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Gesellschaft und Soziales

   
     

Die brasilianische Gesellschaft ist ein unendlich vielfältiger Komplex unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller, religiöser, regionaler und politischer Gruppen. Sie umfasst z.B. die "internationale" Oberschicht von Rio de Janeiro, die teilweise im und vom Urwald lebenden Indianerstämme im Amazonasgebiet, die kleinbürgerlichen Einwandererkolonien in Südbrasilien, die traditionellen ländlichen Grossgrundbesitzer, die von vielen afrikanischen Reminiszenzen geprägte Bevölkerung von Bahia, die armen Landarbeiter, die moderne Unternehmer- und Arbeiterschaft von São Paulo und die am Rande der Gesellschaft lebenden Slumbewohner.

Der Ursprung der sozialen Extreme ist in Brasilien in der Lebensform der Fazendas, der auf Sklavenarbeit aufgebauten Landgüter zu suchen. Noch heute beeinflusst dieses Feudalsystem die Gesellschaft sowie das politische und soziale Verhalten in Brasilien. Die Landgüter mit ihren fast unvorstellbaren Ausmassen waren sowohl wirtschaftlich wie sozial in sich geschlossene Systeme. Der Fazendeiro, der Gutsbesitzer, lenkte auf seinen Ländereien das Leben aller von der Wiege bis zur Bahre. Diese Lebensgemeinschaften schufen ein Geflecht kaum zu durchbrechender Abhängigkeiten, sowohl innerhalb der Grossfamilie des Fazendeiros wie zischen den Arbeitern und dem allmächtigen Gutsherrn. Familientreue und Patenverhältnis verfestigten sich zu einer Tradition von Herrentum und Unterwürfigkeit, die heute noch teilweise existiert.

Die staatlichen Leistungen wie Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe sind minimal und die wenigsten kommen überhaupt in ihren Genuss. Ein Grossteil der Rentner kann nicht vom Altersgeld leben. Sie sind auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Bei Arbeitslosigkeit oder Invalidität müssen die Betroffenen selbst sehen, wie sie zurechtkommen. In Brasilien gibt es kein so ausgeprägtes soziales Netz wie in Deutschland, dass bei Unfall, Arbeitsplatzverlust etc. vor Verelendung schützt.
Bei Notfällen in Krankenhäusern kann es vorkommen, dass die Menschen stundenlang warten müssen, bis sie an die Reihe kommen. Nur, wer eine gute Stellung hat, kann in eine der sehr teuren privaten Krankenversicherungen eintreten und wird in exklusiven Krankenhäusern behandelt. Wer kein Geld für den Arzt hat, kauft die Medikamente direkt in der Apotheke oder vertraut der Volksheilkunst. Für alle Krankheiten gibt es wirksame Hausmittel.

 

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