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So bunt die kulturelle Zusammensetzung
der Paulistanos ist, so verschieden sind auch die Credos, die in
der Stadt einträglich nebeneinander erklingen. Am stärksten
vertreten ist in São Paulo, wie in ganz Brasilien, die katholische
Kirche. Das geht auf die portugiesischen und später auch auf
die spanischen und italienischen Kolonisten zurück, die den
Katholizismus im Land durchsetzten. Heute sind rund 85% der brasilianischen
Bevölkerung katholisch.
Deutsche Katholiken legten 1965 den Grundstein für die Kirche
St.Bonifatius, Rua Humberto I 298, Vila Mariana in São Paulo.
Bis heute findet man in ihren Messen sowie in denen der Katholischen
Gemeinde in Santo Amaro, Rui Verbo Divino 993, noch viele Deutsche.
Dabei ist katholisch nicht immer gleich katholisch. Aus der
traditionellen "vatikantreuen" Kirche hat sich in Lateinamerika eine
sozialkritische Bewegung herausgebildet, die sich teils auch
politisch für die grosse Masse der Armen einsetzt und gegen
bestehende Herrschaftsverhältnisse rebelliert. Die bekanntesten
Repräsentanten der "Theologie der Befreiung" sind Brasilianer, unter
ihnen Leonardo Boff und Dom Helder Câmara.
Die protestantischen Kirchen in São Paulo haben ihre Anfänge vor
allem den deutschen Einwanderern zu verdanken. So findet einmal
wöchentlich ein Gottesdienst in der Evangelischen Friedenskirche
Santo Amaro, Rua Verbo Divino 392, oder in der evangelischen
Gemeinde im Stadtzentrum, Avenida Rio Branco 34, und anderen Kirchen
in deutscher Sprache statt.
Aktiv ist auch die deutsch-jüdische Gemeinde in São Paulo, die ihren
Sabbat in der Synagoge Beth El feiert. Die Congregação Israelita
Paulista befindet sich in der Rua Antônio Carlos 653, im Stadtteil
Cerqueira César.
Neben der Deutschen Baptistengemeinde, Rua Maestro Cardim 408,
Paraíso, sind in São Paulo eine Vielzahl anderer
Glaubensgemeinschaften vertreten wie z.B. im Templo Budista und in
der Moschee Mesquita Brasil, die auf die starke orientalische
Einwanderung hinweisen.
Obwohl Brasilien die grösste katholische Nation der Welt ist, gehört
für viele Brasilianer der Aberglaube zum Alltag. Die meisten leben -
bewusst oder unbewusst - neben einem passiven Katholizismus einen
aktiven Polytheismus. In der Sklavenzeit haben sich Elemente aus den
afrikanischen vermengt. So gibt es neben den Kulturen der
"schwarzen" und "weissen" Magie ("Umbanda und Quim-banda") auch die
Anhänger des Candomblé und der Macumba, deren Götter häufig
katholischen Heiligen entsprechen.
Während man Candomblé mehr im Nordosten Brasiliens findet, wird die
Macumba hauptsächlich in Rio de Janeiro, São Paulo und an der
südlichen Küste vorwiegend von der farbigen Bevölkerung praktiziert.
Über São Paulo sind hunderte von Kirchen aus den unterschiedlichsten
Epochen verteilt. Die Vielfalt reicht von der Kolonialkapelle bis
zum modernen Tempel. Wer sich für kirchliche Kunst interessiert, dem
sei besonders das Museu de Arte Sacra empfohlen.
Auszug aus dem Buch: "Willkommen in Brasilien: Informationen für das
Einleben in São Paulo" - Band 4 -
Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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