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Politisches Mittel?

   
     

Portrait RomarioDiese Auszüge aus dem Buch © "Fussball in Brasilien - Opium für das Volk" wurde von Herrn Dieter König zur Verfügung gestellt. Unerlaubter Nachdruck ©, auch auszugsweise, ist nicht gestattet. Bei Fragen und Bestellungen des Buches wenden Sie sich bitte direkt an Herrn König

Ergebnisse der Beziehung zwischen Fussball und Staat bzw. Fussball und Politik

Eine grundlegende Beziehung zwischen Fussball und Staat lässt sich in Brasilien bereits 1917 erkennen. In jenem Jahr legten Tausende von Beschäftigten ihre Arbeit nieder, um ihre Unzufriedenheit über die schlechten Arbeitsbedingungen auszudrücken. dass der Weg vom Fussballfeld auf das politische Feld nicht allzu schwer ist, lässt sich am Beispiel von Lourival Fontes aufzeigen. Fontes war 1934 WM-Delegationschef der brasilianischen Nationalmannschaft. Einige Jahre später wurde er Chef der Presse- und Propagandaabteilung des damaligen Staatspräsidenten Getulio Vargas und erhielt den Spitznamen "Goebbels". Auch während der Weltmeisterschaft von 1950 sind die politische Einflüsse auf den Fussballsport erkennbar. 1950 standen die Wahlen zum Staatspräsidenten an, und jeder der drei Kandidaten wollte den Ausgang der Weltmeisterschaft im eigenen Land zu seinem Vorteil nutzen. Die ruhmreichen Vorstellungen der Nationalmannschaft vor dem letzten Spiel gegen Uruguay liessen die politischen Kräfte nicht mehr am Gewinn des Titels zweifeln. Vor dem Tag der entscheidenden Begegnung häuften sich die Feste und Empfänge für die Nationalmannschaft. Jeder der Präsidentschaftskandidaten wollte sich im Ruhm der bis dahin erfolgreichen Nationalelf sonnen.

Eine weitere Beziehung zwischen Fussball und Politik lässt sich 1960 erkennen. Verschiedene italienische Clubs boten 1 Mill. US$ Ablöse für einen Transfer des 19jährigen Pelé an. Daraufhin erklärte der Kongress Pelé zum nicht exportierbaren "Nationalheiligtum".

Als der brasilianische Verband im Februar 1969 einen neuen Nationaltrainer suchte, fiel die Wahl, aufgrund seiner riesigen Popularität innerhalb der Bevölkerung, seinem enormen Fachwissen und seiner grossen Erfolge mit Botafogo Rio de Janeiro, auf Saldanha. Schon damals war bekannt, dass er ein überzeugter Kommunist war. Seine politische Gesinnung stand in krassem Gegensatz zur rechtsorientierten Militärregierung, doch der öffentliche Druck der Bevölkerung liess dem Verband, unter seinem Präsidenten Antonio do Passo, kaum eine andere Wahl, als Saldanha zum Nationaltrainer zu berufen. Zunächst gab es in sportlicher Sicht jedoch keine Möglichkeit Saldanha zu entlassen, denn Brasilien war in der WM-Qualifikation von 1969 nicht zu bremsen und eilte von Sieg zu Sieg. Das neuformierte Team wurde sogar im Vorfeld eines Qualifikationsspieles von Präsident Médici in den Regierungspalast zum Essen eingeladen. Saldanha untersagte seinen Spielern jedoch die Einladung anzunehmen, da er seine Vorbereitungen gestört sah. Der Präsident fühlte sich daraufhin tief gekränkt. Während João Saldanha die Mannschaft für die Weltmeisterschaft in Mexiko qualifizierte, waren die Keller der Sicherheitsorgane Zeugen von wichtigen Entscheidungen, die sich in den nächsten Monaten bitterlich auf das Land niederschlagen würden. Im lautlosen Hinterhofkrieg des Regimes gegen die Opposition hatte die harte Linie gesiegt. Der Befehl war, die Widerstands- und Oppositionsgruppierungen zu vernichten. Die Zensur verhinderte damals, dass die Bevölkerung von diesen Tatsachen Kenntnis nehmen konnte. Parallel dazu sah die Regierung die Notwendigkeit der Durchführung einer Kampagne, um ihr Image zu verbessern und vor allem um die Bevölkerung zu mobilisieren, Brasilien wirtschaftlich voranzutreiben. Durch die Zensur war das Image im eigenen Land selbst unangetastet, aber im Ausland sehr erschüttert. Hier kommt der Fussball ins Spiel. Es beginnt die Militarisierung des populärsten Sports im Lande. Vor der Meisterschaft wurde eine Regelung für die Fussballer geschaffen, wobei lange Haare verboten und ihnen "kurze Ideen" auferlegt wurden. Sie waren also gezwungen, keine politischen Äusserungen von sich zu geben. Eine der Bedingungen, die diese politische Ausnutzung begünstigt hat, war die Tatsache, dass damals zum ersten Mal eine Satellitenübertragung stattgefunden hat und damit auch die Verbindung über das Fernmeldewesen zwischen Norden und dem Süden des Landes hergestellt worden war.

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