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Bank- und Finanzsystem

   
     

Der Bankapparat Brasiliens ist ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Es fehlt jedoch die währungspolitische Unabhängigkeit der Zentralbank.

Unter dem währungspolitischen Regime des "dirty floating", welches im Januar 1999 das alte System der Verteidigung des Real innerhalb bestimmter Bandbreiten ablöste, interveniert die Zentralbank von Zeit zu Zeit, um Fluktuationen des Wechselkurses zu vermeiden. Ende Februar 1999 stützte die Zentralbank den Real erstmals durch ein erhöhtes Angebot an Dollar auf dem Devisenmarkt. Die Eingriffe auf dem Devisenmarkt zielten darauf, spekulativen Attacken den Wind zu nehmen und den Wechselkurs des Real zum US$ stabil zu halten, was schliesslich auch gelang. Der Aussenwert des Real blieb seitdem stabil und die Zentralbank brauchte nicht mehr stützend einzugreifen. Seit Monaten schwankt der Wechselkurs in engen Grenzen um die Marke von 1,80 Real pro Dollar.

Der Banksektor ist in Brasilien stark konzentriert. Zwei Banken, die mehrheitlich noch in Staatsbesitz sind, nämlich die Banco do Brasil und die Caixa Econômica Federal (eine Art Sparkasse) haben zusammen einen Anteil von ca. 42%. Die Banco do Brasil ist gleichzeitig die grösste Bank in ganz Lateinamerika. Es gibt in Brasilien knapp 200 Geschäftsbanken. Dazu kommen noch 15 Entwicklungsbanken, 5 Sparkassen und 20 unabhängige Investmentbanken.

Für die Zukunft ist mit einer fortschreitenden Konzentration im Bankensektor zu rechnen. Auch die weiter voranschreitende Privatisierung von Staatsbanken wird zur Abnahme der Bankendichte beitragen.

Der Nationale Währungsrat "Conselho Monetário Nacional - CMN" ist gesetzlich für die Währungs- und Kreditpolitik zuständig. Als normatives Organ trägt er zur Anpassung des Zahlungsmittelumsatzes, zur Regulierung des Aussenwertes der Währung und des Zahlungsbilanzgleichgewichtes bei. Weitere Aufgaben zielen auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Zahlungssystems sowie der Überwachung der liquiden Mittel und der Zahlungsfähigkeit der Finanzinstitute.

Die Zentralbank "Banco Central do Brasil" ist das Exekutivorgan des Nationalen Währungsrates und kontrolliert den Geldumlauf. Ferner obliegt ihr die Banken- und Börsenaufsicht sowie die Notenausgabe, die vom nationalen Währungsrat mit Zustimmung des Kongresses beschlossen wird. Die Zentralbank überwacht den Devisenhandel, kontrolliert die Auslandsinvestitionen und hält Mindestreserven der Privatbanken.

Die Banco do Brasil ist die ehemalige Zentralbank Brasiliens. Sie verfügt über ein Netz von ca. 1.500 Filialen in Brasilien und 50 Auslandsniederlassungen. Auch heute hat die Banco do Brasil noch viele staatstechnische Aufgaben, so z.B. die Einnahme und Verwaltung der verfügbaren Gelder aller Bundesorgane oder die Vereinnahmung der Steuern und anderer Staatseinnahmen.

Die Regionalbanken im Landesbesitz fungieren als Finanzagenten für den jeweiligen Bundesstaat und sind auch als Geschäfts-, Investitions- und Entwicklungsbanken tätig. Neben Spezialfunktionen nehmen sie hauptsächlich kurzfristige Finanzierungen vor, vergeben aber auch mittel- und langfristige Kredite, arbeiten mit zweckgebundenen Auslandskrediten und gewähren Bürgschaften. Die grösste unter ihnen ist die Regionalbank São Paulos, die "BANESPA - Banco do Estado de São Paulo".

Bei den privaten Geschäftsbanken gab es in der Vergangenheit starke Konzentrationstendenzen. Zu den grössten brasilianischen Banken zählen die Bradesco, Itaú, UNIBANCO, Bamerindus und Banco Real. Im Jahr 2000 wurden bis Ende Oktober bereits zwei weitere private Geschäftsbanken von Mitbewerbern erworben. Mehrere ausländische Banken (Meridional, Santander, BBV) kamen 1998 auf den Markt. BankBoston bedient als grösste internationale "Full Serive" Bank in Lateinamerika insbesondere auch mittelständische Unternehmen europäischer Herkunft.

Auch die grossen deutschen Banken wie Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, Landesbank Baden-Württemberg, HypoVereinsbank, WestLB und BHF-Bank sind in Brasilien teilweise mit mehreren Büros vertreten. Die Commerzbank hält zusätzlich eine kleine Beteiligung (German Desk) an der UNIBANCO und die HypoVereinsbank an der Itaú. Die Repräsentanzbanken wickeln in der Regel nicht mehr das allgemeine Tagesgeschäft ab, sondern haben sich auf das Kapitalmarkt- und Investmentgeschäft spezialisiert.

Die privaten Kreditinstitute sind besonders im Anlage- und Devisengeschäft tätig und vergeben hauptsächlich kurzfristige Working-Capital-Kredite und finanzieren Exporte und Importe. Dabei wird ein grosser Teil des kurzfristigen Kreditbedarfs durch die Diskontierung von Warenwechseln (Duplicatas) gedeckt.


Auszug aus dem "Investitionshandbuch Brasilien 2001" - 3.überarbeitete und erweiterte Auflage - Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002
 

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