Die Anfänge des brasilianischen Theaters
lassen sich bis in die frühe Kolonialzeit zurückverfolgen, als Pater José
de Anchieta zur Bekehrung der Indios in Piratininga Einakter zu biblischen
Themen inszenierte. Das kleine, in Ouro Preto erhalten gebliebene
Kolonialtheater und die bereits 1767 dokumentierten regelmässigen
Aufführungen im Opernhaus des Pater Ventura und im Theater von Manuel
Luís, beide in Rio de Janeiro, weisen auf ein reges Bühnenleben schon
während der Zeit des Vizekönigreiches in Brasilien hin. Die Anfänge des
brasilianischen Theaters lassen sich bis in die frühe Kolonialzeit
zurückverfolgen, als Pater José de Anchieta zur Bekehrung der Indios in
Piratininga Einakter zu biblischen Themen inszenierte. Das kleine, in Ouro
Preto erhalten gebliebene Kolonialtheater und die bereits 1767
dokumentierten regelmässigen Aufführungen im Opernhaus des Pater Ventura
und im Theater von Manuel Luís, beide in Rio de Janeiro, weisen auf ein
reges Bühnenleben schon während der Zeit des Vizekönigreiches in Brasilien
hin.
Ebenfalls in Rio entstand 1813 das Theater São João, das später nach dem
Schauspieler João Caetano benannt wurde, der Mitte des Jahrhunderts als
Interpret von Shakespeare-Tragödien grosse Anerkennung fand. Während der
Regierungszeit von Kaiser Pedro I. gelangte in Rio der Bühnenautor Luís
Carlos Martins Pena zu Ansehen, der in seinen Sittenkomödien ein Bild der
damaligen Gesellschaft zeichnete. Seit etwa 1840 dann setzen sich die
grossen Romanautoren Joaquim Manuel de Macedo, José de Alencar, Gonçalves
Dias und Machado de Assis auch am Theater durch. Zu den bedeutendsten
Theaterautoren in der Tradition von Martins Pena aber gehörte Joaquim José
de França Júnior, der die Zeit des zweiten Kaiserreichs satirisch-kritisch
beleuchtete. Gegen Ende des Jahrhunderts begeisterte Artur de Azevedo das
Theaterpublikum in Rio mit seinen musikalischen Komödien "O Mambembe", "O
Oráculo" und "O Badejo", vor allem aber mit seiner Revue "A Capital
Federal".
Leopoldo Fróes gründete zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts das erste
rein brasilianische Ensemble, das mit Stücken von Viriato Correa und
Oduvaldo Vianna auftrat. In der Folge entstanden die Ensembles von Abigail
Maia, Procópio Ferreira, Jaime Costa und Dulcina de Morais. Mit João do
Rio, Armando Gozaga, Coelho Neto, Paulo Gonçalves und Joracy Camargo
konnte sich zur gleichen Zeit auch eine neue Autorengeneration
durchsetzen.
Anfang der vierziger Jahre nahmen sich Eva Tudor und Luís Iglésias mit
ihren Ensembles wieder bedeutender europäischer Bühnewerke an. Autoren wie
Pirandello und Eugene O'Neill wurden erstmals einem brasilianischen
Publikum vorgestellt. Der im Zweiten Weltkrieg aus Polen nach Brasilien
geflüchtete Schauspieler, Regisseur und Beleuchter Zbigniew Ziembinski,
der das Ensemble "Os Comediantes" ins Leben rief, machte mit seiner
Inszenierung von Nélson Rodrigues' "Vestido de Noiva" 1945
Theatergeschichte.
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Mit der Gründung einer Schauspielschule in São Paulo im Jahr 1948 war
Alfredo Mesquita massgeblich an der Entwicklung der folgenden
Theatergeneration beteiligt. Im gleichen Jahr entstand auch das erste
brasilianische Kindertheater von Lúcia Benedetti, in deren Nachfolge vor
allem der Name Maria Clara Machado genannt werden muss.
Ebenfalls in den vierziger Jahren trat das Studententheater von Pascoal
Carlos Magno mit Shakespeare-Inzenierungen an die Öffentlichkeit und
stellte den Schauspieler Sérgio Cardoso in der Rolle des Hamlet vor. In
den gleichen Zeitraum fällt die Eröffnung des "Teatro Brasileiro de
Comédia", kurz TBC, an dem Nídia Lícia und Paulo Autran in Stücken von
Abílio Pereira de Almeida auf der Bühne standen. Mit der Verpflichtung
ausländischer Regisseure wie Luciano Salce, Adolfo Celli und anderen sowie
neuer Schauspieler wie zum Beispiel Cacilda Becker und Sérgio Cardoso
übernahm das TBC eine führende Rolle in der brasilianischen
Theaterlandschaft.
Mit der Gründung des staatlichen "Serviço Nacional de Teatro" Ende der
vierziger Jahre wurden öffentliche Mittel zur Förderung experimenteller
Theatergruppen und Aufführungen brasilianischer Autoren zur Verfügung
gestellt
Aus der TBC-Ensemble gingen in den fünfziger und sechziger Jahren die
bedeutenden brasilianischen Theatergruppen von Tônia-Celli-Autran (Tônia
Carrero), Cacilda Becker, Sérgio Cardoso und Nídia Lícia ebenso wie das
"Teatro dos Sete" mit seinen Hauptdarstellern Fernanda Montenegro, Sérgio
Brito, Ítalo Rossi und Natália Timberg hervor. Stücke jüngerer Autoren wie
Antônio Callado, Osman Lins und Diaz Gomes wurden aufgeführt, bedeutende
Werke des streitbaren Nélson Rodrigues sowie Jorge de Andrades Abbilder
des dekadenten Landadels von São Paulo und Minas Gerais.
Weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt wurde der 1927 geborene
Universitätsprofessor und Theaterkritiker Ariano Suassuna. In seinem Stück
"O Auto da Compadecida" entwirft er ein Bild des typisch brasilianischen
Katholizismus
In den sechziger Jahren entstanden in São Paulo das "Teatro de Arena", das
den direkten Kontakt mit dem Publikum suchte und neben brasilianischen
Autoren wie Augusto Boal und Gianfrancesco Guarnieri auch ausländische
Autoren vorstellte, sowie das "Teatro Oficina" von José Celso Martínez
Correa, das Oswald de Andrades "O Rei da Vela" für die Bühne
wiederentdeckte und "Roda Viva" von Chico Buarque de Holanda inszenierte.
Wie die neuen Theater in São Paulo wandte sich auch in Rio de Janeiro das
Ensemble der "Grupo Opinião" politischen Themen zu und brachte z.B. Texte
von Oduvaldo Vianna Filho auf die Bühne. Die Stücke von Plínio Marcos
gaben einer realistischen Darstellungsweise neue Impulse. Ebenfalls in den
sechziger Jahren wurden die Sittenkomödien von João Bethencourt in die
Spielpläne aufgenommen.
Das Theater der siebziger Jahre stellte dem Publikum zahlreiche neue
Autoren vor, u.a. Antônio Bivar, Leilah Assunção, Bráulio Pedroso, Lauro
César Muniz, Isabel Câmara, Roberto Athayde und José Vicente. Ebenso
traten neue Theaterensembles wie "O Asdrúbal Trouxe o Trombone" in Rio und
"O Pod Minoga" in São Paulo mit provokativen Stücken an die
Öffentlichkeit. Grossen Erfolg im In- und Ausland hatte der Regisseur
Antunes Filho mit seinen Adaptationen von Mário de Andrades "Macunaíma"
und Stücken von Nélson Rodrigues.
In den achtziger Jahren standen Werke von João Ribeiro, Chaves Neto, Maria
Adelaide Amaral, Naum Alvez de Souza, Alcides Nogueira Pinto, Mário Prata,
Luiz Alberto Abreu, José Saffioti, Roberto Gomes und anderen auf dem
Spielplan. Durch die Arbeit von Denise Stocklos lebte das Interesse an der
Pantomime wieder auf. In São Paulo gründeten Cacá Rosset und Luís Alberto
Boadella das "Teatro do Ornitorrinco". Zu den wichtigen Neugründungen
zählen darüber hinaus Theatergruppen wie "Ponká", das mit Puppen
arbeitende Experimentalensemble" "XPTO", "Os Contadores de Histórias" und
"Boi Voador". Celso Curis und seinem Theater "Espaço Off" verdanken viele
junge Talente ihre Entdeckung.
1991 und 1992 zogen die jungen Autoren Moacir Goes und Enrique Díaz aus
Rio de Janeiro die Aufmerksamkeit des Theaterpublikums ebenso auf sich wie
Gabriel Vilela aus Minas Gerais, der mit seiner "Grupo Galpão"
Strassentheater macht.
Führende brasilianische Bühnenautoren, Schauspieler und Regisseure
arbeiten auch für das Fernsehen, insbesondere wirken sie an den
Telenovelas mit, den beliebten Fernsehserien, die mittlerweile in der
ganzen Welt zu sehen sind und sich zu einem einträglichen Exportartikel
entwickelt haben.
Quelle: mit freundlicher
Unterstützung und Genehmigung der
Brasilianischen Botschaft in Berlin - Copyright © 2004
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