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Das Indianervolk der Xukurú do Ororuba
lebt in den Bundesstaaten Paraíba
(dem Ort Moneiro) und Pernambuco
(Presqueira). Anscheinend haben sie dort auch schon gelebt, als
die ersten portugiesischen Siedler ab 1654 von der Küste aus ins
Landesinnere vordrangen. Sie stiessen auf in kleinen Gruppen organisierte
Indianer, die sie als "Barbaren" oder mit dem indianischen
Wort "Tapuias" bezeichneten. Diese Indianer waren die
Xukurú, die anders als die Indianervölker an der Küste zur grossen
Sprachfamilie der Macro-Jê gehören. Weil die Xukurú wegen der schwierigen
klimatischen Bedingungen an nur wenigen niederschlagsreichen Plätzen
Gartenbau betreiben konnten und für ihre Jagd und Wildbeuterei ein
weites Areal durchstreiften, gerieten die
Ureinwohner schon bald mit den Kolonisten in Streit. 1661 gründete
der Oratorianerorden die Mission von Orubá mit dem erklärten Ziel,
die Indianer zum Christentum zu bekehren und sie zu "zivilisieren".
Die meisten von ihnen wurden gezwungen, sich als Viehhirten durchs
Leben zu schlagen. Da diese Situation für die Indianer des Nordostens
unerträglich war, schlossen sie sich insgeheim in der "Konföderation
des Cariri" zusammen. Sie erhoben sich und führten von 1692-1696
Krieg gegen die verhassten Europäer. Zwar konnten die Indianer letztendlich
nicht geschlagen werden, aber trotzdem erklärten sie sich nach vielen
ermüdenden Kämpfen bereit, das Christentum zu übernehmen und 5.000
ihrer Krieger an die portugiesische Armee abzutreten. Kaum war der
Friede geschlossen, setzte eine heftige Verfolgung der Dörfer ein,
die sich der "Konföderation des Cariri" angeschlossen
hatten.
1757 verschärfte sich die Lage der indianischen Völker zusätzlich
durch die neue Gesetzgebung des Marquis de Pombal. Für die Indianer
bedeutete es, dass ihre Dörfer portugiesische Namen erhielten und
rechtlich den Siedlungen der anderen Untertanen gleichgestellt wurden.
Die Xukurú mussten portugiesische Vor- und Nachnamen annehmen, in
Einfamilienhäusern leben, und nicht mehr wie zuvor in Gemeinschaftshäusern,
und die portugiesische Sprache als einzige Verständigungssprache
akzeptieren.
Nachdem sich Brasilien 1822 von Portugal gelöst hatte, verbesserte
sich die Indianergesetzgebung keineswegs. 1845 erliess Kaiser Pedro
I. neue Richtlinien, durch welche die Institution der Indianerdirektoren
ins Leben gerufen wurde. Sie sollten die indianischen Belange gegenüber
der brasilianischen Gesellschaft vertreten, waren aber in der Regel
am Indianerland interessierte Fazendeiros und Parteigänger des Monarchen.
So verwundert es auch nicht, dass Indianerdirektoren und Gemeinderat
von Cimbres gemeinsam die Auflösung des indianischen Status des
Ortes betrieben. Das Gemeindeland, das die Xukurú Indianer vorher
gemeinsam benutzt hatten, ging ebenfalls fast vollständig verloren.
Viele Xukurú sahen sich jetzt gezwungen, auf den Fazendas der Grossgrundbesitzer
zu leben. Andere liessen sich an der Peripherie der Küstenstädte
nieder und arbeiteten in den Zuckerrohrplantagen. Trotz massiver
Verfolgungen leisteten die im Bergland von Ororubá gebliebenen Familien
aber weiterhin Widerstand und verteidigten verbissen den immer rascher
zusammenschmelzenden Landbesitz.
Die meisten Xukurú leben von der Landwirtschaft. Sie pflanzen Bohnen,
Mais, Süsskartoffeln, Maracujá und andere Früchte an und züchten
Kühe, Schweine und Ziegen. Wegen der Landnot müssen viele auf den
Fazendas der Grossgrundbesitzer arbeiten. Soweit es von den geringen
Ernteerfolgen Überschüsse gibt, werden diese auf dem Markt in Pesqueira
verkauft. Einige betätigen sich auch im Früchte- und Gemüseauf-
und -verkauf. Auch durch die Jagd und das Fischen in den Flüssen
Ipojuca e Ipanema versucht man den Hunger zu stillen. Allerdings
verbieten die Grossgrundbesitzer immer mehr das Fischen, vor allem,
weil sich die Stauseen in deren Eigentümer befinden. Eine weitere
Quelle des Lebensunterhaltes ist die von den Frauen getätigte Herstellung
von "Renaissance", eines Handarbeits- und Stickverfahrens
portugiesischer Tradition mit einem dünnen Faden. Diese Arbeit wird
auch von Kindern und von alten Personen betrieben. Leider wird diese
komplizierte, zeiterfordernde Arbeit sehr unterbezahlt, vor allem
durch die Zwischenan- und - verkäufer, die diese Handarbeit dann
zu teuren Preisen in den weitliegenden Städten verkaufen.
Bestärkt durch den Sieg in der Verfassungsdebatte, besetzten die
Xukurú, unterstützt von anderen Indianern, dem CIMI, einigen Politikern
und Basisorganisationen, im November 1990 die 110 ha grosse Region
Pedra d’Agua. Sie ist für sie von besonders grosser Bedeutung: Auf
diesem Gelände liegt ein für sie heiliger Wald, in dem sie ihre
traditionellen Rituale durchführten. Der Bundesstaat Pernambuco
hatte dieses Gebiet für zehn Jahre ohne jede finanzielle Gegenleistung
an ein landwirtschaftliches Unternehmen abgetreten.
Pajé
Der Pajé ist eine weise Person, denn er erhielt vom König
Tupã die Gabe der Weisheit und das Wissen von allen Vorfahren. Er
ist ein Mensch, der viele Geheimnisse kennt, und er liebt es gar
nicht, wenn man ihm viele Fragen stellt. Wenn jemand aus dem Volk
krank ist, wird er zum Pajé gebracht, damit dieser für ihn betet.
Der Pajé kennt alle Zauber aus vergangener Zeit und alle Heilpflanzen
der Region. Nur der Pajé weiss genau, wie die Vorfahren zum Ritual
her- und dann wieder zurückgebracht werden müssen. Er wird respektiert
und ist so etwas wie ein Padre oder ein religiöser Führer und verkörpert
Vater, Arzt und Priester. Für die Xukuru ist der Pajé ein Meister
der Weisheit.
Ritual
Das Ritual ist ein Teil der religiösen Überlieferung, in
dem die Indios ihren Meister König Tupã und Mutter Tamain loben
und verehren.
Die Xukurú aus den Ororubá-Bergen, loben und tanzen den Toré. Sie
kleiden sich in Gewänder aus Mais- oder Palmstroh, schmücken sich
mit Vogelfedern und bemalen ihre Körper wie es schon ihre Vorfahren
getan haben. Ein Indio tanzt beim Toré immer an der Spitze, gibt
mit der Maracá den Rhythmus vor und singt, und alle beginnen das
Ritual zu tanzen. Im Dorf gibt es einen bestimmten Ort, den sie
"Platz des Rituals" nennen, an dem gebetet wird und ihre
Tänze aufgeführt werden, um die Gebräuche und Traditionen zu erhalten.
Auf diesem Platz wird am 2.Juli die "Liebe Frau von den Bergen
- die Mutter Tamain" verehrt.
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