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Telekommunikation

   
     

Der Telekommunikationssektor, der einst von der staatlichen Telebrás und ihren Regionalgesellschaften betreut wurde, ist mittlerweile vollständig privatisiert. Hinzugekommen ist ein von vorneherein privates landesweites Handynetz, die sog. B-Frequenz oder "Banda B". Im Jahr 2000 sind nun auch die Grundlagen für ein drittes Handynetz gelegt, das ab 2001 neue Investoren, Betreiber und Hersteller von Komponenten, Vermittlungstechnik und Endgeräte auf den Plan rufen wird.

Ein monatelanges Tauziehen um den Standard des dritten landesweiten Mobilfunknetzes war der Entscheidung im Juni 2000 vorausgegangen: 1,8 GHz - das ist die neue Frequenz für die "Banda C". Die bedeutete gleichzeitig eine Entscheidung für die europäische Übertragungstechnik Global System Mobile "GSM". US-amerikanische Unternehmen hatten bis zuletzt versucht, die Regierung zu einem Votum für die Frequenz 1,9 GHz zu bewegen, um die in Brasilien bereits etablierten und in den USA verbreiteten CDMA- und TDMA-Technologien auch für das dritte Netz nutzen zu können. Um den neuen Markt werden sich nun insbesondere die europäischen Unternehmen Siemens, Alcatel und Nokia streiten.

Nach der Freude darüber, dass die brasilianische Telekommunikationsbehörde (Anatel - Agência Nacional de Telefone) für das Modell Global System Mobile "GSM" optierte, ist in den Vorstandsetagen der drei europäischen Unternehmen rege Geschäftstätigkeit ausgebrochen. Auf dem Spiel steht ein Markt von schätzungsweise US$ 10 Mrd., die drei europäischen Unternehmen rechnen im Zeitraum 2001 bis 2005 mit mindestens 10 Mio. Benutzern. Interessiert an dem Geschäft sind auch die amerikanischen Telekommunikationsunternehmen Lucent, Motorola und Nortel. Sie hätten es zwar lieber gesehen, wenn die Entscheidung für 1,9 GHz gefallen wäre, doch stellen sie in zahlreichen Ländern auch die GSM-Technik für 1,8 GHz her.

Siemens plant Investitionen von US$ 50 Mio. für zwei neue Montagestrassen. US$ 10 Mio. entfallen voraussichtlich auf den Ausbau des Werkes in Curitiba und US$ 40 Mio. auf die Erweiterung und Umstrukturierung der Telefongerätefabrik in Manaus. Investitionen vergleichbarer Grössenordnung sieht auch das Konzept der Alcatel vor. Das französische Unternehmen plant den Bau einer Fabrik, hat sich aber noch nicht auf einen Standort festgelegt. Im Gespräch sind nach Auskunft der Alcatel vor allem die Zollfreizone Manaus (wo Siemens und Nokia produzieren) und São Paulo (wo Motorola ihre Handys baut).

Für den Verbraucher wird der neue Standard eine Beschleunigung des Preisverfalls bei den Endgeräten bringen sowie Modelle, die mit zahlreichen Zusatzfunktionen versehen sind (insbesondere Internet-Zugang). Nach Zeitungsberichten werden die Handys bei Markteinführung Anfang 2001 unter US$ 100 kosten. Der Wettbewerbsgedanke hat nach Darstellung der Anatel auch den Ausschlag für das Votum für die 1,8 GHz-Frequenz gegeben. Nur so könne man sicherstellen, dass neue Anbieter auf den Markt kommen, die mit den etablierten Telekomgesellschaften unmittelbar konkurrieren könnten. Die von den US-Firmen favorisierte Frequenz 1,9 GHz werde in etwa zwei oder drei Jahren für den Einsatz der Geräte der dritten Generation ausgeschrieben. Dann will Brasilien mit einem vierten Netz den Standard IMT-2000 einführen.

Auszug aus "Investitionshandbuch Brasilien 2001" Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002

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