|
Ein
oft als lediglich dekorativ verkannter Sektor ist die noch lebendige
Kunst der Indianer
Brasiliens. Sie ist jedoch nur teilweise erlebbar, da die in ihren
ursprünglichen Lebensformen noch existierenden Stämme sehr weit zurückgedrängt
sind. Ihre Kunst und Handfertigkeit ist nur in Museen, Sammlungen
oder Ausstellungen zu bewundern, aber auch teilweise im Handel.
Zur Zeit der Ankunft der Portugiesen gab es eine dünne Besiedlung
des riesigen Landes. An der atlantischen Küste und in den
Flussbecken
des Landesinneren trafen die Portugiesen auf Kulturen von erstaunlich
gleichartiger Entwicklungsstufe. Diese Stämme wurden aufgrund der
vorherrschenden Sprache als Tupiguarani bezeichnet. Ihre Wohnplätze
legten sie, auch wenn sie vornehmlich Jäger und Sammler waren, meist
im Wald an, wo sie Rodungen für Ackerbau vornahmen. Was man von ihnen
noch kennt, ist hauptsächlich ihre Keramik. Vielfach gab es auch hier
Graburnen für Zweitbestattung, ebenso Gefässe zum Aufbewahren ihrer
Ernte. Daneben fertigten sie etwa auch Pfeilspitzen, Pfeifenköpfe
und einfache Schmuckstücke an. Die Töpferscheibe blieb weiterhin unbekannt.
Der Dekor der Keramik war meist recht einfach. Nach den ersten Kontakten
mit Europäern wurden die Indianer bald von Händlern besucht, die ihre
Kunst als Wertobjekte begriffen, die man im Tauschhandel erwerben
und anschliessend als Kuriositäten oder Sammlerstücke in Brasilien
und im Ausland weiterverkaufen konnte.
Die Indianer sind berühmt für vielerlei Kunsthandwerk. Das Gefieder
der Waldvögel wird zu Halsbändern, Armreifen, Ohrringen, Kopfbedeckungen,
Capes und Decken verarbeitet. Angehörige einiger Stämme rupfen die
Federn einer Vogelart z.B. der Aras, aus und bestreichen die gerupfte
Haut des Tieres mit einer Pflanzenfarbe, so dass die nachwachsenden
Federn eine neue Farbe erhalten. Die Mitglieder bestimmter Stämme
benutzen auch Farben und Tätowierungen, um ihre Körper zu verzieren.
Die Kunst der Körperbemalung spielt bei den mit ihren Traditionen
verhafteten Stämmen eine wichtige Rolle. Mit ihr steigern sie ihre
körperliche Schönheit, betonen ihren Unterschied zu anderen Lebewesen
und ihre Stammeszugehörigkeit; es wird ebenso Zugehörigkeit zu bestimmten
Altersstufen signalisiert, die durch Prüfungen und grosse rituelle
Feste die jungen Männer und Mädchen sowie bestimmte Würdenträger heraushebt.
Die Körperbemalung gehört daher zu den spezifischen künstlerischen
Formen im Leben der brasilianischen Indianer.
Die eigensten, schönsten und wirklich künstlerischen Gattungen der
Indianerkunst in Brasilien sind nächst den mehr praktischen Dingen
wie Rudern, kleinen Bänken mit Tierformen und ähnlichen Geräten die
vielen Arten von Federschmuck, Körperbemalung, Keramik, Flechtarbeiten
von Körben und Matten, Masken und Weberei. Die Keramik zeigt im allgemeinen
die rotbraune Farbe des Tons. Bei manchen Stämmen wird die Oberfläche
weiss oder schwarz bemalt und mit Mustern, teilweise auch mit figürlichen
Zeichnungen versehen. Eine Besonderheit bilden die Vasen und Tonfiguren
der Karajaindianer am Rio Araraguia. Die älteren Stücke, vornehmlich
solche, die Frauen darstellen, erinnern in ihrem ausgeprägten "Venustyp"
an prähistorische Beispiele. Manchmal sind auch phantastische Wesen,
Figuren mit drei Oberteilen sowie grossformatige Gefässe in Papageienform
modelliert worden. All diesen Darstellungen liegt, soweit bekannt,
kein religiöser oder mythischer Motivkreis und Antrieb zugrunde. Man
muss annehmen, dass sie, entsprechend dem kindlich-fröhlichen Wesen
der Indianer, aus der reinen Schaffensfreude des "Homo ludens"
entstanden sind. Die Karajaindianer sind heute nicht mehr von der
Zivilisation abgeschlossen und arbeiten daher auch zum Verkauf ihrer
"Licocó" genannten Figuren, die immer noch mit reicher Phantasie
und mehr oder weniger gut ausgeführt, nun meist dauerhafter gebrannt,
hergestellt sind. Ihre Arbeiten kann man in den Läden der "Funai",
des Indianerschutzdienstes, in Belém und
Manaus, in
Rio de Janeiro und
São Paulo finden.
|
Urne der Indios
|
|
|






 |