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Charles Miller, Sohn englischer Diplomaten, der
Hamburger Hans Nobiling und der in der Schweiz ausgebildete
Brasilianer Antônio Casimiro Costa sind die Ahnherrn des
brasilianischen Fussballs vom Ende des vorigen Jahrhunderts. Hans
Nobiling kam 1897 nach São Paulo.
Vorher hat er in Hamburg Fussball gespielt und es bis zur
Hamburger Meisterschaft gebracht. Er hatte in seinem Gepäck das
Hamburger Trikot und die Satzungen des Hamburger Sportvereins und
des Fussballverbundes. 1899 gründete er mit einer Gruppe
gleichgesinnter deutscher Einwanderer den Sport Club Germania, den
späteren Esporte Clube Pinheiros, der heute noch die Farben des HSV
"Blau-Weiss-Schwarz" trägt.
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Arthur Friedenreich © Museu dos Esportes |
Der Fussballspieler, der diesen Sport durch seine
spielerischen Leistungen als Mittelstürmer zum ersten Höhepunkt in
Brasilien brachte, war der deutschstämmige Arthur Friedenreich
(1892-1969) aus São Paulo, mit einer Mulattin als Mutter. Er war das
erste Fussball-Idol Brasiliens "Pé de Ouro" (Goldfuss), in Uruguay
wurde er "El Tigre" und in Paris "Roi du Football" (1925) genannt.
Vom Weltfussballverband Fifa ist er als der grösste Stürmer der
Fussballgeschichte anerkannt.
Seine Fussball-Laufbahn begann er im Sportclub Germania, 1914 wurde
er Mitglied der ersten brasilianischen Nationalmannschaft und mit
ihr Südamerikanischer Meister. Insgesamt hat er 26 Jahre aktiv
Fussball gespielt, das ist brasilianischer Rekord. Er hat mit 1.329
offiziell von der Fifa anerkannten Toren mehr Tore geschossen als
das spätere Fussball-Idol Edson Arantes do Nascimento "Pelé". Arthur
Friedenreich wurde von dem damals bekanntesten Sportler Brasiliens,
Hermann Friese, im Sport Club Germania gefördert. Hermann Friese
selbst war nicht nur ein hervorragender Fussballspieler und
-trainer, sondern auch ein erstklassiger Leichtathlet. Bevor er nach
Brasilien kam, hatte er in Berlin, Prag und anderen europäischen
Hauptstädten viele Kurz- und Langstreckenläufe gewonnen. In
Brasilien gilt er als der grösste Leichtathlet zu Beginn des
20.Jahrhunderts.
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Edson Arantes do Nascimento
"Pelé" |
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Der brasilianische Fussball-Verband, Confederação
Brasileira de Futebol "CBF", wurde 1914 in Rio de Janeiro gegründet.
1923 folgte der Beitritt zum internationalen Fussball-Verband FIFA.
Der Start in die FIFA WM-Geschichte sieben Jahre später verlief
allerdings holprig. In Uruguays Hauptstadt Montevideo schieden die
Gelb-Blauen nach einer Niederlage gegen Jugoslawien bereits in der
Vorrunde aus. Auch 1934 in Italien war bereits nach einem Spiel (2:3
n.V. gegen Österreich) Schluss. Besser lief es vier Jahre später in
Frankreich, hier wurden die Ballzauberer erst im Halbfinale vom
späteren Weltmeister Italien (1:2) gestoppt.
Der erste Titel sollte 1950, bei der ersten
Nachkriegs-Weltmeisterschaft, her. Im eigenen Land galt Brasilien
als haushoher Favorit. Doch der kleine Nachbar aus Uruguay versalzte
dem Gastgeber die Suppe: Im allerletzten Endrunden-Gruppenspiel - es
gab bei dieser FIFA WM keine K.O.-Runde - verlor die "Seleção",
der ein Unentschieden zum Titelgewinn genügt hätte, mit 1:2. Unter
den offiziell 174.000 Zuschauern im monumentalen Maracanã-Stadion
von Rio de Janeiro herrschte lähmendes Entsetzen. Von diesem Schock
erholte sich die brasilianische Elf auch vier Jahre darauf in der
Schweiz nicht. Nach passabler Vorrunde unterlag man im Viertelfinale
2:4 gegen die ungarische Wunderelf.
Die grosse Ära des brasilianischen Fussballs begann 1958. Zu den
sechsten Titelkämpfen in Schweden reiste Brasilien mit einem
wahrhaften Star-Aufgebot an: Didi, Vava und Garrincha waren Namen,
die die Gegner erzittern liessen. Im Aufgebot von Trainer Vicente
Feola stand auch ein unscheinbarer 17-Jähriger namens Edson Arantes
do Nascimento. Kein Mensch ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass dieser
geschmeidige und ballgewandte Stürmer die Geschichte des Fussballs
neu schreiben würde. Er nannte sich Pelé.
In der Vorrunde noch meist auf der Bank, entschied Pelé das
Viertelfinale gegen Wales (1:0), traf im Halbfinale dreimal beim 5:2
über Frankreich und im Endspiel zweimal beim 5:2 über Schweden.
Damit war Brasilien erstmals Titelträger und Pelé mit nicht einmal
18 Jahren der jüngste Weltmeister aller Zeiten.
1962 in Chile verteidigte die Mannschaft ihren Titel. Enttäuschend
verlief hingegen für den Top-Favoriten das Turnier 1966 in England.
Erneut war Superstar Pelé nach einem brutalen Foul im Spiel gegen
Bulgarien frühzeitig ausser Gefecht und Brasilien ging in der
Vorrunde unter.
Höhepunkt von Pelé Karriere war die Endrunde 1970 in Mexiko mit der
vielleicht besten brasilianischen Mannschaft aller Zeiten. Mit fünf
Toren führte der mittlerweile 29-Jährige sein Team zum dritten Titel
und trat ein Jahr später von der internationalen Bühne ab. Nach
seinem Rücktritt begann für Brasilien eine längere Durststrecke.
1974 "mogelte" sich der Titelverteidiger mehr schlecht als recht auf
Platz vier, 1978 stand der Erzrivale Argentinien im Weg und es
reichte "nur" zum dritten Platz.
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Die hochtalentierte Mannschaft von 1982 um
Socrates, Zico und Falcão stand sich
selbst im Weg und vergass in ihrem Offensiv-Überschwang das
Verteidigen. Die Folge war eine unnötige 2:3-Schlappe gegen Italien
und das frühzeitige Aus in der Zwischenrunde. 1986 war im
Viertelfinale im Elfmeterschiessen gegen Frankreich Endstation, vier
Jahre später gar bereits im Achtelfinale (0:1) gegen Argentinien.
Erst 24 Jahre nach dem triumphalen Erfolg in Mexiko konnte Brasilien
wieder die FIFA WM-Trophäe in Empfang nehmen. In den USA hatten
Romario, Bebeto und Dunga 1994 im Final-Elfmeterschiessen gegen
Italien das bessere Ende für sich. Zum ersten Mal hatte die "Seleção"
einen Titel aufgrund ihrer starken Defensive gewonnen - eine neue
Fussball-Philosophie der einstigen Ball-Artisten, die im letzten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dem Spiel der Gelb-Blauen ihren
Stempel aufdrückte.
1998 verlor Brasilien erstmals ein FIFA WM-Finale, beim 0:3 gegen
Gastgeber Frankreich waren Ronaldo und Co. chancenlos, ehe das 2:0
über Deutschland im Endspiel 2002 die Kräfteverhältnisse im
internationalen Fussball wieder zurecht rückte.
Für die Vergabe der FIFA WM 2014, wenn Südamerika gemäss der
FIFA-Rotation wieder an der Reihe sein sollte, gilt Brasilien
übrigens schon heute als klarer Favorit. Vielleicht als
Titelverteidiger der FIFA WM 2010 in Südafrika.
Auszug aus dem Buch: "Willkommen in Brasilien: Informationen für das
Einleben in São Paulo" - Band 4 - Copyright © AHK-São Paulo - Câmara
de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002
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