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Das Verhältnis zu den lateinamerikanischen
Nachbarn ist gut. Brasilien hat aufgrund seiner Grösse ein besonderes
Gewicht. Die regionale Integration mit Schwerpunkt im
Mercosul,
die Betonung der Rolle der Rio-Gruppe sowie der ibero-amerikanischen
Gipfeltreffen haben für Brasilien Vorrang vor der hemisphärischen
Integration. Die Integrationsbemühungen sind aus brasilianischer
Sicht nicht nur Grundlage für engere wirtschaftliche Zusammenarbeit,
sondern auch für grenzüberschreitende Erschliessung des
Subkontinents sowie für die Bekämpfung von Armut, Drogenhandel und
Terrorismus.
Brasilien
strebt eine stärkere Annäherung zwischen Mercosul und der EU an.
Verbesserungen erhofft sich Brasilien beim Marktzugang in die EU,
besonders im Landwirtschaftsbereich, und bezüglich der
Konkurrenzsituation auf Drittmärkten.
Seit 1990 ist Brasilien verstärkt dabei, sich den Bemühungen um
Nichtverbreitung sensitiver Technologien anzuschliessen. Nach dem
Beitritt zu dem Übereinkommen auf dem Gebiet der biologischen Waffen
(1985) und der chemischen Waffen (Ratifizierung 1998), hat Brasilien
im Nuklearbereich 1994 das Tlatelolco-Abkommen sowie das 4-seitige
Kontrollabkommen mit der IAEO in Kraft gesetzt. Brasilien trat 1998
dem weltweiten nuklearen Nichtverbreitungsvertrag
(NVV) und im selben Jahr auch dem Vertrag über einen umfassenden
Atomteststop bei.
Die Schwerpunkte brasilianischer Aussenpolitik sind:
-
Konsolidierung und Erweiterung des Mercosul (Mercosur) sowie
Zusammenarbeit mit anderen Regionen;
-
Stärkung der Beziehungen zu den Nachbarn und hemisphärische
Integration;
Intensivierung der Beziehungen zur EU und Japan; Pflege der Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten
-
Dynamisierung der Beziehungen zum asiatisch-pazifischen Raum; Stärkung der Rolle portugiesischsprachiger Staaten;
-
Reform des VN-Systems: Brasilien bemüht sich um einen eigenen
ständigen Sitz im VN-Sicherheitsrat und die Reform der Finanzinstitutionen
(Währungsfonds, Weltbank);
-
Aktive Mitarbeit in der Welthandelsorganisation, Umsetzung
der Ergebnisse der Uruguay-Runde.
Aktuelles: 04/2004 Die Exporte sind im ersten Quartal 2004 um 16% gestiegen und haben
damit ihren Boom vom Vorjahr nahezu ungebremst fortgesetzt.
Mittlerweile wurden die Prognosen für den Überschuss in der
Handelbilanz um 2 Mrd.US$ auf 26,3 Mrd. US$ angehoben, was auch zu
einer Revision der Prognose der Leistungsbilanzüberschusses geführt
hat - 3,3 Mrd. US$, bisher 1,3 Mrd. US$ -.
Exportboom:
Kaum ein Monat vergeht, in dem Brasilien nicht wieder mit einem
neuen Rekord in der Handelsbilanz aufwartet. Die hohen
Commodity-Preise (z.B. Soja, rund 10% der Exporte) sowie die
Belebung des internationalen Handels sind nur ein Teil der
Erklärung. Der seit der Vertrauenskrise des vergangenen Jahres zu
beobachtende Einbruch der Inlandnachfrage hat, unterstützt durch die
Abwertung des Real, dazu geführt, dass brasilianische Unternehmen
neue Märkte erobert haben, insbesondere in Asien. Diese Unternehmen
halten auch nach dem Wiedererstarken des Real an ihrer neuen
Absatzstruktur fest. Das hohe Exportniveau dürfte durch eine leichte Abwertung des Real
unterstützt werden. Fundamental scheint zwar viel für eine
Aufwertung des Real zu sprechen: Die Leistungsbilanz wird im Jahr
2003 mit einem Überschuss von knapp 4 Mrd. US$ abschliessen, die
Emissionstätigkeit von brasilianischen Unternehmen läuft weiterhin
auf Hochtouren, und die Kapitalflut ist gemäss den von der
Zentralbank in den CC5-Statistiken erfassten Kapitalabflüssen nahe
Null. Jedoch: Die Konjunkturbelebung wird dafür sorgen, dass die
Importe stärker als Exporte wachsen und die Leistungsbilanz wieder
leicht in negatives Terrain rutscht. Ausserdem sind die Fälligkeiten
der Auslandsschuld im kommenden Jahr (50 Mrd. US$) etwas höher als
im Jahre 2003 (45 Mrd. US$). Schliesslich wird erwartet, dass die
Regierung und die Zentralbank die unterschiedlichen ihr zur
Verfügung stehenden Instrumente zu Devisenmarktinterventionen nutzen
wird, um eine nachhaltige Aufwertung des Real zu verhindern und
dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Exportsektors zu fördern. Das
Schatzamt hat in diesem Jahr 3,5 Mrd. US$ auf dem Devisenmarkt
gekauft, um Fälligkeiten gegenüber Auslandsgläubigern zu begleichen.
Mit dieser Praxis wird auch im nächsten Jahr gerechnet. Die
Zentralbank hat immer wieder die Stärke des Real genutzt, um
Währungsreserven aufzubauen und wird dies auch fortsetzen. Ausserdem
wird seit einigen Monaten nur ein Teil der fälligen
Dollarindexierten Inlandsschuldtitel des Staates erneuert, wodurch
nicht nur eine tendenzielle Schwächung des Real, sondern auch eine
Verbesserung des Profils der öffentlichen Inlandsschuld, die zu 25%
aus Dollarindexierten Titeln besteht, erreicht wird. Es wird für Ende 2004 einen Wechselkurs von 3,20 Real/US$ erwartet.
Für das Ende dieses Jahres eine Prognose von 3,0 Real/US$.
Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva hat beim Abschluss des
23. Brasilianischen Aussenhandelstreffens "Encontro Nacional de
Comércio Exterior - Enaex" ein Massnahmenpaket zur Exportförderung
angekündigt. Es soll im wesentlichen das Abkommen zur Gegenseitigen
Kreditvergabe "Convênio de Crédito Recíproco -CCR" betreffen, das
den Mitgliedsländern der Lateinamerikanischen
Integrationsvereinigung ALADI "Associação Latino-Americana de
Integração" erlaubt, den Zahlungsausgleich für An- und Verkauf im
Ausland automatisch über ihre Zentralbanken abzuwickeln. Bis 2000 waren Kreditgeschäfte im Rahmen des CCR nur in beschränktem
Umfang und unter Einhaltung bestimmter Fristen möglich gewesen. Laut
Entwicklungsminister Luiz Fernando Furlan wird das CCR nunmehr
praktisch wieder so funktionieren wie vor dem Jahr 2000. Furlan
hofft, dass durch die Änderungen im CCR-Abkommen jährlich
zusätzliche Exportgeschäfte in einer Grössenordnung von US$ 2 bis 3
Milliarden getätigt werden. Darüber hinaus stellt die Regierung
derzeit die Leitlinien für ein Programm auf, mit dessen Hilfe
exportfähige Produkte kleiner und mittlerer Unternehmen gefördert
werden soll "Programa de Incentivo à Produção Exportável de Pequenas
e Médias Empresas - Propex".
Aussenwirtschaft & Auslandsverschuldung - Jahresdaten und Prognosen:
|
|
2001 |
2002 |
2003 |
2004 Prognose |
2005 Prognose |
|
Aussenwirtschaft |
|
Export von Gütern Mrd.US$ |
58,2 |
60,4 |
73,1 |
79,2 |
83,6 |
|
Import von Gütern Mrd.US$ |
55,6 |
47,2 |
48,2 |
52,8 |
58,1 |
|
Handelsbilanzsaldo Mrd.US$ |
2,6 |
13,2 |
24,8 |
26,3 |
25,4 |
|
Leistungsbilanzsaldo Mrd.US$ |
-24,7 |
-23,2 |
-7,7 |
3,5 |
-0,9 |
|
Leistungsbilanzsaldo
BIP |
-4,6 |
-1,7 |
0,8 |
0,6 |
0,1 |
|
Ausländische
Netto-Direktinvestitionen Mrd.US$ |
22,6 |
16,6 |
10,1 |
13,0 |
15,0 |
|
Devisenreserven Mrd.US$ |
35,7 |
37,8 |
50,0 |
54,2 |
61,5 |
|
Importdeckung
** Monate |
4,5 |
5,4 |
7,2 |
7,1 |
7,4 |
|
US$-Wechselkurs
Jahresende |
2,32 |
3,53 |
2,88 |
3,10 |
3,35 |
|
US$ Wechselkurs Jahresdurchschnitt |
2,33 |
2,9 |
3,08 |
2,97 |
3,24 |
|
Auslandsverschuldung |
| Brutto-Auslandsverschuldung Mrd.US$ |
226 |
225 |
228 |
220 |
207 |
| Auslandsverschuldung % Exporte |
319 |
307 |
264 |
237 |
220 |
| Kurzfristige
Verschuldung Mrd. US$ |
28 |
23 |
25 |
27 |
26 |
| Fälligkeit mittel-
& langfr. verbindlichkeiten Mrd.US$ |
35 |
39 |
45 |
49 |
41 |
| Schuldendienst
Mrd.US$ |
53 |
54 |
61 |
64 |
55 |
| Schuldendienst %
Exporte |
75 |
74 |
71 |
69 |
57 |
*inkl. Kurzfristschuld
/ ** Güter und Dienste / *** EMBI+
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