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Exporte aus Brasilien

   
     

Autos, Motoren und Fahrzeugteile gehören zu den Produkten, die - zum Teil ausschliesslich - in Brasilien hergestellt und in die ganze Welt verkauft werden. Tochterunternehmen von deutschen Firmen exportieren immer mehr Produkte.

Alle Trennschleifer der Marke Stihl, die weltweit verkauft werden, kommen aus dem brasilianischen Werk der Gruppe in São Leopoldo im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Das Motorenwerk von DaimlerChrysler do Brasil stellt die wichtigsten Teile - die Motorblöcke und die Pleuelstangen - der Motoren der Baureihe OM 457 her, die im Mannheimer Werk montiert werden. Brasilien ist auch das einzige Land, in dem der Volkswagen Polo Sedan hergestellt wird - das Schrägheck-Modell (Hatchback) gibt es auch aus Spanien und Südafrika. Und mehr noch: Ab dem Jahr 2005 wird Brasilien das einzige Herstellerland von einigen Sorten Bremsbeläge für Schwerfahrzeuge von der Firma TMD Friction do Brasil sein, einem Tochterunternehmen von TMD.

Nach Ansicht von Antônio Corrêa de Lacerda, Präsident der Sobeet (Brasilianische Gesellschaft für Studien über Transnationale Unternehmen und Globalisierung), gibt es dafür eine Reihe von Gründen: der freie Wechselkurs, die günstigen Gesetze und die Grösse des Binnenmarktes. "Erst das Ende des festen Wechselkurses 1999 hat die Exportzentren in Brasilien möglich gemacht", so Lacerda. Er betont ausserdem, dass einige wirtschaftliche Anreize, wie Fonds zur Förderung einzelner Branchen und das Informatikgesetz, der Herstellung einiger Waren im Inland Auftrieb gegeben haben. "Brasilien ist die zehntgrösste Volkswirtschaft der Welt. Auch das ist für viele multinationale Unternehmen interessant".

Vorteile und Nutzen
Das Marktpotiental Brasiliens hat einiges an Wertvollem zu bieten, wie auch die Tochterfirmen deutscher Unternehmen anerkennen. "Die Skalenerträge sind ein grosser Wettbewerbsvorteil", bestätigt Bart Laton, Leiter der Abteilung Motoren von DaimlerChrysler do Brasil. Er nennt ein Beispiel: In Brasilien werden im Jahr etwa 60.000 Schwerfahrzeuge verkauft, während es beispielsweise in Südafrika keine 8.000 sind.
Andere positive Aspekte Brasiliens sind für die DaimlerChrysler-Gruppe laut Laton die Verfügbarkeit von motivierten und flexiblen Arbeitskräften, die vergleichsweise günstigen Löhne und Gehälter, das Energieangebot und einige Rohstoffe, wie z.B. Eisen und Aluminium. Die brasilianische Niederlassung von Daimler stellt nicht nur die Motorenblöcke und Pleuelstangen für OM 457-Motoren her - davon sollen im Jahr 2003 insgesamt 18.000 nach Deutschland exportiert werden, im Vergleich zu 8.000 Stück im Jahr 2001 - sondern beliefert auch ein anderes Unternehmen der Gruppe, den Motorenhersteller DCC, mit den Motoren OM 460.
Ausserdem ist die brasilianische Filiale weltweites Kompetenzzentrum für die Produktion von Gasmotoren. "Der Markt ist noch klein, hat aber langfristig grosses Potential", erklärt Laton. Eins der Modelle, der M 447h LAG, wurde eigens für den Export entwickelt. In diesem Jahr hat das Werk 40 dieser Motoren hergestellt, im Jahr 2003 sollen 150 produziert - und exportiert - werden.
Es gibt vieles, was für die lokale Produktion weltweit vertriebener Produkte spricht. Abgesehen von der Umsatzsteigerung für die brasilianischen Niederlassungen führt sie zu technologischen Verbesserungen und bringt noch dazu Devisen ins Land. Die Exporte von Volkswagen do Brasil beliefen sich im vergangenen Jahr auf US$ 1,3 Mrd., wovon US$ 500 Mio. aus dem Export eines Fahrzeugmodells kamen, das im brasilianischen Bundesstaat Paraná hergestellt und auf der ganzen Welt verkauft wird: der Golf. Der Golf wird nur in Brasilien hergestellt und seit April 2000 von Brasilien aus exportiert, und zwar hauptsächlich in die USA und Kanada. "Der grösste Gewinn liegt dabei in der Bestätigung, dass wir durchaus in der Lage sind, Auto für die Erste Welt zu produzieren", erklärt Leonardo Soloaga, Hauptgeschäftsführer Export.
Im Jahr 2003 will Volkswagen seine jüngste Kreation, den Polo, auf dem europäischen Markt vorstellen. Das Fahrzeug kam im April dieses Jahres auf den Markt und wird bereits nach Südafrika exportiert. Der Sedan wurde von deutschen und brasilianischen Ingenieuren entwickelt und wird seit kurzem in São Bernardo do Campo (im Bundesstatt São Paulo) produziert. Es ist das erste Auto, das ausschliesslich in Brasilien hergestellt wird. Und genau dieses Modell will das Unternehmen in Europa auf den Markt bringen. Die Firmenleitung hofft, dass die Exporte mit den zwei Polo-Modellen im Jahr 2003 um 10% auf US$ 1,5 Mrd. steigen.

Export und technische Qualifikation
Bei Andreas Stihl sind die Lieferungen ins Ausland von globalen Produkten ebenfalls gestiegen. Die brasilianische Niederlassung des deutschen Stihl-Konzerns, der in sechs Ländern Betriebe hat, stellt u.a. Motorsägen, Motorsensen, Trennschleifer und Sprühgeräte her. "Die wichtigsten Teile des Motors stellen wir selbst her", erklärt Geschäftsführer Horst Bals. Eins davon wird nur im brasilianischen Werk produziert: der Zylinder. "Drei Werke brauchen den Zylinder - Werke in den USA, Brasilien und Deutschland -, und 1994 hat das Stammhaus beschlossen, dass er nur in einem Betrieb produziert wird", erzählt Bals. "Hier waren die kosten am günstigsten, und seit 1996 wird der Zylinder hier hergestellt".
Zu den grössten Vorteilen gehört nach Bals dabei die Erhöhung der Exporte - 90% der Zylinder werden ins Ausland verkauft - und die Erschliessung neuer Märkte - zuvor hatten sich die Verkäufe auf Lateinamerika beschränkt. Aber es gibt noch andere Pluspunkte. "Es hat dem ganzen Betrieb technische Qualifikationen gebracht, nicht nur in der Zylinderherstellung", so Bals. "Ausserdem spielen wir innerhalb der Unternehmensgruppe eine viel wichtigere Rolle. Wenn heute besprochen wird, wo eine Komponente oder ein Produkt hergestellt werden soll, sind wir immer in der engeren Wahl". Auf diese Weise konnte Stihl die Exporte im Vergleich zu 1996 um etwa 30% erhöhen. "Allein die Zylinder haben uns 25% mehr Devisen eingebracht", rechnet Bals.
Für die Firma Ciber Equipamentos Rodoviários kam der Wandel ebenfalls mit den neuen Technologien, die 1996 mit dem Aufkauf des Unternehmens durch die deutsche Wirtgen-Gruppe kamen. "Neben der Produkttechnologie gehört dazu die Verfahrenstechnologie, wodurch die Produktivität steigt und die Kosten fallen", bestätigt der technische und industrielle Leiter von Ciber, Walter Rauen de Souza. Die Produktivität lässt sich u.a. am Verhältnis der direkten und indirekten Mitarbeiter zur hergestellten Ware messen. Dieser Index ist bei Ciber von 3,26 im Jahr 1996 auf 1,26 im vergangenen Jahr zurückgegangen.
Ausserdem ist Ciber heute auf mehr Märkten tätig. Das Unternehmen, das nur Produkte mit der eigenen Marke verkaufte und nur in Südamerika tätig war, stellt heute auch Asphaltfräsen der Marke Wirtgen her, die in den USA und nach Italien verkauft werden. "In Nord- und Südamerika sind wir der einzige Hersteller von Fräsmaschinen der Unternehmensgruppe", betont Souza. Damit ist der Exportanteil am Nettoumsatz der Niederlassung von ungefähr 10% auf 30% gestiegen.
Ein neuer Inhaber hat auch bei TMD Friction do Brasil einiges verändert. Das Unternehmen mit Sitz in Indaiatuba (im Bundesstaat São Paulo) stellt Beläge für Bremsen und Scheibenbremsen her und setzt weltweit Masstäbe. Im September vergangenen Jahres hat das Unternehmen Rütgers weltweit seinen gesamten Reibbelagbereich am TMD verkauft, einem Unternehmen mit Sitz in Deutschland und 16 Fabriken in anderen Ländern.
"Die Gruppe hat uns als weltweites Kompetenzzentrum für Bremsbeläge für Schwerfahrzeuge (Busse und Lkw) ausgesucht", berichtet der geschäftsführende Präsident des Unternehmens, Feres Macul Neto. Er erzählt, dass die Gruppe bis 2005 die Produktion von Bremsbelägen für Busse und Lkw in anderen Fabriken nach und nach zurückfahren wird, so dass sie am Ende nur noch in Deutschland und Brasilien produziert werden. Einige Beläge werden dann nur noch in Brasilien fabriziert.
Die TMD-Gruppe investiert etwa 5 Mio. Euros, um die Kapazität dieser Sparte in Brasilien zu steigern. Weitere 1,5 Mio. Euros gehen in den nächsten vier Jahren in Forschung und Entwicklung. Bis zum Jahr 2005 soll die Produktionskapazität verdoppelt werden. Die zusätzliche Produktion wird an die Betriebe in den USA, Europa, Australien, Nordafrika, im Mittleren Osten und in Mittel- und Südamerika geliefert. Es wird erwartet, dass sich die Exporte von Bremsbelägen für Schwerfahrzeuge bis zum Jahr 2005 um 60% erhöhen werden.

Kühl- und Gefrierschränke, Herde und Mobiltelefone
Gute Aussichten bestehen auch für BSH Continental Eletrodomésticos, den brasilianischen Zweig der BSH-Gruppe (Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH). Das Unternehmen hat in Hortolândia im Bundesstaat sao Paulo einen Betrieb, der Kühl- und Gefrierschränke für den weltweiten Betrieb herstellt. Als dieser Betrieb in der zweiten Hälfte der 90er geplant wurde, sollte er den Binnenmarkt und andere Märkte in Lateinamerika beliefern. "Damals hatte die Gruppe weltweit fünf Herstellerbetriebe von Tiefkühltruhen und beschloss, eine weitere Fabrik in Brasilien zu errichten, und zwar wegen des enormen Potentials des brasilianischen Marktes", erzählt der Präsident für Lateinamerika, Bernhard Schuster.
Vor zwei Jahren, als der Real bereits abgewertet war, stellte BSH fest, dass die Produkte aus Brasilien überall auf der Welt wettbewerbsfähig waren, und ergriff eine Reihe von Massnahmen. Der Betrieb in Brasilien übernahm dasselbe Design, mit dem Bosch auch in anderen Teilen des Planeten produziert. Sogar der weisse Farbton der Kühl- und Gefrierschränke wurde geändert, um sicherzustellen, dass die brasilianischen Produkte genau denen aus anderen Ländern entsprechen. Auch der Kundendienst wurde umstrukturiert und ins weltweite Netz integriert.
Schuster ist der Meinung, dass die in Brasilien hergestellten Kühl- und Gefrierschränke alle Voraussetzungen erfüllen, um in Europa gekauft zu werden. Dazu gehören auch einige Besonderheiten wie die gekühlte Tür, die auch die Waren in den Türfächern besser kalt hält. Was die Herde angeht - die auf der Liste der Exporte ebenfalls ganz oben stehen -, setzt das Unternehmen darauf, dass sich die brasilianischen Gasherde in Osteuropa gut verkaufen werden und ebenso in Ländern wie Spanien und Grossbritannien, wo Gasherde üblich sind. Damit lässt sich das Angebot des Stammhauses vervollständigen, das hauptsächlich Elektroherde anbietet.

Generatoren
Unter allen Betrieben, die die Gruppe Voith Siemens Hydro Power Generation u.a. in Deutschland, China, Japan und den USA hat, wurde die brasilianische Niederlassung als einziger Standort für die Herstellung von Generatoren für Wasserkraftwerke ausgewählt. In Brasilien steht auch das einzige Werk der Gruppe, in dem Gussteile für Wasserturbinen hergestellt werden, und eins von zwei Werken (das zweite steht in China), das Wasserturbinen produziert.
"Die brasilianische Niederlassung bietet Qualität und Wettbewerbsfähigkeit", so Sergio Parada, brasilianischer Vizepräsident des Unternehmens. Deshalb habe sich die Gruppe für Brasilien entschieden. "Heute ist das Land wettbewerbsfähig, wenn es um Produkte geht, deren Herstellung ausgereifte Technologien erfordert. Es gibt qualifizierte Arbeitskräfte, und die Kosten sind niedrig".
Die Gussteile werden bereits seit 1992 ausschliesslich in Brasilien hergestellt, lange vor der Abwertung des Real. Die Turbinen wurden bis April 2000 auch in anderen Ländern, darunter in Deutschland, hergestellt.
Einer der grössten Vorteile für das brasilianische Unternehmen lag in der Erhöhung der Exporte. Heute machen die Verkäufe des Werkes an andere Zweigstellen der Gruppe und an das Stammhaus 20% bis 25% des Umsatzes von Voith Siemens Hydro aus, während es bis 1999 keine 5% waren. "Als einziger Hersteller haben wir einen geschlossenen Markt, aber das beste ist, dass die Exporte als natürliches Hedging für unsere Importe wirken", erklärt Parada.
Die brasilianische Niederlassung des Konzerns ist nicht nur die einzige, die Generatoren herstellt, sondern wurde ausserdem zum einzigen Forschungs- und Entwicklungszentrum der Gruppe in diesem Bereich bestimmt. Mit einem Umsatz von US$ 180 Mio. im vergangenen Jahr ist die Niederlassung die wichtigste der Gruppe. 35% der weltweiten Umsätze von Voith Siemens Hydro werden in Brasilien getätigt; das ist weit mehr als sogar im deutschen Stammhaus.

Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO 10 N°9 - 2002" - Sônia Salgueiro
Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002

 

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