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Im
Amazonasbecken kann "grob"
zwischen drei Vegetationsarten unterschieden werden: dem Urwald
im eigentlichen Sinne mit Baumhöhen von 30-60m, derart dicht und
undurchdringlich, dass die Tierwelt nur in den Baumwipfeln leben
kann. Dann die Várzeas, während mehrerer Monate
überschwemmte Landstriche
mit einer weniger üppigen Pflanzenwelt, darunter der berühmte "Hevea
brasiliensis - Gummibaum". Schliesslich die ständig unter Wasser
liegenden Landflächen mit höchstens 20m hohen Bäumen und recht dichtem
Unterholz.
In diesem besonderen Lebensraum sind 1.500 Fischarten, darunter
der berüchtigte Piranha, um die 2.000 Vogelarten, 250 Säugetier-
und 2.500 verschiedene Pflanzenarten heimisch. Die vielköpfige Tierfamilie
umfasst besonders originelle Vertreter wie die Grossen Ameisenbären,
den Tapir, die Seekuh, unterschiedlichste Schlangenarten und Krokodile.
In den gewaltigen Urwaldriesen tummeln sich Aras und Tukane, Affen
und Faultiere, Schmetterlinge in den buntesten Farben - und die
Legion der Insekten.
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Die Pflanzen
Auf
etwa 10.000 schätzt man die Zahl der Baumarten in den
Tropischen Regenwäldern der Erde, davon sollen rund 3.000 in
Amazonien heimisch sein. Wie bescheiden nimmt sich dagegen der Artenreichtum
mitteleuropäischer Wälder aus, in denen nicht mehr als 50 Arten
heimisch sind! Aufgrund des gleichmässigen Klimas zeigen die Bäume
keine Jahresringe, sie erreichen ein durchschnittliches Alter von
200-250 Jahren. Der Laubabwurf erfolgt bei manchen Arten über das
Jahr verteilt, bei anderen bis zur Blattlosigkeit; eine genau definierbare
Blütezeit gibt es nicht.
Die Lianen, die populärsten Urwaldpflanzen, haben eine Hochspezialisierte
Form des Kletterns und Schlingens vom lichtlosen Boden zum sonnigen
Baumkronendach entwickelt. Hüllenlianen umschliessen einen Baumstamm
wie ein Mantel; Wipfellianen durchwachsen die Krone des Trägerbaumes
und verursachen mitunter sein Absterben; Gedeckte Lianen gelangen
blattlos bis unter die Krone des Wirtsbaumes, um erst dort eine
Unterkrone zu entwickeln; an Urwaldrändern findet man Lianenvorhänge,
die ganze Baumgruppen überwuchern.
Die Baumwürger sind die heimtückischsten Kämpfer um das Lebensspendende
Licht. Der Samen der Würgefeige, die man auch Baumtöter nennt, wird
von Vögeln auf Wirtsbäume getragen. Das epiphytische Pflänzchen
(Luftpflanzen) lässt bald Luftwurzeln zu Boden, aus denen ein Geflecht
armdicker Stämme entwächst. Diese umschliessen den Stützbaum wie
Polypenarme, um ihn schliesslich tatsächlich zu erwürgen, indem sie
sein Wachstum verhindern und durch die übergestülpte Baumkrone des
Lichtes berauben.
Die bekanntesten Vertreter der Luftpflanzen, sind die rund 25.000
Orchideenarten. Auch die in Südamerika heimischen Bromelien gehören
zu dieser Gattung, die, um näher am Licht zu sein, auf mineralhaltigen
Boden verzichten können. Sie sitzen auf Ästen und sammeln über trichterartige
Blätter reichlich Wasser, worin sich eine spezielle Fauna, vor allem
Frösche und Insekten, ansiedelt, die durch ihre Ausscheidungen die
Pflanzen düngen.
Die Tiere
Zwei
Drittel der Säugetiere im Regenwald sind nachtaktiv und schwer auszumachen.
Das feuchte Klima nötigt sie nicht dazu, Wasserstellen aufzusuchen,
wie in den Savannen Afrikas. Die Sichtweite auf einem Pfad im Regenwald
ist auch meist viel kürzer als die Fluchtinstanz der Waldtiere.
Ein Teil der Säugetierarten ist erst nach Bildung der Landbrücke
in Mittelamerika vor etwa drei Millionen Jahren aus Nordamerika
eingewandert, wie z.B. der Puma. Zoologen stellten fest, dass nur
15 Arten mit 60 Gattungen der in der südamerikanischen Tropenzone
vorkommenden Säugetiere ursprünglich aus Südamerika, 13 Arten mit
64 Gattungen aber aus Nordamerika stammen.
Das grösste heimische Landsäugetier ist der Flachland-Tapir, der
bis zu 150kg schwer werden kann. Trotz seines kurzen Rüssels ist
er nicht mit dem Elefant, sondern mit dem Rhinozeros verwandt und
hat sich, wie die meisten Säuger Amazoniens, an ein teilweises Leben
im Wasser angepasst. Er kann ebensogut schwimmen wie der grosse Ameisenbär,
der inklusive Schwanz bis 2,40m Körperlänge erreicht. Notfalls
schwimmen selbst die Faultiere, meist hängen sie jedoch fast regungslos
in den Bäumen. Ihre Tarnung ist perfekt: Ihr zotteliges Fell ist
bräunlich, verfärbt sich in der Regenzeit jedoch grünlich aufgrund
winziger Algen, die in ihrem Fell wachsen.
Die grösste Echse im Amazonasgebiet ist der Mohrenkaiman, der tagsüber
kaum wahrnehmbar durch die Wasserarme gleitet und meist am Ufer
jagt. Nachts sind seine reflektierenden Augen weithin im Lichtkegel
einer Taschenlampe erkennbar.
Die
"Manatis - Seekühe" sind stark gefährdet; die harmlosen,
bis zwei Meter lange, dicken Säuger wurden ihres reichlichen Öls
und der Haut wegen von Indianern und Europäern gejagt. Dies könnte
sich bald rächen, denn die "Manatis" sind emsige Pflanzenfresser,
die sowohl die wuchernden Canarana-Gräser als auch die als Plage
auftretenden Wasser-Hyazinthen mit Hilfe ihrer gespaltenen Oberlippe
in sich hineinschaufeln, kostenlose Reiniger der Wasserwege, die
im Amazonasgebiet bald fehlen könnten.
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Puma - Copyright © Carlos
Ravazzani - Brasil |

"Seekuh" |
Die grösste Raubkatze Südamerikas ist "Onça Pintada", der
Jaguar, ein nachtaktiver Einzelgänger, den die Pelzjäger seines
gefleckten Felles wegen ebenso stark dezimierten wie den kleineren
Ozelot. Pekaris heissen die Wildschweine, die meist in kleinen Herden
auftreten und deren Hauer selbst Raubkatzen fürchten.
Die Affen haben gegenüber ihren Verwandten in der alten Welt einen
grossen Vorteil entwickelt: den Greifschwanz, der ihnen die Fortbewegung
in den Baumkronen des Regenwaldes erheblich erleichtert. Brüll-,
Kapuziner-, Spinnen-, Nacht- und Wollaffen sind die häufigsten Arten;
der Warnschrei des Brüllaffen ist noch bis in fünf Kilometer Entfernung
zu hören. Auch die Ameisenbären, Wickelbären und Stachelschweine
behelfen sich mit Greifschwänzen. Die kleinen Nager "Agutis
und Pakas" sind beliebte Beutetiere der Raubkatzen, ebenso
der scheue Sumpfhirsch. Die Wasserschweine "Capivaras"
werden bis zu 1,20m lang und 70km schwer, sind aber keine Schweine,
sondern die grössten Nagetiere der Welt. Das "Yapok" oder
Wasser-Opposum hat Schwimmhäute an den Zehen und ist das einzige
noch lebende Beuteltier der Welt, das ganz im Wasser lebt.
Jiboia nennt man in Brasilien die "Boa Constrictor", die
4,5m lang werden kann und von den Caboclos,
den Nachfahren von Weissen und Indianern, statt Hauskatzen zum Mäuse-
und Rattenfang im Haus gehalten wird. Viele unglaubliche Geschichten
ranken sich um die Anaconda, die ungiftige Riesenschlange, die bis
zu zwanzig Meter lang werden soll. Tatsächlich war das längste je
gemessene Exemplar einer Anakonda "nur" 8,5 Meter lang!
Die Riesenschlangen ersticken ihre Beutetiere und verschlingen sie
im Ganzen.
Ornithologen
kommen im Amazonasgebiet bestimmt auf ihre Kosten, ungefähr ein
Viertel der 8.600 bekannten Vogelarten der Welt sind hier zu Hause.
Die Harpyen, grosse Adler, ernähren sich von Affen und Nagetieren,
die Tukane fallen durch ihre überdimensionalen Schnäbel auf, die
aber nicht so schwer sind wie sie aussehen, da sie wie Bienenwaben
gebaut sind. Alleine 319 Kolibri-Arten hat man gezählt. "Beija-Flor
- Blumenküsser" - mit bis zu 100 Flügelschlägen in der Sekunde
schaffen es diese winzigen Flugakrobaten vor den Nektar spendenden
Blüten quasi in der Luft zu stehen. Dadurch haben sie einen Energiebedarf,
der sie zwingt, das mehrfache ihres Körpergewichts täglich zu verzehren,
etwa eine Menge, die 140kg Fleischkonsum eines Menschen entspräche
- pro Tag wohlgemerkt! Ihr Blütenrevier von rund 2.000m² verteidigen
die Kolibris sehr energisch; sie ernähren sich ausserdem von Insekten.
Unzählige Papageien-Arten, Reiher, Kormorane, Eisvögel und Enten
finden einen reich gedeckten Tisch an Fischen, Früchten und vor
allem Insekten.

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Buch - The Amazon

Bildband Amazônia

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