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In Brasilien gibt es noch die traditionelle
Grossfamilie, wobei Verwandte väterlicher- und mütterlicherseits
den selben Stellenwert einnehmen. Pflegebedürftige Familienmitglieder
leben bei ihren Kindern. Es gilt als Schande, sie ins Altersheim
zu schicken. Die überlegene Stellung des Mannes über die Frau weicht
in den Familien allmählich der Gleichberechtigung der Geschlechter.
Immer mehr Frauen sind berufstätig.
Damit eine Ehe rechtsgültig ist, muss sie vor dem Standesamt geschlossen
werden. Die meisten Brasilianer heiraten jedoch auch kirchlich.
Die Hochzeitsfeiern werden sorgfältig und sehr aufwendig geplant.
Doch es ist nicht ungewöhnlich, dass Paare in einem eheähnlichen
Verhältnis ohne Trauschein zusammenleben.
"Onde come um, comem dez - Reicht das Essen für einen, reicht
es auch für zehn" besagt eines der ältesten brasilianischen
Sprichwörter und meint: Familien sind auf Biegen und Brechen füreinander
da. Dass Töchter und Söhne bis zur Hochzeit bei ihren Eltern leben
und sich durchfüttern lassen, gehört zur Norm. Ist der Platz auch
noch so knapp und mag der Streit zu Hause auch noch so eskalieren,
wenn es um die Unterbringung der Familie geht, schläft man sogar
zu zweit und nicht selten zu dritt zu einem Bett. Auch dann, wenn
die Kinder längst ausgezogen sind, ist es nicht ungewöhnlich, dass
man vor allem in Kleinstädten bei den Eltern regelmässig zu Mittag
ist. Den Sonntag verbringt man sowieso gemeinsam. Das Elternhaus
bleibt bis zuletzt schützender Hafen, ein Hort der Kontinuität und
der Sicherheit. Geraten die Eltern in Not, versuchen die Kinder
natürlich nach bester Kraft zu helfen.
In der brasilianischen Familie hat der Vater als Familienoberhaupt
das Sagen. Die Mütter entscheiden zwar alles, was mit Haushalt und
Kindern zu tun hat, delegieren gegebenenfalls das Notwendige an
die "Empregada", die Hausangestellte, doch die ganze Familie
weiss, dass der Vater in wichtigen Angelegenheiten das letzte Wort
hat, z.B. wenn es darum geht, welchen "Namorado", welchem
Freund die Tochter ihre Gunst erweisen darf. Vor allem aber darf
sich der Vater sehr viel mehr erlauben als die restlichen Familienmitglieder.
In den Armenvierteln sind Familien im herkömmlichen Sinne eine Seltenheit.
Fast überall schlagen sich Mütter allein durch. Auch wenn Väter
gerne zu Frau und Kindern stünden, dadurch, dass sie kaum in der
Lage sind, die Familie zu ernähren, büssen sie ihre Legitimation
als Familienvorstand ein. Die traditionelle Rollenverteilung gerät
ins Wanken. Die Folgen sind häufig Aggressionen und das völlige
Auseinanderbrechen der in Brasilien sonst so hochgehaltenen Familie.
Umgangsformen
Die Brasilianer begrüssen sich normalerweise mit Handschlag,
doch gute Freunde umarmen sich auch. Frauen küssen sich oft auf
beide Wangen bzw. deuten diese Geste an. Die üblichen Begrüssungsformeln
sind "Como Vai"? (Wie geht´s ?) und "Tudo Bem"
. Freunde grüssen sich auch einfach nur mit "Oi" (Hallo).
Trifft man eine kleinere Gruppe von Leuten oder verabschiedet man
sich von ihr, so gebietet es die Höflichkeit, jedem Anwesenden die
Hand zu schütteln. "Tcháu" (Auf Wiedersehen) und "Até
logo" (Bis bald) sind die gängigen Abschiedsformeln.
Brasiliens mildes
tropisches
Klima ermöglicht es, die meiste Zeit im Freien zu verbringen.
Oft verfügen die Häuser über offene, aber sonnengeschützte Innenhöfe.
Ausserdem gibt es eine Vielzahl von Strassencafés und Gartenrestaurants.
Häufig essen die Brasilianer erst spät zu Abend und bis tief in
die Nacht gesellig. Nach Hause eingeladene Gäste kommen generell
etwas später, ausser in São Paulo. Es wird allgemein als unhöflich
betrachtet, persönliche Fragen z.B. nach dem Alter oder dem Einkommen
zu stellen.
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