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Caboclos, die Bewohner des Amazonasgebietes

   
     

Heute sind die Bewohner des Flusses des Amazonasgebietes nicht etwa die Indianer, sondern die Caboclos, hervorgegangen aus Mischehen zwischen Portugiesen und Indianern, die von den Konquistadoren erzwungen worden waren. Die portugiesischen Eroberer verfolgten bereits sehr früh eine Politik der Rassenvermischung. Sie sahen darin eine gute Strategie, sich die Gebiete der Eingeborenen auf friedlichem Wege anzueignen. Mit dem Aufblühen der Wirtschaft reichte die Zahl der Arbeitskräfte nicht mehr und afrikanische Sklaven wurden ins Land geholt. Aus der Verschmelzung dieser Rassen entstand ein Volk von Mischlingen, die Caboclos, die auch die entlegensten Ufer des Amazonas besiedelten. Die Caboclos schufen sich aus verschiedenen Elementen im Laufe der Zeit eine eigene Kultur: Afrikanische Religionen, christliches Gedankengut und indianische Kulte verschmolzen zu einer Synthese, die bis heute nichts von ihrer Originalität eingebüsst hat.

Hütte der CaboclosIhre Hütten errichten die Caboclos auf Pfählen über dem manchmal bedrohlichen Wasser, sie leben vom Fischfang, und gelegentlich fahren sie mit ihren Booten zur nächsten Stadt; eine Reise, die viele Tage dauern kann. Dabei treffen sie auch die Indianer in ihren Einbäumen. Noch 200.000 Indianer leben im Amazonasgebiet, verstrickt in einem fast aussichtslosen Kampf, nicht nur zu überleben, sondern auch ihr kulturelles Erbe zu bewahren.
Die Caboclos konnten ihre Traditionen bewahren, weil sie den Bekehrungsversuchen der Missionare entgingen, die alles "Heidnische" mit Stumpf und Stiel ausrotten wollten. So geben sie ihre Sagen noch heute von einer Generation zur nächsten weiter. Der tropische Regenwald, den die Caboclos seit mehreren Jahrhunderten bewohnen, hat einen reichen Schatz an Mythen entstehen lassen. Einer handelt vom "Guaraná", einer koffeinhaltigen Paste aus den Samen des Guaraná-Busches. Heute kultivieren die Caboclos die Guaraná-Büsche in weitläufigen Plantagen, die Samen liefern sie zur Weiterverarbeitung an die Hersteller von Erfrischungsgetränken.

Die Caboclos haben ihre guten Kenntnisse der Pflanzenwelt in erster Linie den Indianern zu verdanken. Aber es gelang ihnen auch, neue Pflanzen zu kultivieren, vor allem Jute. Im Jahre 1939 begannen sie, mit der aus Indien stammenden Pflanze an den Ufern des Amazonas zu experimentieren, und hatten sogleich Erfolg: Jute gelangte bald zu grösserer wirtschaftlicher Bedeutung als Kautschuk. Auch andere Pflanzen und Früchte spielen im Leben der Caboclos eine wichtige Rolle: Paranüsse, eine aus Piassave-Palmen gewonnene, strapazierfähige Faser, Kakao zur Herstellung von Fetten und Kakaopulver, die Afrikanische Ölpalme für Speiseöl und natürlich der Kautschukbaum.
Heute sind die Caboclos, zu denen immerhin zehn Millionen Menschen zählen, immer weniger bereit, ihre schlechten Lebensbedingungen zu akzeptieren. Sie fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Nur wenn Wahlen vor der Tür stehen, kommen die brasilianischen Politiker an den Amazonas und versprechen den Caboclos Krankenhäuser und Schulen. Doch kaum sind die Wahlen vorüber, sind auch alle Versprechungen vergessen. Viele hält nichts mehr an ihrem Fluss. Sie machen die lange Reise in die Stadt, weil sie hoffen, dort eine Zukunft zu haben. Doch diese Hoffnung trügt. Sie finden keine oder nur schlechtbezahlte Arbeit. Sie leben in Slums, in den von Feuchtigkeit, Ungeziefer und Krankheiten heimgesuchten Favelas. Es bleibt ihnen nur, sich hier einzurichten oder ihre Familien zu verlassen, um sich den Goldsuchern in den Bergen anzuschliessen, ein weiteres aussichtsloses Abenteuer. Häufig prostituieren sich die Frauen und jungen Mädchen, um ihre Familien zu ernähren.

Häuser-Insel inmitten des Amazonas - Manaus
 Häuser-Insel inmitten des Amazonas - Manaus

Caboclofrau beim Guaraná-Pflücken
 Caboclofrau beim Guaraná-Pflücken

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