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Religion und Glaube - Bahia

   
     

In Bahia ist die religiöse Hingabe nicht nur Pflicht, sondern eine Lebensart. Mystik ist überall und in allem zu finden: in der regionalen Küche, die in den Restaurants serviert wird ebenso wie im "heiligen Essen" - Vatapá, Carurú, Efó - das die Anhänger des Candomblé, ihren Göttern zum Opfer bringen.

Fast alle Feste in Bahia - und Feste gibt es das ganze Jahr hindurch - sind religiösen Ursprungs - die genauen Wurzeln, ob nun afrikanisch oder katholisch, kennt heutzutage kaum noch jemand. All diese Einflüsse vermischen sich zu Volksfesten, die Mystik und Lebensfreude verbinden.

Die Religionen, die mit den afrikanischen Sklaven ins Land kamen, und der katholische Glaube bilden bis heute die Quelle, aus der die bahianische Kultur gespeist wird. Dabei werden katholische Traditionen, Feste und Symbole mit afrikanischen Göttern "Orixás", Riten und Kulten kombiniert: So finden während des bahianischen Sommers zahlreiche Feiern zu Ehren der katholischen Schutzheiligen statt, bei denen gleichzeitig die afrikanischen Götter gehuldigt werden.

In Salvador, der Bischofsstadt, gibt es heute rund 180 katholische Kirchen, aber 3.000 "Terreiros", Häuser der afro-brasilianischen Religionen. Die "Lavagem do Bomfin" ist das wichtigste Fest Salvadors. Es beginnt frühmorgens mit der rituellen Waschung der Kirchentreppen durch die weissgekleideten "Baianas". Die Zeremonie, das ganze Fest findet statt zu Ehren des Herrn des Guten Endes, Bomfin, des Erlösers Jesus Christus und - zu Ehren Oxalás, des ranghöchsten afrikanischen Gottes. Früher haben die Baianas die Kirchen von innen gesegnet. Dann hat Salvadors Erzbischof Dom Lucas den schwarzen Götzendienst als unvereinbar mit dem Christenglauben gebrandmarkt und die Baianas und ihre rituellen Zeremonien aus den Innenräumen der Kirchen auf die Plätze davor verbannt. 1990 blieben zum ersten Mal auch die Gitter um die Kirchenvorplätze geschlossen.

Am Dienstag ist in der Kirche São Lazaro, die oberhalb vom Stadtviertel Ondina auf einem Hügel liegt, der Boden mit Popcorn bedeckt. Dienstag ist der Tag Omolus, des Gottes der Pest und anderer epidemischer Krankheiten im Candomblé. Popcorn ist die Speise von Omulus und Sankt Lazarus, São Lazaro. Die Gläubigen reiben ihren Körper mit Popcorn ab, um sich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen.

In Bahia ist es üblich, bei Krankheit, zu Beginn einer Reise oder vor einer wichtigen Entscheidung ein Terreiro aufzusuchen und den Schutz der Orixás zu erbitten.

Die Anhänger des Candomblé waren auch nach Abschaffung der Sklaverei Diskriminierung und Repressalien ausgesetzt. In Bahia verbreitete ein berittenes Polizeischwadron in den 20er Jahren Angst und Schrecken in den Terreiros. Noch unter dem Regierungspräsidenten Getúlio Vargas, im Jahr 1940, wurden die als "schwarze Zauberpriester" bezeichneten Würdenträger ins Gefängnis gesteckt. Vielleicht haftet dem Candomblé durch diese Verbote und die im Verborgenen vollzogenen Kulte etwas Geheimnisvolles an. Bis Ende der 70er Jahre musste sogar für jede Kulthandlung bei der Polizei eine Erlaubnis eingeholt und eine Gebühr bezahlt werden.

Obwohl die afrobrasilianischen Religionen inzwischen erlaubt und selbstverständlicher Teil des Alltags sind, findet man ausserhalb von Salvador selten Menschen, die offen darüber sprechen. Das zunehmende Bekenntnis zum Candomblé innerhalb Salvadors ist sicherlich Ausdruck des wachsenden Bewusstseins der schwarzen Bevölkerung, die den Wert ihrer eigenen Kultur wiederentdeckt.

Tag des Omolus
Tag des Omolus

St.Lazarus
 St.Lazarus
 

 

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