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Die wissenschaftliche und technologische Forschung in Brasilien
findet zunehmend Anerkennung. Die Forschungsinstitutionen konnten
bereits viele Erfolge verzeichnen und arbeiten verstärkt mit
Unternehmen zusammen.
Über die brasilianische Biotechnologieforschung, wie das Projekt zur
Erforschung der DNS des Bakteriums Xylella fstidiosa, das
Zitrusfrüchte angreift, hat die Fachpresse bereits ausführlichst
berichtet. Und auch weiterhin werden die Fortschritte
brasilianischer Wissenschaftler in den verschiedensten Fachgebieten
beleuchtet. Brasilien gehört zu den Ländern, die im
wissenschaftlichen Bereich am meisten wachsen - als Massstab dienen
die Veröffentlichungen in einer Reihe internationaler Zeitschriften.
Vor etwa 15 Jahren kamen 0,4 % solcher Veröffentlichungen aus
Brasilien; heute sind es 1,4% - nur Südkorea ist schneller
gewachsen.
Die Erfolge sind Ergebnis der Arbeit von mehr als 100 Institutionen,
die in Brasilien im Technologiebereich tätig sind. Der
Brasilianische Verband von Institutionen in der Technologieforschung
"ABIPTI" zählt beispielsweise 108 Mitglieder. Besonders wichtig ist,
dass solche Zentren nicht nur die brasilianische Forschung fördern,
sondern auch mit Unternehmen zusammenarbeiten, sei es in Projekten
zur technologischen Innovation oder im Bereich Forschung und
Entwicklung "F & E".
Programm zur technologischen Innovation
Die Stiftung für Forschungsförderung im Bundesland sao Paulo "FAPESP",
die gerade ihr 40jähriges Bestehen feierte, hat zwei Programme zur
technologischen Innovation in den Unternehmen. Das Programm der
Zusammenarbeit für Technologische Innovation "PITE" wurde 1995
gestartet und finanziert Forschungsprojekte gemeinsam mit
Unternehmen. Das 1997 begonnene Programm für Technologische
Innovation in kleinen Unternehmen "PIPE" richtet sich an Firmen mit
bis zu 100 Mitarbeitern.
In seinen sieben Jahren wurden innerhalb des PITE, das auch
Partnerschaftsprojekt genannt wird, 58 Projekte gefördert. Im
vergangenen Jahr wurden von 16 vorgestellten Projekten sechs
genehmigt und mit R$ 8,5 Mio. von den begünstigten Unternehmen
finanziert. Die Haupteinnahmequelle der FAPESP für dieses und andere
Projekte - Stipendien, Forschungszuschüsse etc. - ist ein Prozent
der Steuereinnahmen des Bundeslandes São Paulo.
Die Partnerschaftsprojekte finanzieren nur Programme, die von
Forschungsinstituten im Bundesland São Paulo durchgeführt werden;
das Unternehmen, das das Forschungsprojekt in Auftrag gibt, kann
jedoch auch aus einem anderen Bundesland sein. Dann muss das
Unternehmen einen finanziellen Beitrag leisten, da die FAPESP nur
20% bis 70% der Kosten übernimmt. Je grösser das Risiko oder die
wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen eines Programms, desto
höher der von der FAPESP übernommene Anteil. "Die Partner sollen
Risiken und Kosten teilen. Dadurch zeigt ein Unternehmen, dass es
ein tatsächliches Interesse an einem Projekt hat", so Professor José
Fernando Perez, wissenschaftlicher Leiter der FAPESP.
Im PIPE-Programm hingegen, das sich an kleine Unternehmen im
Bundesland São Paulo wendet, muss das Unternehmen keinen
finanziellen Beitrag leisten. Seit 1997 hat die FAPESP 185 Projekte
kleiner Unternehmen finanziert und dabei eine Investition in Höhe
von R$ 16,8 Mio. und weitere von insgesamt US$ 3,6 Mio. getätigt.
Allein im vergangenen Jahr wurden von 213 Projekten 52 genehmigt,
wofür die Stiftung R$ 8,9 Mio. ausgab.
Ergebnisse
Eins der von der FAPESP im Rahmen des PIPE-Programms
finanzierten Programme trug zur Entwicklung einer Lichtdecke bei,
die für die Lichttherapie von Neugeborenen zur Behandlung von
Gelbsucht eingesetzt wird. Bei der herkömmlichen Behandlung wird der
Säugling in einen Brutkasten gelegt, wo er in einer beheizten Wanne
isoliert bleibt. Mit der Lichtdecke wird das Neugeborene bei seiner
Mutter bleiben können.
Nur ein einziges Unternehmen aus Japan liefert diese Decke weltweit.
Ohne Konkurrenz waren die Preise hoch. In Brasilien kostete eine
Decke etwa US$ 8.000, weshalb sich die Krankenhäuser für den
Brutkasten entschieden. Jetzt kann die Decke auch im Land
hergestellt werden - der Preis wird auf R$ 3.300 fallen -.
Cícero Omegna Filho, Leiter des Unternehmens Komlux Fibras Ópticas
in Campinas (Bundesland São Paulo), das von dem Programm profitiert,
berichtet, wie gut das Produkt auf dem Markt angekommen ist. "Im
Juni bringen wir die Decke auf den Markt, und wir haben schon 100
Vorbestellungen". Er rechnet mit einem Marktpotential von 30.000 bis
35.000 Decken in zehn Jahren bzw. 3.000 bis 3.500 Stück jährlich,
und das allein auf dem Binnenmarkt.
Ein weiteres von der FAPESP finanziertes Projekt war die
Treibstoffzelle, die aus reinem Wasserstoff oder aus Erdgas, Benzin,
Methanol oder Ethanol Elektroenergie erzeugt. "Das ist ein
hocheffizienter Generator, der weder Lärmbelästigungen noch
Umweltverschmutzung mit sich bringt", bestätigt Antônio Cesar
Ferreira, leitender Präsident des beteiligten Unternehmens Unitech
aus Cajobi (Bundesland São Paulo). Da es sich um ein kleines
Unternehmen handelt, das ausschliesslich in der Entwicklung von
Technologien arbeitet, ist Unitech auf der Suche nach Investoren, um
die Treibstoffzelle in Serie herzustellen.
Technologische Partnerschaften
Das Institut für Technologische Forschung "IPT", das zum
Landesministerium für Wissenschaft, Technologie, Wirtschaftliche
Entwicklung und Tourismus im Bundesland São Paulo gehört, trägt
ebenfalls zur technologischen Ausstattung kleiner Unternehmen bei.
Dafür bestehen Programme wie das Programm Mobiler Einheiten "PROGEX".
Aber das ist noch nicht alles: das seit 100 Jahren bestehende IPT
arbeitet auch mit grossen Unternehmen zusammen, wie Petrobras,
Itautec, Ford und OPP. "Ein wichtiger Punkt ist, dass wir in den
verschiedensten Fachbereichen arbeiten und den Unternehmen deshalb
integrierte Lösungen anbieten können", so der Leiter des Instituts,
Guilherme Ary Plonski.
Ein Projekt, das gemeinsam vom IPT und der brasilianischen
Niederlassung von Ford entwickelt wurde, ist eine neue
Aluminiumlegierung für Zylinderköpfe. Für dieses Projekt wurden das
Institut und der Betrieb mit dem Henry Ford Technology Award
ausgezeichnet, den Zweigstellen der US-amerikanischen Gruppe für
besondere Innovationen erhalten.
Marcio Manique, Fachmann für Gussteile bei Ford, erzählt, dass zu
Beginn der Entwicklung der Zetec Rocam-Motoren eine Herausforderung
stand: die Aluminiumgiesserei in Taubaté (Bundesland São Paulo), die
zwei Jahre zuvor geschlossen wurde, musste wieder in Betrieb
genommen werden, aber zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Ein
Zylinderkopf würde normalerweise thermisch behandelt werden, um
Widerstandfähigkeit und Haltbarkeit zu garantieren. "Wir haben
festgestellt, dass die einzige Chance, wettbewerbsfähig zu sein,
darin bestand, auf dieses Verfahren zu verzichten, das damals US$ 5
pro Zylinderkopf kostete".
Mit der neuen Legierung spart Ford etwa US$ 1 Mio. im Jahr, dank
Umgehung der thermischen Behandlung. Ausserdem wurden durch die
Wiederinbetriebnahme der Giesserei in Taubaté Arbeitsplätze
geschaffen. Heute hat der Betrieb 50 direkte und 10 indirekte
Arbeitsplätze.
Das Technologieforschungsinstitut IPT ist in drei Bereichen tätig:
Innovation, Forschung und Entwicklung; technologische
Dienstleistungen; und Entwicklung und Unterstützung bei der Normung.
Zur Zeit entwickelt das IPT 445 Projekte, davon 209 in den Bereichen
Forschung und Entwicklung, spezielle technologische Unterstützung
und Technologieentwicklung. Im vergangenen Jahr setzte das Institut
R$ 44,74 Mio. um, die v.a. von Einnahmen aus erbrachten
Dienstleistungen kamen. "In den Forschungsprojekten können
öffentliche Mittel beantragt werden, über die FAPESP, die
Finanzierungsagentur für Untersuchungen und Projekte "FINEP" oder
Branchenfonds, um die Risiken niedrig zu halten", erklärt Plonski.
Kleine und Kleinstunternehmen
Um kleine und Kleinstunternehmen mit Technologien auszurüsten,
entstand das PRUMO-Programm, für das sich IPT, FAPESP, das
Förderinstitut der mittelständischen Wirtschaft in São Paulo "SEBRAE-SP"
und das Brasilianische Kunststoffinstitut zusammengetan haben.
Das PRUMO besteht aus mobilen Einheiten, die mit Labors ausgestattet
sind und die direkt im Unternehmen die grössten technischen Probleme
identifizieren, Proben untersuchen und Rohstoffe sowie
Fertigprodukte analysieren. Die Fahrzeuge werden von der FAPESP
finanziert, die Arbeit vom IPT. Das PRUMO richtet sich an die
Sektoren Kunststoff und Oberflächenbehandlung; bald kommt die
Gummiverarbeitung dazu.
Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, wird das Unternehmen -
kostenlos - von Technikern besucht. Die Arbeit dauert dann zwei
Tage; die Kosten dafür teilen sich das SEBRAE (70%) und das
Unternehmen (30%). Von März 1999 bis Mai 2002 wurden in mehr als 500
Unternehmen Diagnosen durchgeführt, in 280 Fällen wurden Lösungen
erarbeitet. Bis jetzt erreichte das Programm 75 Städte und Gemeinden
im Bundesland São Paulo; nun soll es auch im Nordosten angeboten
werden.
Eine weitere Initiative des IPT, die sich an kleine Unternehmen
richtet, ist das PROGEX-Programm, das brasilianische Produkte
hinsichtlich technischer Normen, Zertifizierung, Design und
Verpackung an die Forderungen des Weltmarkts anpassen will. Zunächst
richtete sich das 1999 ins Leben gerufene Programm an Unternehmen im
Bundesland São Paulo; seit Dezember 2000 gilt es für ganz
Brasilien.
Laut Mari Tomita Katayama, stellvertretende Leiterin für besondere
Projekte des IPT, wurden bis Mai innerhalb des PROGEX 200 Produkte
technologisch angepasst. Bei 74 Produkten ist dieser Prozess gerade
in Gange; für 46 Produkte wurden Diagnosen erstellt. Katayama
erklärt, dass die Nachfrage in den Bereichen Medizin- und
Krankenhausbedarf, Zahnarztbedarf und Elektrotechnik am grössten
ist.
Die Stiftung für Wissenschaft und Technologie CIENTEC, die zum
Landesministerium für Wissenschaft und Technik des Bundeslandes Rio
Grande do Sul gehört, ist eins der Institute, die das PROGEX
durchführen können. Die seit 60 Jahren bestehende Stiftung erstellt
pro Jahr etwa 8.000 Gutachten. Ca. 65% seiner Einnahmen - die sich
im Jahr 2001 auf insgesamt R$ 15,76 Mio. beliefen - kommen von der
Landesregierung, der Rest von technologischen Dienstleistungen,
Beratungen und Abkommen.
Die CIENTEC war am Bau der Raffinerie Alberto Pasqualini in Canoas
und an der Einrichtung des Petrochemiekomplexes von Triunfo
beteiligt. Ausserdem führte die Stiftung wichtige Studien über
Parboiled-Reis durch und führte ein Qualitätssiegel für den
Brasilianischen Verband der Parboiled-Reis-Herstellern ein.
Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO
10 N°6" - Sônia Salgueiro
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Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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