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Die brasilianische Exporte von Blumen haben nur einen unbedeutenden
Anteil am Weltmarkt. Es fehlt an Technologien und Investitionen, und
ein grosser Teil der Branche arbeitet informell.
Guter Boden, ausreichend Wasser und ein günstiges Klima. Drei
unabdingbare Voraussetzungen für die Blumenzucht, und alle drei in
Brasilien im Überfluss vorhanden. In den Niederlanden, die doch
wesentlich kleiner als Brasilien sind, liegen die Exportumsätze der
Branche bei fast US$ 3 Mrd. - das sind knapp 50% des Weltmarkts.
Brasilien hingegen, eins der an Naturschätzen reichsten Länder und
mit Umsätzen um die US$ 16 Mio. in der Blumenbranche, erscheint
nicht einmal unter den 20 grössten Exporteuren. Weshalb bleibt das
Potential des Landes grösstenteils ungenutzt?
"Exporte sind für brasilianische Händler noch nicht
selbstverständlich", erklärt Francisco Bongers, Marktleiter des
Brasilianischen Instituts für Blumenzucht "IBRAFLOR". Hauptsächlich
würden typische Rohstoffe wie Eisenerz oder Soja exportiert; aber
keine Güter, die geringere Umsätze aufweisen, etwa US$ 5.000 oder
10.000. "Es wird ausschliesslich ans ganz grosse Geschäft gedacht",
so Bongers.
Aber das ist nicht alles. Die brasilianische Blumenbranche verfügt
weder über die technologischen noch über die organisatorischen
Kapazitäten, die eine Weiterentwicklung und Wachstum ermöglichen
könnten. Das erschwert den Weg in den Weltmarkt. Antônio Hélio
Junqueira von der IBRAFLOR sieht dafür verschiedene Gründe: die
unzureichenden beruflichen Qualifikationen, die aufgeblähte
Bürokratie, die komplexen pflanzengesundheitlichen Anforderungen,
die Standardisierung von Produkten und Verpackungen auf den
Absatzmärkten, das unzureichende Angebot an Krediten und
Garantieübernahmen. Und natürlich ergeben sich Schwierigkeiten
aufgrund einer fehlenden logistischen Infrastruktur.
Die ersten Anfänge
Bis in die 70er Jahre hinein wuchs die brasilianische
Blumenzucht nur sehr langsam. Viele war informell, die Waren im
allgemeinen von schlechter Qualität. Von Schädlingen oder
Krankheiten befallene Pflanzen, noch dazu nur notdürftig verpackt,
waren für die Abnehmer ganz normal.
In den 80er Jahren brachten Einwanderer aus Europa, v.a. Holländer,
die sich in Holambra im Landesinneren São Paulos niedergelassen
hatten, neue Standards in die Branche mit. Damit begann die
kommerzielle Produktion von Blumen und Zierpflanzen. 1989 wurde aus
den Niederlanden das Konzept der Blumenversteigerung übernommen.
"Das war ein Meilenstein in der brasilianischen Blumenzucht.
Unternehmer mussten die Notwendigkeit einsehen, die Arbeit zu
organisiert zu gestalten und Preise frei auszuhandeln", erklärt
Bongers von der IBRAFLOR.
Heute liegen die Umsätze der einheimischen Produktion im
Einzelhandel bei R$ 1,5 Mrd. Es gibt 16 grosse Zentren, wobei São
Paulo mit 60% der Umsätze besonders auffällt. Andere Zentren sind
Minas Gerais, Rio de Janeiro, Santa Catarina, Rio Grande do Sul,
Pernambuco, Ceará, Bahia, Goiás und Paraná. Es werden ganz
verschiedene Blumen gezüchtet. Sei es auf dem Feld oder im
Gewächshaus: Es gibt Schnittblumen wie Rosen - immer noch die Nummer
Eins -, Chrysanthemen, Nelken und Lilien, Töpfe mit Veilchen und
Kalanchoen "flammende Käthchen" bis hin zu den exotischsten
Orchideen und Tropenblumen.
Das 1969 gegründete Lagerunternehmen "CEAGESP - Companhia de
Entrepostos e Armazéns Gerais de São Paulo" ist einer der grössten
Vertreiber der Branche. Der geschäftsführende Präsident des
Unternehmens erklärt, die Umsätze bei den Blumen lägen bei
schätzungsweise R$ 1 Mio. pro Tag; zu jeder Messe kämen
durchschnittlich 6.000 Besucher und Käufer. Das sei der zweithöchste
Umsatz des Unternehmens.
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Etwa 80% der Blumen, die in Brasilien
gekauft werden, sind als Geschenk gedacht. Durch Werbefeldzüge soll
der tägliche Verbrauch erhöht werden |
Investitionen, Forschung und Technologie
Wie in jeder Branche, die wachsen will, besteht auch in der
Blumenzucht ein Bedarf an Investitionen. Die Anpassung von
Technologien an das brasilianische Klima, eine effizientere
Züchtung, widerstandsfähigere Blumen und verbesserte Systeme zur
Dünung und Bewässerung - diesen Problemen wird zunehmend
Aufmerksamkeit gewidmet.
Antônio Hélio Junqueira vom IBRAFLOR erklärt, die Investitionen
seien noch sehr niedrig. Deshalb hat das Institut die kürzlich
getroffene Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums, ca. R$ 6
Mio. an Forschungsmitteln zu bewilligen, begrüsst.
Auch in anderen Bereichen zahlen sich die Bemühungen aus. 1986 hat
das Bildungsministerium die Blumenzucht auf den Lehrplänen
landwirtschaftlicher Hochschulen zum Pflichtfach gemacht. Heute wird
sie meist zusammen mit Landschaftsarchitektur unterrichtet.
Ausserdem gibt es zunehmend mehr praktische
Ausbildungsmöglichkeiten, besonders in den Bereichen Organisation,
Verwaltung und Betriebsführung sowie Produktions- und
Verpackungstechnologien. Das Unternehmen Aquarella do Brasil, mit
Sitz in Holambra, hat beispielsweise in nur acht Monaten 600
Fachkräfte ausgebildet. "Früher konnte jeder mit nur R$ 10.000 eine
Blumenzucht eröffnen. Aber die Leute wussten nicht, wie sie damit
arbeiten sollten, wie sie die Blumen lagern, ein schönes Gesteck
machen oder Innovationen einführen konnten. Und das macht eine
ausgebildete Fachkraft aus. Dahingehend arbeitet Aquarella", erklärt
die Unternehmensleiterin Ana Rita Gimenes.
Andere Unternehmen, wie z.B. Flortec, haben ein weiter gestecktes
Tätigkeitsfeld. "Wir unterstützen Hersteller, die exportieren
wollen, beraten bei der Qualitätszertifizierung von Produkten und
Verfahren und organisieren Kurse, Messen und Ausstellungen. Für
Unternehmer, die in die Branche investieren wollen, führen wir
Projekte durch und erstellen Studien zur wirtschaftlichen
Durchführbarkeit", erklärt der Agraringenieur und technische Leiter
von Flortec - Consultoria e Treinamento - Beratung und Ausbildung -,
Jaime Ramos Motos.
In dem Kurs Tec Holambra geht man davon aus, dass ausser dem
Unterricht im Klassensaal auch Auslandsreisen dazu beitragen können,
die Lage in Brasilien zu ändern. "Unser Ziel ist es, Herstellern und
Produktionsleitern Länder zu zeigen, deren Technologien weiter
fortgeschritten sind, wie z.B. die Niederlande. Dann können sie
lernen, mit diesen Technologien umzugehen, und sie in Brasilien
einführen", erklärt Unternehmensberater Tom Asberg.
Die Exportbemühungen
Zur Zeit werden 95% der Produktion im Inland verkauft. Trotz der
Schwierigkeiten versuchen einige Unternehmen, ausländische
Absatzmärkte zu erobern. Dazu gehört auch Fazenda Terra Viva. "Jede
Blume lässt sich exportieren. Sie muss auf dem richtigen Markt
angeboten werden, und die Qualität muss den Anforderungen gerecht
werden", erklärt der Geschäftsführer Export, Ralph Dekker.
Schon in den 70er Jahren exportierten die Gründer von Terra Viva
Gladiolen nach Europa. Aber als in den 80er der Markt zunehmend
gesättigt war und der Wettbewerb schärfer wurde, hörten die Exporte
auf. "Vor zwei Jahren haben wir begonnen, Märkte im Ausland zu
suchen. Im ersten Jahr ging es darum, Erfahrungen zu sammeln, z.B.
über die Art der Verpackung und die Auswahl der richtigen Pflanzen.
In drei bis sechs Monaten werden unsere Pläne fertig sein, und wir
werden beginnen, für den Export zu produzieren", so Dekker.
Das Unternehmen Helicônias aus Pernambuco beispielsweise züchtet
Tropenblumen wie Helikonien, Galganten und Ananas und glaubt
ebenfalls an Chancen auf ausländischen Märkten. "Wir begannen im
Jahr 2001 mit Exporten nach England, Deutschland und Portugal, und
es hat sich ausgezahlt. Das Segment weist noch kein bedeutendes
Geschäftsvolumen auf. Es fehlt nicht an Märkten, aber an Waren.
Deshalb erweitern wir unsere Produktion und investieren in
Technologien. Wir müssen strukturierter arbeiten, um der Nachfrage
gerecht zu werden", bestätigt Izabel Almeida, teilhabende
Geschäftsführerin des Unternehmens.
Ein Abkommen zwischen der Exportförderungsagentur APEX und dem
IBRAFLOR rief das Programm Flora-Brasilis ins Leben. Das Programm
soll die brasilianischen Exporte von Blumen und Zierpflanzen von den
derzeitigen US$ 16 Mio. auf US$ 80 Mio. im Jahr 2004 anheben. Um die
Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu erhöhen, hat das Programm in
einem Jahr eine ganze Reihe Aktionen gestartet, darunter die
Teilnahme an internationalen Messen; technische Ausrüstung und
Ankurbeln der Produktion; Werbung für die brasilianische Floristik
im Ausland durch die - dreisprachige - Zeitschrift FloraBrasilis;
und die Entwicklung des Projekts Image/Käufer, bei dem grosse
internationale Importunternehmen eingeladen werden, um die
brasilianische Produktion kennenzulernen.
Auszug aus: "Brasil - Alemanha" ANO 10 N°7" - Joyce
Matsushita
Copyright © AHK-São
Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
Beim Handel mit Schnittblumen ist Schnelligkeit gefragt, weil wenig
vergänglicher ist als ein frisch gebundener Blumenstrauß. Blumen
sind aber immer noch DAS persönliche Geschenk, mit dem man „Danke“
sagt, gute Besserung wünscht, gratuliert, Mitgefühl bekundet. Um nun
ein frisches Blumen-Präsent in ein anderes Land oder auf einen
anderen Kontinent zu schicken, gibt es den
Blumenversand
international . Dafür werden örtliche Händler im gewünschten Ausland zum
„Rosenkavalier. So ist die Frische der Blumen gewährleistet. Und so
klappt auch der internationale Blumenversand nach Brasilien. |
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