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In
Bahia hat Musik eine besondere Bedeutung - bei religiösen Zeremonien,
bei Festen, im
Karneval oder am Feierabend. Der reiche Fundus an Rhythmen, die
die Sklaven aus den verschiedenen Regionen Afrikas mitbrachten, ist
bis heute das Reservoir aus dem die zahlreichen afrobrasilianischen
Stile entstanden sind und der immer wieder neu die Musik Bahias inspiriert.
Die Rolle der Musik im
Candomblé ist sehr verschieden zur abendländischen Tradition.
Bei den afrikanischen Religionen sind die Trommelrhythmen die Grundlage
der Zeremonie - und nicht wie die Musik in der christlichen Kirche
heute schmückendes oder preisendes Beiwerk. Ohne den Trommelruf würden
die Götter gar nicht am Fest teilnehmen. Es heisst: "Die Musiker
kitzeln die Götter!" Für jeden Orixá
gibt es einen eigenen Rhythmus, der Tempo und Akzentuierung vorgibt,
nach dem sich die in Trance tanzenden Heiligentöchter richten. Dazu
singen in afrikanischen Sprachen abwechselnd verschiedene Würdenträger
und die Gemeinde im Chor.
Das afrikanische Instrument Brasiliens ist der "Berimbau",
der bei der Capoeira gespielt
wird, dem Kampftanz, den die Bantu als Sklaven aus Angola im 17.Jh.
nach Bahia brachten. Ein Bogen, der mit dem Pfeil angeschlagen wird
- in Zentralafrika sollen die Pygmäen es genauso verwenden: als Waffe
und Instrument. In Brasilien ist die Sehne ein Draht, der aus einem
Autoreifen geschnitten wird. Am unteren Ende ist eine Kürbiskalebasse
als Resonanzkörper mit Draht und Bogen verbunden. Mit einem Stock,
den er zusammen mit einer Bastrassel hält, schlägt der Spieler den
Draht an und verändert dabei mit einem Kieselstein den Ton.
Eine Pagode-Welle (=populäre Tanz- bzw. Schwof-Musik, einfache, repetitive
Melodien, romantische Herz-Schmerz-Texte und viel elektronische Instrumentalbegleitung),
die seit einigen Jahren von
Rio über
São Paulo bis nach
Salvador angetreten
ist, konnte bislang kaum ins Zentrum von Salvador, dem musikalischen
Herzen Brasiliens, vorstossen. Zu lebendig sind hier die afrobrasilianischen
Traditionen wie der Samba-Reggae, zu stark die kulturellen Institutionen
wie Olodum,
zu verbreitet rhythmische Phantasie und Kreativität, um modischen
musikalischen Verflachungstendenzen anheimzufallen. Das schwarze,
afrikanisch geprägte Salvador da Bahia de Todos os Santos ist nach
wie vor der kraftvollste Nährboden und Impulsgeber der gesamten brasilianischen
Kulturszene, auch wenn die Kommerzialisierung der Musik weiterhin
in Rio und São Paulo stattfindet.
Die bahianische Form des Lambada, der allerdings ursprünglich aus
Belém bzw. dem Bundesstaat
Pará stammt wurde sogar weltberühmt (Joaquim de Lima Viera, 1978).
Nach dem Ende des Lambada kam mit dem Karneval von 1992 die Axé-Musik
auf. Den Namen Axé-Musik erhielten die lautstarken Trios Elétricos
des bahianischen Karnevals für die tropische Popmusik aus Bahia. Interpretiert
wurde sie vor allem durch die unermüdliche Daniela Mercury; "die
weisse Muse der Axé-Musik". Später wurde diese Musik mit den schnellen
Choros aus Rio, einer Musikrichtung mit Anklängen an den Ragtime,
der um die Jahrhundertwende in den USA populär war, vermischt.
Die Musica Baiana ist auf dem besten Wege, den gesamten Nordosten
Brasiliens zu erobern. Nur der Forró, eine ursprünglich aus dem Nordosten
stammende Regionalmusik, kann sich weiterhin fest behaupten.
Jedes Jahr entstehen in Bahia neue Musik- und Tanzstile, die sich
teilweise nur eine Karnevalssaison halten, teilweise aber auch stilprägend
werden.
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