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"In den Wäldern
sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte"
- Franz Kafka
"Wo der Weisse hintritt, lässt
er eine Wüste zurück"
- Indianerweisheit
In fünf Schichten kann man sich die Höhengliederung des Tropischen
Regenwaldes vorstellen:
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die Bodenvegetation
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die Strauchschicht
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das Unterholz, das eine Höhe von 15m erreichen kann
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die mittlere Baumschicht, die in ihrem geschlossenen Kronendach
vielen Tieren Lebensraum bietet
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die oberste Schicht mit einzelnen, durchschnittlich 40-60m hohen
Baumriesen, deren Stämme noch über das Kronendach der vierten Schicht
hinauswachsen. Diese mächtigen "Überständer" erlangen
ihre Standfestigkeit durch massive Brettwurzeln, die oft in 10m
Höhe ansetzen.
Der weltweit grösste tropische Regenwald erstreckt sich über das
Amazonasbecken in Südamerika.
Wie andere tropische Wälder liegt auch der Regenwald des Amazonasgebiets
innerhalb des Klimagürtels mit heftigen, ganzjährigen Niederschlägen. In
keinem Ökosystem leben so viele Tier- und Pflanzenarten wie im tropischen
Urwald. Allein auf einem Hektar können sich z.B. zehnmal so viele
Baumarten befinden, wie es in Europa insgesamt gibt, die jeweils
von einer Vielzahl von Lebewesen gewohnt werden, die oft nur hier
und nirgends sonst vorkommen. Tropische Regenwälder sind die Schatztruhen
des Lebens.
Die Regenwaldböden sind, bis auf wenige Standorte, ausserordentlich
unfruchtbar. Die Pflanzengemeinschaft lebt ausschliesslich aus sich
selbst: Abgestorbene Blätter und andere organische Teile des Waldes
werden auf der von dichtem Wurzelgeflecht durchzogenen Streuschicht
schnell zersetzt und geben ihre Nährstoffe gleich wieder an andere
Pflanzen ab. Werden die Bäume gefällt, ist der Nährstoffkreislauf
unterbrochen, die Böden veröden und werden rasch von den heftigen
Tropenregen fortgeschwemmt. Überdies enthalten die Regenwälder einen unvorstellbaren Reichtum
an noch nicht erforschten Heilpflanzen, anderen natürlichen Wirkstoffen
und Nahrungsmitteln. Die Indianer gewinnen aus dem schier unerschöpflichen
Pflanzenreservoir bereits seit Jahrhunderten Mittel gegen Krankheiten
ebenso wie Gifte, Rauschmittel und aus der Passionsblume sogar empfängnisverhütende
Substanzen.
Eines
der grössten Hindernisse beim Schutz dieses grössten Biotops der Erde
liegt darin, dass die unzähligen Nutzniesser des Regenwaldes nur ein
Wald interessiert, der etwas hergibt. Mehrere Landesregierungen
und Ministerien, Militärs und Lokalpolitiker wehren sich vehement
gegen die Ambientalistas, die Umweltschützer aus den reichen Nationen,
die sich mehr um "Bäume und Affen kümmern als um die Menschen".
Die Kritik am Raubbau des Regenwaldes wird als Rückfall in kolonialistisches
Gebaren betrachtet, man spricht von "ökologischem Imperialismus",
von "Ökoterror", von "Attentaten gegen die nationale
Souveränität" Brasiliens. Schliesslich sei der Amazonaswald
laut brasilianischer Verfassung nicht das "Erbe der Menschheit",
sondern ein "nationales Erbe", das heisst, man müsse vor
allem die fünfzehn Millionen in Amazonien lebenden Brasilianer schützen.
Ihnen die Rodung zu verbieten, zementiere die Armut, da die Naturschätze
nicht mehr gefördert werden könnten. Und solle man Tausende in den
Ruin treiben, indem man ihnen das Holz wegnimmt? Solle man den kleinen
Siedlern, die man mit Versprechungen hierher gelockt hat oder die
Elenden, die am Rand der Urwaldpisten in Bretterbuden hausen, etwa
wieder vertreiben, damit die Bäume wieder in den Himmel wachsen?
In der Tat haben die gewaltigen
Umweltprobleme
Brasiliens vornehmlich soziale Ursachen. Solange diese weiterbestehen,
wird auch die Rettung des Regenwaldes wenig Erfolg haben.
Es hat aber den Anschein, dass die Waldrodungen allmählich zurückgehen
(1994 noch 14.896km²). Aufgeschreckt durch die internationalen
Umweltschutzkampagnen
hat die Regierung in
Brasília die Steuervorteile sowohl für die
Viehzucht wie für landwirtschaftliche Projekte im Amazonasgebiet
gestrichen. Theoretisch wird unbefugtes Abholzen auch mit hohen
Strafgeldern belegt. Doch die schlechte Ausrüstung der Patrouillen
des Umweltschutzamtes sowie der Mangel an Personal, an Hubschraubern
und überhaupt an finanziellen Mitteln machen eine wirksame Kontrolle
praktisch unmöglich. Ausserdem setzen sich Farmer, Viehzüchter und
sogar lokale Regierungsbeamte vehement zur Wehr, oftmals mit gedungenen
"Pistoleiros". Der UNO-Umweltpreisträger
Chico Mendes, der sich für eine schonende Waldwirtschaft einsetzte
und als erster gewaltlose Blockaden von Gummizapfern gegen die Abholzung
der Regenwälder organisierte, wurde ermordet - trotz Polizeischutz.
Die Zerstörung hat vordergründig viele Ursachen, geht aber im wesentlichen
auf die gegenwärtige Weltwirtschaftsordnung und den damit verbundenen
Zwang zur Industrialisierung zurück. Verschuldung, Korruption und
ungerechte Landverteilung machen es den Industrieländern leicht,
die Schuld an der Regenwaldzerstörung abzuschieben. Tatsächlich
aber sind sie mit ihrer Gier nach billigem Tropenholz und Bodenschätzen
die Hauptverantwortlichen für das Massaker an den Regenwäldern:
Innerhalb von 30 Jahren ist der Weltverbrauch tropischer Harthölzer
um 1.700% gestiegen. Der grösste Teil davon geht nach Japan und in
die EG - und in der EG ist die Bundesrepublik Deutschland einer
der Hauptabnehmer! Nicht zu vergessen ist ebenso, dass "wir"
für die Ausbeutung der Natur mitverantwortlich sind und sie geradezu
provozieren. Denn z.B. in Europa sitzen die Abnehmer für Hölzer
und geschützte Tierarten. An Reisende geht also der Appell, den
Raubbau an der brasilianischen Wildnis nicht durch Kauf von "Produkten
aus geschützten Tieren" zu unterstützen. Ausserdem ist der Export
verboten - und der Import in Deutschland, Österreich oder Schweiz
ebenfalls!
Importeure: Die Rangliste der Importeure führen die USA an, gefolgt von
Japan und der Europäischen Union. Während die Vereinigten Staaten
ihren Holzhunger vor allem auf Kosten der nordamerikanischen Wälder
stillen, bedienen sich die EU und Japan aus Wäldern rund um die
Erde. Für die zwölf Länder der Union ist Holz - als Rohstoff oder
zu Zellstoff, Papier, Spanplatten und ähnlichem verarbeitet - nach
Rohöl das zweitwichtigste Importgut überhaupt. Innerhalb der EU
macht der deutsche Import mit fast 40 Prozent den Löwenanteil aus.
Japan und Deutschland spielen deshalb eine Schlüsselrolle bei der
weltweiten Zerstörung der Wälder. Dabei sind beide Länder im Gegensatz
zu anderen Nationen geradezu "waldreich": Während der
Weltdurchschnitt bei 26 Prozent Wald pro Landesfläche liegt, sind
es in Deutschland 30 Prozent. Die Importe zu Dumping-Preisen verderben
den hiesigen Waldbesitzern jedoch das Geschäft. Auf der deutschen
Lieferantenliste steht Skandinavien ganz oben: Aus Schweden und
Finnland stammen 40 Prozent der ausländischen Waldprodukte (Holz,
Zellstoff, Papier). Weitere 30 Prozent kommen aus EU-Ländern sowie
der Schweiz und Österreich, 15 Prozent aus den USA und Kanada, knapp
zehn Prozent aus Osteuropa (incl. Russland) und fünf Prozent aus
den Ländern des Südens.
Wussten Sie:
-
dass der kommerzielle Holzeinschlag die Hauptursache
für die Zerstörung des Amazonas-Regenwald ist?
-
dass Amazonas-Baumriesen in Europa überwiegend als Sperrholzplatten
enden? Verwendet werden diese im Baubereich und beim Fahrzeugbau.
Nur ein kleiner Teil der Edelhölzer wird zu hochwertigen Möbeln,
Parkett u.a. verarbeitet
-
dass im Amazonasgebiet seit Mitte der 90er Jahre zunehmend
internationale Konzerne einschlagen? Europäische, US-amerikanische
und asiatische Firmen drängen vor, weil sie in den stark dezimierten
Regenwäldern Südostasiens und Zentralafrikas nicht mehr fündig werden
-
dass nur eine der internationalen Firmen, die im brasilianischen
Amazonas einschlagen, Kriterien zur umwelt- und sozialverträglichen
Waldnutzung beachtet? Der Schweizerische Konzern "Precious
Woods".
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