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Religion und Glaube

   

Brasilien ist das grösste katholische Land der Welt, jedenfalls nach der Statistik. Aus dieser Tatsache leitet sich ein berühmter Spruch her: "Deus é brasileiro - Gott ist Brasilianer". Früher gehörten fast alle Einwohner Brasiliens dem katholischen Glauben an. Doch der Anteil der Katholiken ist gesunken und macht heute nur noch drei Viertel der Bevölkerung aus. Ein Fünftel der Brasilianer ist anderen Ausprägungen des Christentums (meist protestantischen) zuzuordnen.

Unter dem Einfluss des Katholizismus wurden die traditionellen afrikanischen Orixás, oder Gottheiten, immer stärker mit den katholischen Heiligen gleichgesetzt. Durch diese Vermischung entstanden die einzigartigen afrobrasilianischen Religionen. Die bedeutendste ist wahrscheinlich die Candomblé, die vor allem im Nordosten des Landes von Millionen von Brasilianern ausgeübt wird. Im Süden ist Umbanda die Hauptreligion. In ihr sind Elemente der Religionen Europas, Afrikas und der einheimischen Naturvölker vereint.

Der Begriff "afro-brasilianische Religionen", stellt die deutlichste Verbindung zu den altafrikanischen Religionen auf, die die Schwarzen mit nach Brasilien brachten. Als Form und Symbol sind diese Religionen hybrid, vielschichtig und ambivalent. Sie künden vom Widerstand der Afro-Brasilianer, vom Rassismus der Weissen, Mächtigen und Reichen, die sie verfolgten, aber auch von Assimilation, Synkretismus und Synthese, von Vereinigung und Versöhnung, von der Präsenz Afrikas in Amerika.

Religion und Kultur der Afro-Brasilianer sind durch die Sklaverei geprägt worden. Sie stellte für die Afrikaner, die nach Brasilien verschleppt wurden, zunächst einen schmerzlichen Bruch und eine tiefe Entwurzelung dar. Dennoch ist es den Afro-Brasilianern gelungen, Teile der afrikanischen Kulturen und Religionen zu bewahren.

Die Sklavenhalter liessen ihren Sklaven im Rahmen katholischer Riten und Institutionen Freiräume, weil sie an der Produktions- und Reproduktionskraft ihres Eigentums interessiert waren. Die katholische Kirche zeigte gegenüber den Sklaven zwar nicht immer mitmenschliche Nächstenliebe, doch verstand sie es, fremde Elemente in ihre Rituale zu integrieren. Mit grosser Vorstellungskraft und feinem Adaptations- und Analogiegespür wählten die Sklaven aus dem reichen Fundus katholischer Heiliger quasi Schutz- und Deckmantelheilige für ihre Gottheiten, die Orixas.

Unter der Herrschaft der Portugiesen hatte die katholische Kirche grossen Einfluss auf die Politik. Seit der Gründung der Republik 1889 sind Kirche und Staat jedoch getrennt und es herrscht Religionsfreiheit.


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