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Tanzspiele

   
     

Eine ganze Reihe von Schaustellungen und Tänzen aus den verschiedenen Kulturkreisen haben in Brasilien ihre Form gefunden. Eines der schönsten dramatischen Spiele in lockerer Szenenfolge ist der "Bumba meu Boi", ein weit verbreitetes Tanz- und Gesangspiel. Seine reichste Form hat es wohl im Norden, in Maranhão, es wird aber auch im Nordosten, in Pernambuco, Alagoas und Sergipe sehr gepflegt. Nach Süden hin bis zu seiner Form "Boi de Mamão" in Santa Catarina werden nur weniger aufwendige Kostüme bei den Vorführungen auf den Strassen und Plätzen benutzt. Das Ganze hat als Grundlage eine Erzählung.

Der Boi, das heisst Ochse, der selbst, aus einem Rahmengestell gefertigt, das mit Samt und glitzerndem Schmuck überzogen und einem Mann darunter, auftritt, ist die Titelperson. Weitere Teilnehmer sind der "Amo", der Besitzer der Farm; Dona Catarina, die Frau seines Angestellten, die die Zunge des Boi essen möchte; ein "Capitão do Mato" in Polizeiuniform und ein Arzt, deren Unfähigkeit im Spiel mit allerlei komischen Zwischenfällen herausgestellt wird. Dies ist eine alte und harmlose Art der Schwarzen, sich über ihre weissen Herren lustig zu machen. Zahlreiche Vaqueiros und Federgeschmückte Caboclos ergänzen die Tanzgruppe und die Geschichte läuft je nach örtlichen Traditionen verschieden ab. In manchen Spielarten wird der Boi getötet und wiedererweckt, in anderen nur krank und in jedem Fall schliesslich vom Doktor gerettet, was zuerst zu Wehklagen und dann zu Jubelgesängen Anlass gibt, die mit Trommeln und Tamburins, bei den stärker indianischen Versionen dazu von "Matracas", Holzstücken, die im Rhythmus aneinander geschlagen werden, begleitet. In São Luís und Umgebung beginnen die Bumba-meu-Boi-Feste am 23.Juni und werden bis in den September hinein gefeiert. In der Mehrzahl der anderen Gegenden sind sie ebenfalls mit dem Zyklus der Johannisfeste, in manchen Küstenzonen mit den Festen am Jahresende verbunden.

Abgesehen von den "Cavalhadas", den Reiterspielen iberischer Herkunft, wo bei dem Gefecht zwischen Mauren und Christen sogar Karl der Grosse als Verteidiger der Christenheit zitiert wird, sind hingegen die Mehrzahl der Tänze stärker an die afrikanischen Traditionen der damaligen Sklaven gebunden. Das ist bei den Aufzügen des "Maracatu", mit der Krönung eines schwarzen Königs, des "Rei do Congo", bei den Congadas, dem Mozamibque und den einfachen Tänzen des Lundú, des Jongo, Batuque und anderen zu beobachten. Solche Tänze wurden von alters her von den Sklaven gepflegt, wobei der "Lundú" als besonders sensuell angesehen wird, weil bei steigender Animierung der Kavalier die sich anfangs kalt verhaltende Dame mit dem Bauch berührt, bis auch sie in eine solche schon von Debret und Rugendas abgebildete Bewegung gerät. Die Mehrzahl dieser Tänze sind in einigen Orten des Nordostens, ja sogar im Vale do Paraíba und angrenzenden Teilen des Staates São Paulo bei Gemeinschaften bodenständiger Menschen noch lebendig. In Recife und der weiteren Umgebung sind es die "Congregações do Rosário", in den Orten wie Taubaté, Aparecida, Cunha oder Redenção da Serra; in São Paulo die "Irmandades de São Benedito", die die ererbten Gesänge und Tänze weiter pflegen. Das Fest des schwarzen São Benedito selbst ist vom 18. bis 24.Oktober. Wer die Möglichkeit hat, sollte es nicht versäumen, diesen farbenprächtigen und ursprünglichen Veranstaltungen nachzuspüren.

Cheganças:
Chegança wird um die Weihnachtszeit gespielt und getanzt. Das Volksstück erzählt von der Landung der Mauren in Portugal, ihrer Niederwerfung und schliesslich ihrer Taufe durch die Christen. Im Nordosten des Landes flossen die Cheganças viele Elemente der beliebten Seemannsepen und Ritterdramen ein.

Pastoris:
Pastoris wurden ursprünglich vor der Krippe zur Einleitung der Weihnachtsmesse aufgeführt. Heute dagegen haben sie weltlichen Charakter angenommen. Mädchen und Frauen defilieren durch die Strassen in roten und blauen Reihen. Jede Reihe stellt eine Figur - Lehrer, Zigeuner, alter Mann, Diana, Engel - oder auch einen abstrakten Begriff z.B. Friede, Freiheit usw., dar. Die jungen Schäferinnen singen und schlagen ihre Tamburine, von Gitarren und einem Solo-Blasinstrument begleitet.

Ranchos:
Ranchos sind allegorisch-folkloristische Tanz- und Gesangsvorführungen und gehörten ursprünglich zu den Volksspielen der Weihnachts- und Nachweihnachtszeit. Daraus entwickelten sich die ersten, einfachen Formationen des Karnevals in Rio. Kostümierte Ranchos, Carnavalescos genannte Gruppen von Tänzern, die zu langsamen, getragenen Marschrhythmen und jedes Jahr eigens komponierten Melodien, romantische Liebesgeschichten darstellten und einzelne Stadtteile von Rio präsentierten. Sie warben um Anerkennung und Preise und waren somit die eigentlichen Vorläufer der Samba-Schulen. Diese Schulen übernahmen die Formationen nach dem Vorbild der Rancho-Gruppen und Zeremonienmeister, der Tänzerinnen und Sängerinnen.

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