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Volkskunst

   
     

Volkskunst und Volksfeste bilden in Brasilien einen immens reichen und farbigen Anteil von dem, was der Besucher in den verschiedenen Regionen unbedingt sehen und erleben sollte. Dazu haben die verschiedenartigen Elemente, die dieses Volk bilden, beigetragen. Indianische und afrikanische Traditionen mischten sich mit den europäischen Gebräuchen zu einem faszinierenden Zusammenspiel. Das speziell portugiesische, ja auch spanische und im Süden deutsche Erbgut der Einwanderer schuf mit den autochtonen Riten und Kenntnissen der anderen Rassen die Formen der Schaustellungen und die handwerkliche Schulung. Lange Zeit wurden sie durch die intensive Religiosität der verschiedenen Gemeinschaften und Bruderschaft angespornt, den geistigen und geistlichen Kern der Feste mit Prozessionen, Schauspiel, Musik und Tänzen, die volkstümliche Darstellung verehrungswürdiger Themen und Personen, wie auch die damit verbundenen Gegenstände und Figuren zu pflegen.

In den grossen Städten hat dieses Brauchtum natürlich nicht mehr seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die modernen Massenmedien haben sie zur Seite gedrängt. Der mannigfaltige Schatz der Volkskunst fand jedoch dort in den "Folkloristen" neue Verteidiger. Es werden für breite Kreise der Bevölkerung Vorführungen und Ausstellungen veranstaltet, um die Wertschätzung dieses Kulturgutes zu stärken und es in Erziehung und Freizeitgestaltung einzugliedern. Es ist darum viel reizvoller, dieses Brauchtum an den Orten zu geniessen, wo es noch ursprünglich und unverfälscht lebt, wo die alten religiösen Vorstellungen christlicher, indianischer oder afrikanischer Herkunft ohne Nachhilfe die Triebkraft der Prozessionen und Tänze sind, so der "Homo ludens" aus im besten Sinne des Wortes Eingeborenem schöpft. Dasselbe gilt für das Handwerk. In kleineren, oft abgeschlossenen Gemeinden betreiben die Bewohner Töpferei, Holzschnitzerei, Weberei und andere handwerkliche Tätigkeiten noch in der ihnen eigenen Weise. Zwar verschwindet natürlicherweise auch dort manches vom Alten, da Kultur stets ein lebendiger Vorgang ist.

Ein grosser Teil der alten Volksfeste ist an die Feiertage des Kirchenjahres gebunden. Die Kulte afrikanischen Ursprungs haben ebenso ihre im Jahresablauf festgelegte Zeiten. Selbst der Karneval ist darin eingeschlossen. Die primitiven Werkstätten der bodenständigen Töpfer- oder Schnitzkünstler aufzusuchen erfordert auch Zeit. Beim Kunsthandwerk der noch ursprünglich lebenden Indianer, ihrer Flechtarbeiten, ihres Federschmucks, ihrer Keramik ist man auf den Indianerschutzdienst Funai und die Missionsorden angewiesen. Das meiste, was die "Coboclos" im Norden in weit abgelegenen Orten schaffen, ist heute in den Märkten von Salvador, Recife und Fortaleza und entsprechend teurer in Kunstgewerbeläden der Grossstädte zu haben.

Feira de Santana (Bahia)
 
Feira de Santana (Bahia)

Sattelmarkt in Bahia
Sattelmarkt in Bahia 

Ein sehr reizvolles Feld traditioneller kunstgewerblicher Arbeit sind die in verschiedenen Gegenden an der Küste wie landeinwärts in Heimarbeit angefertigten Stickereien, Häkel- und Strickarbeiten und besonders Spitzen, geklöppelt oder in anderen Techniken gefertigt. Die teilweise sehr feinen Stickereien der Frauen, auf Blusen und Hemden, auch grosse, sehr aufwendige Decken kann man in Fortaleza in der alten Markthalle und im Kunstgewerbezentrum, das in den Galerien des alten Gefängnisbaus eingerichtet wurde, bewundern und erwerben. In den Markthallen ist öfters noch als reiner Folkloregegenstand primitives Spielzeug aus Holz zu finden. Aus alten Blechdosen gefertigte Kannen, Öllampen und andere erfindungsreiche Stücke ergänzen die folkloristische Seite. Ausserdem, ist in Majorlândia noch einer der Orte, wo mit verschiedenfarbigem Sand in Flaschen dekorative Muster, ja ganze Landschaften und figürliche Szenen mit Hilfe von Strohhalmröhrchen aufgebaut werden.

Ein besonderes Produkt sind die Hängematten, die im ganzen Norden und Nordosten noch hergestellt und benutzt werden. Einschliesslich des ganzen Amazonasgebiets schlafen die meisten meisten Menschen darin. Auf Reisen, auf den Schiffen des Amazonas oder den Lastkraftwagen im Nordosten ist die Hängematte, die ihren Ursprung bei den Indianern hat, die praktische und gleichzeitig individuelle Möglichkeit zum Ruhen. Bunt aus Baumwolle oder weiss aus sehr fester Webart in Leinen, gibt es darunter reich ausgestattete Stücke mit seitlichen spitzenartigen Gehängen, den sogenannten "Varandas".

In den weiten Gebieten der Rinderzucht, im Nordosten wie auch im Süden, kommen aus Horn geschnitzte oder gedrechselte Gegenstände auf die Märkte. Ringe, mehr oder weniger verzierte, Armreifen, kleinere Schalen, Löffel und vieles andere sind traditionelle Produkte. Aus Leder werden noch ganze Anzüge hergestellt wie sie die "Vaqueiros - Viehhirten" im Trockengebiet des Sertão mit seinen Stachelpflanzen tragen. Dazu gibt es die typischen Hüte mit vorn aufgestellter Krempe, die durch die Freibeuter, die "Cangaceiros", in vielen Darstellungen bekannt geworden sind. Die Sättel der Gaúchos der Pampas in den Regionen, die in die Gebiete spanischer Kolonisation übergehen, sind reich ausgearbeitet. All das erscheint auf den Märkten "Feira". Der Ort Feira de Santana, an der Strasse von Salvador landeinwärts, ist einer jener grossen Viehmärkte und Umschlagplätze aller Güter und Fertigwaren, die die Menschen des Hinterlandes von Bahia anbieten und brauchen.
 

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