen Hersteller senkte; und die Investitionen in die Forschung der EMBRAPA, das dem Landwirtschaftsministerium angeschlossene Unternehmen für landwirtschaftliche Forschung.
De Melo teilt die landwirtschaftliche Produktion in zwei Phasen ein: Die erste Phase war von der Preis- und Einkommenskrise und von Verschuldung geprägt und ging bis zur Einführung des Real im Jahr 1994. "Mit der Abwertung des Real im Januar 1999 hat sich das Bild zu ändern begonnen, denn der neue Wechselkurs gab einen grossen Anreiz, die landwirtschaftliche Produktion zu erweitern, v.a. die Herstellung von Soja und anderen Produkten wie Zucker und Orangen.
In der derzeitigen Erntesaison sind die Aussichten für das Agrobusiness sehr gut. Nach letzten Schätzungen der staatlichen Versorgungsgesellschaft CONAB, die ebenfalls an das Landwirtschaftsministerium angeschlossen ist, wird die im Erntejahr 2001/2002 bewirtschaftete Fläche um 4,7% grösser sein als die der letzen Ernte, also von 37,49 auf 39,24 Mio. Hektar anwachsen. Auch für die Getreideproduktion wird ein Rekordergebnis erwartet. Laut der CONAB werden insgesamt 100,54 Mio. Tonnen erwartet, 2,3% mehr als in der Ernte 2000/2001, da nicht nur die Anbaufläche grösser geworden, sondern auch die Produktivität gestiegen ist.
Sampaio Filho von der Brasilianischen Agrargesellschaft betont, dass dieses gute Ergebnis zu einem Grossteil der Sojaproduktion zu verdanken ist, die für 41 der 100,5 Mio. Tonnen Getreide in dieser Ernte verantwortlich ist. Nach Einschätzung der ABIOVE werden in der Erntesaison 2001/2002 insgesamt 15,6 Mio. Tonnen Sojabohnen exportiert werden, im Vergleich zu 11,7 Mio. Tonnen in der letzten Saison. Auch die Verkäufe von Sojaöl und Sojaschrot ins Ausland werden ansteigen, um 39% bzw. 8% der Menge.

Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO 10 N°3" - Sônia Salgueiro -
Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002

 

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