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Wasser und Umwelt

   
von Anajara Laisa Amarante    
"Das Wasser wird knapp" - Das ist der Lieblingssatz von Laien und Spezialisten, der jeden erschreckt die Haare zu Berge stehen lässt bei der Vorstellung, natürliche und bezaubernde vom Wasser geprägte Landschaften wie in Brasilien würden zerstört.

Es ist bekannt, dass die Ozeane den grössten Teil der Erde bedecken, ungefähr 70% der Erdoberfläche. Weniger bekannt dagegen ist die Tatsache, dass nur ca. 1% des Wassers trinkbar ist, das heisst, für den sofortigen Bedarf zur Verfügung steht. Gemäss dem brasilianischen Umweltministerium haben heute mehr als 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser.

Brasilien verfügt über etwa 12% des Trinkwasservorkommens des Planeten. Jedoch werden nur 30% dieses Wassers genutzt und ungleich an Bevölkerung, Industrie und Landwirtschaft im ganzen Land verteilt. Die übrigen 70% des Trinkwassers konzentrieren sich auf das Amazonasgebiet, und stehen dem Verbrauch durch den Menschen nicht zur Verfügung.

Weiter gefasst, stellt das durch den Menschen auf brasilianischem Territorium genutzte Wasser 3,6% des Trinkwassers auf der ganzen Welt dar. Der unangemessene Wasserverbrauch in der Landwirtschaft und der Mangel an einfachen Kanalisationen sind die grossen Bedrohungen der Süsswasserreserven des Planeten. So sehen es jedenfalls die Vereinten Nationen (UNO), die im Dezember des Vorjahres die Internationale Aktionsdekade "Wasser - Quelle des Lebens" 2005-2015 ausrief. Was Brasilien angeht, erscheinen diese beiden Punkte als die hauptsächlichen Vektoren des Verlustes an Wasserressourcen. Glücklicherweise, auch wenn bislang nur theoretisch, hat Brasilien seinen Wasserentwicklungsplan in einer Pionierrolle vollendet, ist somit eines der ersten Länder, die der Empfehlung der UNO vom Gipfeltreffen in Johannesburg zur Nachhaltigen Entwicklung (Rio + 10) und den Zielen des Jahrtausends folgen, die beim Gipfel diskutiert wurden. Dieses "Treffen" versuchte die 1992 in Rio gemachten Vereinbarungen, die bisher nur auf dem Papier vorlagen, zu implementieren und überdachte darüber hinaus die Agenda in Anbetracht der aktuellen Situation, da sich einige Probleme weiterentwickelt haben.

Der grösste Verbraucher bei der Verteilung und Nutzung der Wasserressourcen in der Welt ist die Landwirtschaft, unabhängig von der Region. Die Landwirtschaft, die durch den Einsatz künstlicher Bewässerungsanlagen immens viel Wasser verbraucht, ist verantwortlich für den Verbrauch von 70% des Gesamtvolumens des Wassers aus Flüssen, Seen und unterirdischen Quellen. Die Bewässerungslandwirtschaft ist ein Sektor, der immer noch am Wachsen ist: es wird geschätzt, dass 2025 der Verbrauch um 20 oder 30% höher sein wird als heute.

In Brasilien rechtfertigt der Glaube, dass es "genug Wasser zu verschenken und zu verkaufen gibt", den unterschiedslosen Umgang mit demselben, welches oft kostenlos Verbrauchern zur Verfügung steht, die dafür bezahlen könnten. Ein Brauch, den das ANA (Nationales Wasseramt) mit Hilfe von Komitees in den Flusseinzugsgebieten, vor allem in den Regionen, wo es Konflikte, Verschwendung oder Veruntreuung gibt, zu bekämpfen versucht.

Der unangemessene Verbrauch von Wasser für den Betrieb auf Grossgrundbesitzen, deren Hauptaktivitäten die Produktion von Exportgütern (Monokultur) sind, sollte zumindest kontrolliert werden. Die industrielle Landwirtschaft ist der Hauptwasserverbraucher Brasiliens und auch der wichtigste Faktor beim Verschleiss und damit der Ruinierung der Ökosysteme. Schliesslich ist das Wasserproblem fundamental für die Expansion der Ackergrenzen Brasiliens, die weiter vorrücken und z.B. zur Abholzung Amazoniens oder des Cerrado, der als reichste Savanne der Welt gilt und wo mehrere der wichtigsten Flüsse der Region entspringen, beitragen.

In den ersten Jahren der Regierung Lula wurde die Einführung eines Projektes zur Umleitung des Flusswassers vom Rio São Francisco (einer der bedeutendsten und grössten Flüsse im Nordosten Brasiliens) beschlossen, koste es, was es wolle. Leider gehorcht dieses Projekt derselben Ausdehnungslogik der bewässerungsintensiven Landwirtschaft. Kaum bekannt ist der Fakt, dass dieses Projekt zu jenen gehört, deren Zweck dem Export von Früchten und Krabben dient, somit einer Art Wirtschaftswachstum, das auf dem Export von Rohmaterialien beruht und dabei denselben Irrtum der ehemaligen Zuckerrohrproduktion wiederholt, keine soziale Gleichheit schafft und das Ökosystem schädigt.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Ausweitung der Landwirtschaft in Brasilien ökologisch widersinnig ist und sozial ausgrenzt, gibt es noch das Problem der Wasserverschmutzung. Gemäss Gesetzgebung werden zwei Typen der Wasserverschmutzung unterschieden: die punktuelle und diffuse. Die punktuelle setzt sich z.B. aus der Einleitung von Industrieabwässern und Abwasseraufbereitungsanlagen zusammen und ist
leicht zu erkennen und zu überwachen. Dagegen setzt sich die diffuse aus urbaner Oberflächenverschmutzung und dem oberflächlichen Abfluss von Anbaugebieten zusammen, somit schwierig zu identifizieren und zu überwachen.

Die Verschmutzung durch Oberflächenabfluss in der Landwirtschaft tritt meistens dann ein, wenn die Landwirte Pestizide auf ihren Pflanzungen einsetzen (übliche Praxis bei Monokulturen, da die Konzentration einer einzigen Art die Aufmerksamkeit der spezifischen Schädlinge hervorruft). Mit dem ersten Regen nach Anwendung des Giftes, transportiert das Wasser das Pestizid zu einem nahe gelegenen Abfluss, der danach in einen Fluss mündet. Und da ein Fluss über eine sehr breite Nutzbarkeit verfügt, zieht seine Verschmutzung einen Verlust an Trinkwasser, Fischsterben und mögliche Vergiftungen bei Menschen nach sich, die irgendein Lebensmittel zu sich nehmen, das aus diesem Wasser kommt oder damit gewaschen wurde.

Damit dieser Prozess in den Städten verstanden werden kann, genügt es, das Pestizid durch Müll zu ersetzen und dem Regen die Gefahr des "Chorume" hinzuzufügen, eine in hohem Masse schädliche Flüssigkeit, die durch angehäuften Müll erzeugt wird. Gibt es einen Fluss innerhalb des Stadtgebietes, kann der Verschmutzungseffekt sofort einsetzen.

Im Gegensatz zu der geläufigen Auffassung, die auch in einigen Wasser-Spar-Kampagnen vertreten wird, macht nicht der alltägliche Wasserverbrauch des Menschen den grössten Teil des menschlichen Wasserkonsums aus. Es ist allerdings zutreffend, dass der Wasserverbrauch mit der Kaufkraft des Einzelnen zunimmt. Die Autowäsche mit ständig laufendem Wasser aus dem Schlauch, ein laufender Wasserhahn beim Geschirrspülen oder Zähneputzen schlagen im finanziellen Haushalt der Mittel- und Oberschicht schliesslich nicht allzu sehr zu Buche.

Wer jedoch denkt, dass die persönliche Einstellung zum Wasserverbrauch weder finanzielle Auswirkungen hat, noch einen Unterschied auf globaler Ebene macht, der irrt. Wasser ist ein endlicher Rohstoff. Und die Utopie einer besseren Welt, auch wenn sie unnütz erscheint, fängt beim Einzelnen an, um dann auf die Gemeinschaft überzugreifen. Es gibt keine Veränderung zum Besseren, wenn man nicht schon im Kleinen als bewusster Mitbürger handelt.

Reichtum und Wohlstand werden gewissermassen als eine Rechtfertigung für den übertriebenen Verbrauch von Wasser gebraucht - den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch haben immer noch die Wohlhabendsten der Welt. Im Widerspruch dazu sind es jedoch die armen Gegenden, in denen die Verschwendung der Trinkwasserressourcen in den letzten Jahrzehnten am schnellsten voranging. Liegt das an der verbotenen und dennoch masslosen Ausbeutung der Ressourcen, fehlenden Kontrollen der Regierungen oder noch immer an mangelnder Bildung? Diese Frage zu beantworten ist schwer, vermutlich setzt sich die Antwort aus einer Reihe verschiedener Faktoren zusammen.

Wasserkraftwerke und Staudämme

80.000. Das ist die offizielle Anzahl der Staudämme, die weltweit seit den 50er Jahren entstanden und damit für die Vertreibung von 40 bis 80 Millionen Menschen aus ihren Heimen verantwortlich sind. Die Entschädigungszahlungen, die nur teilweise erfolgt sind, deckten nicht immer die finanziellen Verluste. Eine beachtliche Menge dieser obdachlos gewordenen Menschen sind Angehörige von Minderheiten, darunter indigene Gemeinschaften oder kleine traditionelle Agrargemeinschaften, die auf diese Weise häufig den Kontakt mit ihrer Heimat verlieren und letztlich in den Aussenvierteln der grossen Städte landen.

Seit den 70er Jahren gab es allein in Brasilien mindestens eine Million Menschen, die aufgrund eines Staudammbaus obdachlos wurden. Im Jahr 2002 gab es bereits 494 Staudämme im gesamten brasilianischen Staatsgebiet und bis zum Jahr 2015 soll diese Zahl auf 1088 erhöht werden, so das Ministerium für Bergbau und Energie. Die Bewegung MOAB der von Staudämmen Betroffenen strebt eine Organisierung der Opfer an. Sie gibt an, dass 70% der Betroffenen ihre Ländereien, aufgrund des enormen Drucks, der auf sie ausgeübt wird, einfach zurücklassen. Ein beschämendes Beispiel ist der Fall, bei dem ein Wasserkraftwerk (Cana Brava) im brasilianischen Bundesstaat Goiás einige Familien mit ca. 15 € "entschädigte", damit sie ihr Zuhause verlassen.

Der verschwenderische Verbrauch von elektrischem Strom sowie die Art der Energieerzeugung in Brasilien sind ein weiterer Anlass zur Sorge um das Wasser und seine Nutzung. Die Verbreitung der Wasserkraftwerke und das privatwirtschaftliche Interesse daran werden zu einem Risikofaktor für die Familien, die umsiedeln müssen. Das Verantwortungsgefühl der privaten Wirtschaft ist ihnen gegenüber eher gering ausgeprägt, denn die Firmen sind nicht von Wahlen abhängig.

Quelle: BRAZINE Berlin 06/07
 
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