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Kunst in Minas Gerais

   
     

Historische KircheDie reichste Phase brasilianischer Architektur und ihrer Ausschmückung ist zweifelsohne das 17. und 18.Jh. gewesen. Eine Region, in der sich im 18.Jh. Pfarrkirchen und Kapellen der Laienkongregationen ganz eigenständig entwickelten, ist Minas Gerais. Wirklich neue Impulse kamen in der gerade erschlossenen Provinz, dem Goldwäscher- und Bergbauland, in harmonischen Bauten zum Ausdruck. Den Ordensgeistlichen waren die Tätigkeit und Anlage von Klöstern dort verboten. Es kamen neue Anregungen mit den vielen Zuwanderern aus Portugal, die besonders aus dem Norden des Mutterlandes mit seiner spezifischen Bauweise stammten. Es dauerte aber nicht lange, bis auch eingesessene Kräfte entscheidende Beiträge lieferten. Die Portugiesen als Meister der Altarschnitzerei vererbten ihre Fähigkeiten rasch und selbst an Mulatten und schwarze Sklaven.

Bald breitete sich im Staat Minas Gerais die Kunst auch weiter im Inneren aus. An den meisten Orten entstanden einfachere, aber trotzdem ansprechende Bauten. Zum Gesamtanblick gehören dabei nicht nur die Kirchen und öffentlichen Gebäude, also die königliche Verwaltung mit Gouverneurspalast und "Casa de Câmara e Cadeia", sondern auch die staatlichen Häuser der reicheren Bürger und die der Allgemeinheit dienenden Anlagen von Wasserleitungen mit öffentlichen Brunnen, Brücken und Plätzen - alles von tüchtigen Militär- und Zivilingenieuren geschaffen. Im grünen Bergland von Minas ist eine Natur und Kultur verbindende harmonische Einheit entstanden.

Die ersten Kapellen und Kirchen bestanden aus einem Holzgerüst mit Füllwänden aus dem "Taipa" genannten, gestampften Lehm. In manchen Fällen wurden sie später durch Steinbauten ersetzt oder durch Eckpfeiler aus Haustein verstärkt. Die weiss gekalkten Flächen zwischen den tragenden Gliedern entsprachen der in Portugal noch nach der mittelalterlichen Steinmetzkunst und dem manuelischen Stil bewahrten Tradition.

Die bedeutendsten Beispiele sind die "Maritz da Conceição" in Sabará, schon 1710 geweiht, und die Matriz in Mariana, ab 1714 im Bau und ab 1745 als "Sé - Kathedrale" der erste Bischofssitz in Minas. In den Kirchen ab den zwanziger Jahren des 18.Jh. in Minas wurden bald die seitlichen Gänge weggelassen, um das Schiff geräumiger gestalten zu können. Die Altaraufsätze konnten damit vollplastischer und tiefer aufgebaut werden. Die Kirche in Cachoeira do Campo, die der Kongregation der Schwarzen in Ouro Preto gehörende "Igreja Santa Efigênia" (1731), die nahe Kapelle des Padre Faria und die etwa gleichzeitig begonnene Kirche "Santo Antonio" in Tiradentes haben besonders prächtige und vollständig vergoldete Altäre dieser für Minas das Hochbarock bedeutenden Zeit.

Die Mehrzahl der Kirchen erhielt eine geräumige Sakristei quer hinter dem Altarraum, die mit grossen, reich verzierten Kommoden, einem "Lavabo" aus Seifenstein und oft auch Deckenmalerei ausgeschmückt wurden. Der Reichtum der Kirchenausstattungen wuchs in dieser Zeit durch die auf ihren Höhepunkt gelangten Goldfunde. Auch die vielen portugiesischen Auswanderer, vor allem aus den um Porto gelegenen Regionen des Minho und Douro, brachten neue Anregungen mit.

Die Mehrzahl der Orte in Minas Gerais mit ihrer Kunst blieb, das kann als glückliche historische Führung verstanden werden, nach der Zeit der Goldfunde so erhalten, wie sie im 18.Jh. entstanden waren und bewahrt noch heute, durch die Denkmalpflege geschützt.

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