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In
Brasilien ist die öffentliche Gesundheitsversorgung noch prekär.
Aus diesem Grund wird das staatliche System im allgemeinen nur von
den ärmeren Bevölkerungsschichten in Anspruch genommen.
Aufgrund dieses Mangels wurden seit jeher auch private
Dienstleistungen angeboten. Die Kosten hierfür haben im Lauf der
Zeit beachtlich zugenommen. Vor diesem Hindergrund haben sich in
relativ kurzer Zeit die privaten Krankenkassen verbreitet, über die
heute ein Grossteil der Bevölkerung, insbesondere der Mittelschicht,
versichert ist.
Im klinischen und allgemeinmedizinischen Bereich arbeiten noch heute
Ärzte, die an keine Krankenkasse angeschlossen sind und die
ausschliesslich Privatkunden behandeln. Im allgemeinen handelt es
sich hier um berühmte Mediziner. Die Krankenhäuser und Labore sind
so gut wie ausnahmslos an irgendeine Krankenkasse angeschlossen.
Wer keine betriebliche Krankenversicherung hat, aber weder auf die
Dienstleistungen des öffentlichen Gesundheitssystems zurückgreifen,
noch teures Geld für private Behandlungen ausgeben möchte, versichert
sich privat. Normalerweise bieten die Krankenkassen
verschiedene Kategorien an, die von der Nutzung der kasseneigenen
Leistungen über besondere Serviceleistungen für höher Versicherte
bis hin zur freien Auswahl mit Kompensationssystem (Rückzahlung der
vorgestreckten Behandlungsgelder) reicht.
Die wenigsten Krankenversicherungen übernehmen auch die Deckung für
zahnärztliche Behandlungen. Hier können entweder gesonderte
Privatversicherungen abgeschlossen oder, falls vorhanden, die
betrieblichen Zahnarztversicherungen in Anspruch genommen werden.
Andernfalls sind die Behandlungskosten aus der eigenen Tasche zu
zahlen.
Über drei Viertel der Krankenhäuser und rund die Hälfte der
Polikliniken sind privat. Es liegt auf der Hand, dass hier die
medizinische Versorgung am besten ist, aber nur den oberen Schichten
zugute kommt.
Zwar gibt es in Brasilien auch in den öffentlichen Einrichtungen
qualifiziertes medizinisches Personal und einzelne renommierte
Stationen. Aber meistens ist die räumliche und materielle
Ausstattung recht mager. Ausserdem sind die Ärzte völlig überlastet,
hinzu kommt, dass die guten medizinischen Einrichtungen auf die
grossen Metropolen konzentrieren, so dass weite Teile des Landes akut
unterversorgt sind.
In der plastischen Chirurgie haben es brasilianische Mediziner zu
Weltruhm gebracht. Die Reichen und Berühmten reisen aus aller Welt
an, um von Schönheits-Chirurgen wie Ivo Pitanguy virtuos verjüngt zu
werden. Allerdings sei ebenso vermerkt, dass es brasilianische Ärzte
und Forscher in der weit praxisgerechteren Tropenmedizin zu
international bedeutenden Leistungen gebracht haben - wie z.B.
Carlos Chagas.
Die Masse der Armen aus dem Hinterland sieht so gut wie nie einen
Arzt. Allein schon die Fahrt in eine der Städte, wo der staatliche
Gesundheitsdienst INPS medizinische Hilfsposten unterhält, ist für
sie unbezahlbar. Hinzu kommt, dass diesen Menschen das Bewusstsein für
die Dringlichkeit medizinischer Vorsorge völlig fehlt: Man treibt
hie und da ein Medikament auf, lässt sich bereits in jungen Jahren
schmerzende Zähne reihenweise ziehen, anstatt sie zu behandeln,
benutzt altbewährte Hausmittel und konsultiert "Heiler oder
Heilerinnen". Viele suchen einen Arzt erst auf, wenn die Krankheit
ein weit fortgeschrittenes Stadium erreicht hat und es für eine
Heilung häufig zu spät ist. Deswegen arbeiten auf dem Land manche
Ärzte mit den Hebammen und anderen "Heilern" aus dem Volk zusammen,
um das tiefe Misstrauen der Patienten schrittweise zu überwinden.
Auszug aus dem Buch "Willkommen in Brasilien" -
Nr.4 - Copyright © AHK-São Paulo -
Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002
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