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Anders als in Deutschland beginnt das Schuljahr üblicherweise Anfang
Februar und endet in der ersten Dezemberhälfte. Im gesamten Monat
Juli sind Winterferien. Ab dem 4.-6.Lebensjahr können die Kinder
eine freiwillige Vorschule besuchen, zunächst als Kindergarten
später als "Pré-Escola". Diese zwei Schuletappen - sowie
Kindergruppen "Creches" für Kinder für 3 Jahre - gehören zum "Ensino
infantil". Die Schulpflicht beginnt mit 7 Jahren. Der "Ensino
fundamental" ist in eine Unterstufe von der 1.-4.Klasse und eine
Mittelstufe von der 5.-8.Klasse eingeteilt. Die folgenden drei
Schuljahre werden als "Ensino médio" bezeichnet, er ist mit der
deutschen Oberstufe vergleichbar, allerdings endet die Schule früher
als in Deutschland, und zwar mit Abschluss der 11.Klasse.
Das brasilianische
Bildungswesen untersteht der Aufsicht des Bundeserziehungsministeriums.
Der ihm unterstellte Bundeserziehungsrat ist für die Prüfung der
Lehrpläne und die Einhaltung der Lernziele verantwortlich. Daneben
bestehen eigene Unterrichtsbehörden der Bundesstaaten und der Gemeinden.
Der Bildungsstand weist in den einzelnen Landesteilen aufgrund ihrer
spezifischen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung erhebliche
Unterschiede auf. Im Nordosten des Landes und ganz allgemein in
den ländlichen Gebieten ist trotz einiger Fortschritte die Analphabetenquote
noch immer hoch.
Bildung wird in Brasilien über öffentliche wie über private Institutionen
vermittelt, die sich in die Bereiche der Vor- und Grundschulen (I
Grau), Sekundarschulen (Mittel- und höhere Schulen: II Grau) und
Universitäten (mit Studiengängen für Postgraduierte) gliedern.
Die Grundschulausbildung von Kindern ist kostenfrei und obligatorisch.
Schulpflicht besteht für alle Kinder zwischen dem 7. und 15. Lebensjahr.
Viele von ihnen beenden die Ausbildung allerdings nicht, da sie
schon vorher arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Obwohl der Alphabetisierungsgrad offiziellen Schätzungen zufolge
mehr als 80% betragen soll, ist das Problem des Analphabetentums
bei Erwachsenen noch immer gross. Im Bemühen um eine weitere Verbesserung
der Situation erzielten Programme, die , u.a. alternative Bildungswege
wie Abendschulen für arbeitende Kinder und Fernkurse über Rundfunk
und Fernsehen beinhalten, erste positive Ergebnisse zeigen.
Auch gemeinnützige Privatschulen erhalten staatliche Zuschüsse.
Laut der brasilianischen Verfassung von 1988 sollen 25 Prozent der
staatlichen und kommunalen Steuergelder in das Bildungswesen fliessen.
Die meisten Grund- und weiterbildenden Schulen werden vom Staat
und den Gemeindeverwaltungen unterhalten. Es gibt aber auch viele
höhere Schulen der römisch-katholischen Kirche.
Die Verantwortung für die Hochschulen in Brasilien teilen sich die
einzelnen Staaten und private Verbände. In den späten achtziger
Jahren verfügte Brasilien über mehr als 850 solcher Institutionen
(einschliesslich 73 Universitäten). Es studierten etwa 1,4 Millionen
Studenten. Zu den führenden Universitäten zählen die Universität
von
Brasília (1961), die
Universität von São Paulo (1934), die päpstlich-katholische
Universität von Campinas (1941), die
Bundesuniversität von Rio de Janeiro (1920) und die päpstlich-katholische
Universität von
Rio Grande do Sul (1948) in Porto Alegre.
Die Regierung in Brasília unterhält in jedem Bundesstaat mindestens
eine Bundesuniversität. Wegen der hohen Zahl an Studienplatzbewerbern
verlangen öffentliche wie private Hochschulen eine Aufnahmeprüfung
(Vestibular). Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums wird dem
Absolventen der akademische Grad eines Bakkalaureus verliehen. Nach
einem zusätzlichen Studienjahr können angehende Gymnasiallehrer
den Grad eines Licenciado erwerben.
Die Bereiche Erziehung und
Bildung stellen eine Priorität für die brasilianische Regierung dar.
In den letzten Jahren haben die Bemühungen, allen Bürgern einen
breiten Zugang zu Bildung zu bieten, grosse Erfolge gezeitigt.
Beispielsweise wurde kürzlich das Programm „Bolsa Escola -
Schulstipendium" aufgelegt, das Familien pro Schulkind einen
monatlichen Zuschuss sichert und somit zu einem höheren
Bildungsniveau der Bevölkerung beiträgt. Bereits heute können mehr
als 2 Millionen Kinder davon profitieren, und schon bald werden es
landesweit etwa 11 Millionen Kinder zwischen 6 und 15 Jahren sein.
Mit diesem Programm erhalten Familien, deren Mindesteinkommen einen
bestimmten Wert nicht übersteigt, finanzielle Unterstützung von der
Regierung, damit die Kinder kontinuierlich die Schule besuchen
können. Alle Gemeinden des Landes sind an dem Programm beteiligt,
das über einen Haushalt von R$ 1,7 Milliarden verfügt.
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