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Grosse Tiere sind im
Amazonasgebiet erstaunlich selten. Sie leben so weit verstreut, dass
die ersten europäischen Forscher, die sich von der Jagd zu ernähren
hofften, fast verhungert wären. Der Grund für das seltene Auftreten
von Tieren ist einfach der Mangel an Nahrung. Der Waldboden, der
dunkel und unfruchtbar unter dem hohen Blätterdach liegt, bringt zu
wenig Pflanzen hervor, um viele Pflanzenfresser zu ernähren, und wo
es keine Pflanzenfresser gibt, gibt es auch keine Fleischfresser.
Diejenigen Tiere, die hier trotzdem gedeihen, überleben nur, weil
sie seltsame Formen und Verhaltensweisen angenommen haben, um mit
den besonderen Bedingungen der Flüsse und Wälder des
Amazonasgebietes fertigzuwerden. Viele Tiere klettern hoch in das
Blätterdach des Regenwaldes oder schwimmen an den seichten
Flussufern entlang, wo es reichlich Licht und Nahrung gibt.
Der Alligator oder Kaiman lebt im Fluss, sucht aber am Ufer seine
Beute. Die Schuppen des Mohrenkaimans, des grössten Alligators im
Amazonasgebiet, nehmen die blaugrüne Farbe des Wassers an, durch das
er gleitet. Aber weder diese Tarnung noch die Fähigkeit, unter
Wasser durch erhobene Nasenlöcher zu atmen, konnten ihn davor
bewahren, von Lederexporteuren und Indianern, die seine
schrecklichen Zähne fürchten, rücksichtslos abgeschlachtet zu
werden.
Sogar das Faultier, ein schwerfällige Säugetier, das manchmal über
Jahre hinweg kopfunter in ein und demselben Baum hängt, kann
notfalls schwimmen.
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Jacaré |

Tucuxi |
Wie das Faultier sind viele Affen so gut an das Leben auf Bäumen
angepasst, dass sie selten auf die Erde herunterkommen. Sie sind
ziemlich klein und ausserdem auch phylogenetisch weit von ihren
Gegenstücken in der Alten Welt entfernt. Viele haben Greifschwänze,
die ihre Beweglichkeit steigern und es ihnen erleichtern, weite
Gebiete in luftiger Höhe zu beanspruchen und eifersüchtig zu
bewachen. Der winzige Nachtaffe oder Durukuli greift Eindringlinge
wie ein Boxer mit geballten Fäusten an, und der Brüllaffe schilt
jeden unwillkommenen Konkurrenten mit lauter Stimme aus.
Einige der Tiere, die an das Leben am und im Wasser angepasst sind,
kommen dem europäischen Betrachter grotesk vor. Der
pflanzenfressende Tapir zum Beispiel ist eine plumpe Mischung aus
Rhinozeros und Pferd mit einem überaus beweglichen, fünf Zentimeter
langen Rüssel, mit dem er an den Flussufern nach Nahrung sucht. Das
Wasserschwein ist ein hundsgrosses Nagetier, und der Lamantin, eine
kleine Seekuh, gehört zu den hässlichsten und zugleich friedlichsten
Tieren der Welt.
Bekanntere Tiere wie Hirsch und Puma sind Einwanderer aus neuerer
Zeit. Sie kamen erst in den Urwald, als sich vor ungefähr drei
Millionen Jahren eine Landverbindung mit Nordamerika gebildet hatte.
Säugetiere im Amazonas
Die meisten Säugetiere des Amazonas - auch wenn sie im Grunde
Landtiere sind - haben sich dieser Welt aus Flüssen und
Überschwemmungsgebieten angepasst. Der grosse Ameisenbär bevorzugt
höher gelegenes Gelände, wo die Ameisen und Termiten leben, von
denen er sich ernährt. Mit seiner ungewöhnlichen säbelähnlichen
Schnauze durchbohrt er die widerstandsfähigen Wände der Nester und
zieht die Tiere mit seiner 25cm langen, klebrigen Zunge heraus. Bei
Überschwemmungen kann er sich mit seinen kräftigen Vorderpfoten aber
auch im Wasser fortbewegen.
Der Tapir, ein kleinerer, aber kräftig gebauter Verwandter des
Rhinozerosses, hält sich selten weit vom Wasser entfernt auf und
zieht sich beim ersten Anzeichen von Gefahr eilig dorthin zurück.
Meist watet er bis zu den Knien im Wasser und frisst friedlich die
Pflanzen ab, aber wenn es sein muss, ist er auch ein guter
Schwimmer.
Wasser ist der ständige Lebensraum des grotesken Lamantin, der wegen
der Art, wie das Weibchen die Jungen säugt, auch als Seekuh bekannt
ist. Der Lamantin ist normalerweise ein an das Meerwasser angepasste
Geschöpf, das in Flussmündungen lebt; er ist jedoch viele
Nebenflüsse des Amazonas hinaufgewandert. Er frisst Wasserpflanzen,
die er mit seiner kräftigen, beweglichen Oberlippe vom Flussbett
abreisst. Im übrigen treibt er zufrieden mit den gekrümmten Rücken
dicht unter der Oberfläche oder "steht" senkrecht auf dem Schwanz im
Flachwasser und lässt nur den Kopf hervorschauen.
Landtiere am Amazonas
Der Puma und seine Beute, der Sumpfhirsch, zählen zur Minderheit
der Landtiere am Amazonas. Mangels spezifischer Anpassungsformen an
ein Leben auf Bäumen oder im Wasser treten sie nur in den höher
gelegenen Randgebieten vereinzelt auf, wo der dunkle Flusswald
allmählich der Gras-Savanne weicht.
Der Puma reisst vorwiegend Sumpfhirsche, aber er jagt auch kleinere
Tiere wie Affen und Vögel. Er verdankt seine Überlegenheit allein
seiner Stärke. Er ist ungefähr so gross wie ein Leopard, aber
einheitlich gefärbt wie ein Löwe; er kann mit einem Satz sechs Meter
weit oder 4,5m hoch springen. Er kann zwar klettern, tut es aber im
Gegensatz zum Jaguar, einem anderen Raubtier des Amazonas, nur
selten.
Der Sumpfhirsch schützt sich dadurch, dass er sich den grössten Teil
des Tages scheu in der dichten Vegetation verbirgt. In sumpfigen
Gegenden verhindert eine feste Membran zwischen den Zehen seiner
Hufe ein Versinken im weichen Boden. Nur im Schutz der Dunkelheit
kommt der Sumpfhirsch vorsichtig heraus, um auf den Lichtungen des
Ufers Gras, Schilf und Wasserpflanzen zu äsen.
Der Sumpfhirsch ist zwar kein guter Schimmer, aber wenn er allzu
hart von einem Raubtier bedrängt wird, zieht er sich manchmal ins
Wasser zurück.
Wasserschweine suchen am sumpfigen Ufer ihre Nahrung. Ihr
schweinsähnliches Aussehen täuscht; sie werden zwar 1,20m lang und
70kg schwer, sind aber keine Schweine, sondern die grössten
Nagetiere der Erde. Sie versammeln sich in Gruppen von 20 Tieren am
sumpfigen Ufer und fressen Gräser und Wasserpflanzen. Dank ihrer
Schwimmfüsse sind sie gute Schwimmer, und wenn sich ein Raubtier
nähert, können sie bis zu 10 Minuten untertauchen.
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Onça |

Capivara |
Leben in den
Baumwipfeln
Die Affen und das Faultier sind dem Wald des Amazonas
hervorragend angepasst - sie steigen selten von den Bäumen herab -,
aber die spezifischen Lebensformen, die beide Tierarten in ihrer
Umwelt entwickelt haben, sind grundverschieden. Alle Affen des
Amazonas sind gelenkige Akrobaten, während die langsamen Bewegungen
des Faultiers seinen Nahmen hinreichend erklären.
Ein kleiner Affe, der Wollaffe, lebt hoch oben in den Baumkronen, wo
ein grosser Teil des Lebens am Amazonas sich abspielt. Seine
Beweglichkeit wird durch den Greifschwanz noch erhöht, mit dem er
sich von Ast zu Ast schwingen kann. Der Schwanz hat die Funktion
eines fünften Körpergliedes. Die Unterseite der Schwanzspitze ist
haarlos, und die Haut ist gefurcht wie die der anderen vier
Gliedmassen.
Das Faultier ist träge und gewiss kein Schnelldenker. Es hängt
oftmals jahrelang an ein und demselben Baum und hält sich dabei mit
seinen langen, hakenähnlichen Klauen fest. Diese Klauen sind derart
ans Hängen adaptiert, dass das Tier kaum noch laufen kann. Wenn sich
das Faultier einmal auf den Borden begibt, was selten vorkommt,
schleppt es sich mit schleifendem Bauch sehr mühsam fort.
Aber das Faultier ist seinen Feinden nicht so schutzlos
ausgeliefert, wie es scheint. Grüne Algen in seinem Fell verleihen
ihm eine Tarnfarbe, die sich kaum von der Vegetation ringsumher
abhebt, und seine hängende Lebensweise dient ebenfalls seinem
Schutz. Die grossen Katzen stürzen leicht ab bei dem Versuch, es zu
erreichen.
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Preguiça - Faultier |

Macaco |
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