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Denkt man an Brasilien, so denkt
man automatisch an Karneval, Samba, weibliche Schönheiten und
natürlich an Fussball. Zwar haben bekanntlich die Engländer
die immer noch populärste Sportart der Welt erfunden, doch
zur höchsten Vollendung haben diese sicherlich die Brasilianer
gebracht - die fünf Weltmeisterschaftstitel
sind hierfür ein
deutlicher Beleg.
1904 jedoch wurde der Pokal zum letzten Mal von englischstämmigen
Spielern gewonnen. Die Brasilianer lernten schnell und schlugen
schliesslich die Engländer in ihrem eigenen Sport, als sich der
Fussball wie ein Flächenbrand über das Land ausbreitete. Die
englischen Regeln und Ausdrücke wurden weitgehend übernommen. Die
harten Laute wurden abgerundet und der eigenen Aussprache angepasst.
Gol (goohl) heisst Tor, das Team wurde zu time (sprich: timi) und der
Football zum Futebol (sprich: fudschibol). Bei der Spielgestaltung
entwickelten die Brasilianer schnell ihre eigene Linie. Anstelle des
Kampfbetonten britischen "kick and rush" trat schnell die
südländische Spieleleganz. Harter körperlicher Einsatz samt der in
Europa allgemeinen verbreiteten "Blutgrätsche" wurde ersetzt durch
perfekte Ballbehandlung und feine spielerische Finessen. Da die
Brasilianer in der Regel sehr ballverliebt sind und deshalb die
eigenen Mitspieler im Spiel des Öfteren schon einmal in
Vergessenheit geraten lassen, kommt die mannschaftliche
Geschlossenheit häufiger zu kurz. Daher wird das Spiel zumeist durch
die Mitte aufgezogen. Das Spiel über die Flügel samt weiter Flanken,
wie man es aus heimischen Bundesligastadien kennt, wird kaum
praktiziert.
Heute, fast hundert Jahre später, ist der Fussball für Millionen von
Brasilianern viel mehr als nur die schönste Nebensache der Welt.
Speziell die nationalen Teams werden von ihren Anhängern wie eine
Art Heiligtum verehrt, wie es vergleichbar in Europa nur in Italien
und Spanien zu finden ist.
Fussball ist für die Brasilianer eine glühende Leidenschaft, die
während der Fussball-Weltmeisterschaft alle vier Jahre einen
stürmischen Höhepunkt erreicht. Wenn die brasilianische Mannschaft
bei einer Weltmeisterschaft spielt, ist das ganze Land stillgelegt
wie bei einem Generalstreik. Viele Fabrikbesitzer stellen heute
bereits Fernsehgeräte an den Fliessbändern auf - ein meist
vergebliches Bemühen, den Arbeitsausfall während der
Weltmeisterschaft gering zu halten. Die meisten Firmen schliessen
jedoch während der Spiele und der darauffolgenden Festlichkeiten -
falls Brasilien gewinnt.
Ein absolutes "Muss" für einen jeden in Brasilien länger weilenden
Ausländer sollte der Besuch eines Livespiels im Stadion sein.
Aufgrund der vielen Spiele und den für brasilianische Verhältnisse
hohen Eintrittspreisen (in der Regel R$ 30,00 - R$ 40,00) sind in
den letzten Jahren nur noch die Ortsderbies und die Spiele der
Finalrunden regelmässig ausverkauft. Da alle anderen Spiele kaum mehr
als ein paar Tausend Zuschauer anlocken, sollte sich der Besuch auf
eines dieser Spiele beschränken. Was dort dann einen eher kühlen
Mitteleuropäer erwartet, ist einzigartig und auch vor den
zukünftigen eigenen Enkelkindern noch berichtenswert. Selbst wenn
das Spiel langweilig sein sollte, lohnt das Spektakel der Fans auf
den Rängen den Eintrittspreis. Die Zurufe der Schlachtenbummler
gehören genauso zum Spiel wie die Fussballer selbst. Die Fussballfans,
das sind lauter fanatische Grüppchen, die riesige Fahnen schwingen,
mit einer Energie ohnegleichen singen und tanzen und vor, während
und nach dem Spiel einen Feuerwerkskörper nach dem anderen losjagen.
Jedoch Vorsicht, teilweise kann der sonst eher friedliche Fanatismus
der Fans leider auch in brutale Ausschreitungen ausarten.
Die brasilianischen Fussballmeisterschaften:
Eine Wissenschaft für sich sind in Brasilien die nationalen
Fussballmeisterschaften. Der Austragungsmodus und auch die zeitliche
Abfolge der einzelnen Turniere ist nur den wenigsten bekannt. Selbst
"eingefleischte" Fussballfans blicken bei diesem "Wirrwarr" kaum noch
durch. Wichtig scheint für sie nur zu sein, dass der Ball rollt, was
dann auch fast täglich geschieht. Ein Blick in die Fernsehprogramme
bestätigt dies.
Das Durcheinander entsteht durch die Vielzahl an Meisterschaften "Campeonatos" und durch die sich ständig ändernden Reglements der
Turniere.
Die wichtigsten Meisterschaften sind die lokalen "Campeonatos" in
den einzelnen Bundesländern, die brasilianische Liga "Campeonato
Brasileiro" und der brasilianische Pokal "Copa do Brasil".
Anzumerken ist noch, dass die Sieger des "Campeonato Brasileiro" und
der "Copa do Brasil" sowie 4 weitere Teams an der "Copa Libertadores"
teilnehmen dürfen. Dieses Turnier bestreiten die besten Mannschaften
Südamerikas. Der Südamerikameister spielt dann in Tokio mit dem
Gewinner der europäischen Champions League um den Weltpokal.
Zusätzlich tragen jedes Jahr alle brasilianischen Weltpokalsieger
(momentan vier) einen eigenen kleinen Vergleichswettbewerb aus, um
auch hier festzustellen, wer der wahre Champion ist.
Auszug aus dem Buch: "Willkommen in Brasilien: Informationen für das
Einleben in São Paulo" - Band 4 -
Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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Trainieren wie die Profis im Land der Weltmeister ! "Fussball, Sonne und
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