|
Von 1502 bis 1889
Die Karavelle segelte im Südwestwind in die vermeintliche Mündung
eines Flusses hinein. Vom Deck aus hatten der Kapitän und der
Steuermann backbord schon zwei Hügel gesichtet: Der niedrigere der
beiden erinnerte sie an ein Hundegesicht, während der höhere ein
gewaltiger Felsen war, der Jahrhunderte später als Zuckerhut berühmt
werden sollte. Stunden später öffnete der Kapitän in seiner Kajüte
das Bordbuch, um seine Eindrücke des Tages niederzuschreiben: "Am
1.Januar 1502 fuhr die portugiesische Schiffsexpedition zur
Erkundung der brasilianischen Küste unter meinem Kommando in die
Mündung eines grossen Flusses ein. Dem Monat zu Ehren benannte ich
diesen Ort Rio de Janeiro, den Januarfluss, besteht doch kein
Zweifel daran, dass er zu gross ist, als dass es sich um eine Bucht
handeln könnte".
Spätere Expeditionen mussten jedoch feststellen, dass es doch eine
Bucht war, die die Indios des dortigen Tamoyo-Stammes die
"Guanabara-Bucht" nannten. Als am Ufer eines der Meeresarme - ganz
in der Nähe des heutigen Zentrums von Rio - das erste Haus gebaut
wurde, nannten die Tamoyo-Indios es gleich "Carioca" oder "das Haus
des weissen Mannes". Der Name blieb, und der Fluss in der Nähe des
Hauses wurde zum Rio Carioca. Ähnlich war es mit allen anderen Orten
in Rio. Schliesslich bezeichneten sich sogar die portugiesischen
Siedler selbst als Carioca. Heute nennt man jeden so, der in der
Stadt Rio de Janeiro geboren wurde oder - im weiteren Sinne - wer
hier lebt und sich die für einen echten Carioca so typische
Lebensweise zu eigen gemacht hat: eine lebensfrohe, witzige und
freundliche Lebensweise.
|

Bucht von Rio und die Stadt São Sebastião - Karte aus dem 16.Jh. |

Aquädukt in der Rua Mata Cavalos - LapaBögen |
Die Expedition zur Erkundung der Küste hatte in der
Gegend keine Edelmetalle entdeckt, und da Lissabon immer mehr mit
der Osterweiterung seines Reiches zu tun hatte, bestand bald kein
Interesse mehr an der brasilianischen Küste. Portugals Feinde,
besonders Frankreich, zogen rasch Vorteil aus der Nachlässigkeit. In
französischen Häfen wurden Korsaren für Expeditionen angeheuert, die
mit den Indios Handel treiben sollten, vor allem mit dem kostbaren
roten Holz, das als "Brasilholz - Pau-brasil" bekannt war, und um
entlang der Küste, besonders aber in Rio selbst, Siedlungen
anzulegen. So hatten die Franzosen denn bereits um 1550 mehrere
Inseln in der Guanabara-Bucht in Besitz genommen - ihre Siedlungen
sollten später als "Französisch-Antarktis" bezeichnet werden. Diese
Unternehmung stand unter dem Kommando des Draufgängers und
Abenteurers Nicholas de Villegaignon, der mit dem Versprechen, die
Kolonie würde zu einem sicheren Zufluchtsort für Hugenotten und
andere Protestanten werden, sogar die Unterstützung Johannes Calvins
hatte gewinnen können. Aber Villegaignon hielt der Herausforderung
nicht stand. Als Siedler war er nicht sehr geschickt, und sein
Versprechen, für religiöse Toleranz zu sorgen, brach er bald.
Als diese Nachricht Europa erreichte, verlor er die Unterstützung
der Kirche, wodurch eine stärkere Einwanderung französischer und
schweizer Siedler nach Rio verhindert wurde. Zu dieser Zeit wurde
sich die portugiesische Krone der französischen Gefahr bewusst. Der
König, Dom João, stellte die Kolonie unter eine stärkere königliche
Kontrolle, indem er einen Generalgouverneur ernannte. Ein
umfangreiches Kontingent von Soldaten unter Führung des
Generalgouverneurs persönlich wurde nach Rio gesandt. Der Befehl
lautete, den Hafen zu blockieren und die französischen Eindringlinge
zum Aufgeben zu zwingen. Danach sollte die Stadt São Sebastião do
Rio de Janeiro gegründet werden. Die Portugiesen schlugen die
Franzosen, unterschätzten jedoch deren Fähigkeit, ihre scheinbare
Niederlage in einen strategischen Rückzug zu verwandeln. Bald hatten
die Franzosen ihre Positionen zurückerobert und zwei Festungen
errichtet: eine auf der grössten Insel in der Guanabara-Bucht, der
heutigen Ilha do Governador, dort, wo der Internationale Flughafen
von Rio liegt. Die Lage der anderen Festung hatten die Franzosen
sorgfältig gewählt: Sie durchstreiften das Küstengebirge, das die
Südzone von Rio mit Copacabana und Ipanema vom Zentrum und der
Nordzone trennt und entschieden sich für einen Hügel, der einen
wunderbaren Blick auf die Bucht und die Küstenlandschaft,
einschliesslich der Gegend des heutigen Flamengo-Parks, bot.
Jahrhunderte später wurde dort eine Kirche gebaut, die Igreja Nossa
Senhora da Glória do Outeiro. Die Portugiesen ihrerseits ersannen
daraufhin einen Plan, der den Franzosen ein für allemal eine
Niederlage bereiten sollte: Sie würden in Lissabon Verstärkung
anfordern und in der Zwischenzeit eine Festung errichten, von der
auf sie die Bucht und die französischen Stellungen überwachen
könnten. Dafür wählten sie ein Stück Küste zwischen dem Zuckerhut
dem Morro Cara de Cão, dem Hügel mit dem Hundegesicht. Die Aufgabe,
dieses Gebiet zu schützen, wurde dem Neffen des Generalgouverneurs,
Hauptmann Estácio de Sá, übertragen. Am 1.März 1565 legte er dem
König von Portugal, Dom Sebastião, zu Ehren den Grundstein für die
Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro.
Als die portugiesische Truppenverstärkung endlich eintraf, wurde der
Angriff auf die Franzosen für den 20.Januar 1567, den Tag des
Heiligen Sebastian, angesetzt. Hauptmann Estácio führte die
Bodentruppen, die die Franzosen auf dem Gloria-Hügel angriffen,
während der Generalgouverneur selbst die Seetruppen gegen die
Festung auf der Ilha do Governador führen wollte. So konnten die
Franzosen vertrieben werden. Hauptmann Estácio kam jedoch im dem
harten Gefecht ums Leben. Nachdem es gelungen war, das Gebiet zu
sichern und den Grossteil der Tamoyo-Indios zu unterwerfen, die die
Franzosen unterstützt hatten, beschloss der Generalgouverneur, die
Stadt an einen sichereren Ort etwas mehr im Landesinneren zu
verlegen, würde sie doch am Fusse des Zuckerhuts weiterhin den
Gefahren eines Angriffs von See ausgesetzt bleiben. Der neue Ort war
ein Hügel etwa 4km weiter landeinwärts, genau gegenüber der Insel,
auf der Villegaignon eine kleine Festung angelegt hatte, und nur 2km
vom heutigen Inlandsflughafen von Rio, dem Flughafen Santos Dumont,
entfernt. Dort wurde eine Burg errichtet, weshalb der Hügel den
Nahmen Morro do Castelo - Burghügel - erhielt. Von dieser Stelle aus
sollte die Stadt Rio wachsen, und obwohl der Hügel Jahrhunderte
später eingeebnet wurde, um Platz für die weitere Ausdehnung der
Stadt zu schaffen, trägt dieser Teil des Zentrums von Rio bis heute
seinen ursprünglichen Namen: Castelo. Mit der Zeit erhielt der Morro
do Castelo das Aussehen einer mittelalterlichen Zitadelle mit ihren
gleichmässigen Formen. Die ersten Bauten waren Häuser für örtliche
Würdenträger, eine Kirche, eine Festung und eine Schule der
Jesuiten-Mönche. Den Hügel erreichte man über drei steile Strassen.
Eine von ihnen, die Rua Direita, die Rechte Strasse, sollte später
im kolonialen Rio zu einer Hauptstrasse werden. Sie schlängelte sich
den Hügel hinunter und endete auf einem Stück Land, wo sich der
erste öffentliche Platz von Rio, die Praça 15 de Novembro, befand.
In dem Masse, wie die Stadt sich auf die benachbarten Hügel
ausdehnte, wurden das Uferdickicht und die Sümpfe ringsumher urbar
gemacht, und die Behörden förderten die Gründung von Siedlungen in
diesen Gebieten.
Inzwischen hatte die portugiesische Krone den Siedlern, Sesmarias,
riesige Stücke Land zugewiesen, um den Anbau von Zuckerrohr und den
Bau von Zuckermühlen, den Engenhos, zu fördern. Die ganze
Kolonialzeit über brachte das Zuckerrohr der portugiesischen Krone
unvergleichlich mehr Einnahmen als das Gold. Der Grossteil dieser
Flächen lag auf den fruchtbaren Böden in der Nord- und der Westzone
von Rio. Viele Stadtteile der Nordzone tragen bis auf den heutigen
Tag den Namen des ursprünglichen Engenhos, darunter Engenho de
Dentro und Engehnho Novo. Diese Pflanzungen nutzten die
Sklavenarbeit von Indios und Afrikanern und wurden so zu einer der
wichtigsten Quellen der afrobrasilianischen Kultur. Rios Ausdehnung
in die Südzone begann mit dem Bau von Strassen und Wegen entlang der
Guanabara-Bucht und der Buchten von Glória, Flamengo und Botafogo,
in einer Gegend also, die damals Quinta São Clemente genannt wurde.
Von dort aus führte der São-Clemente-Pfad bis zum Fluss des
Corcovado-Hügels, auf dem später die Christus-Statue errichtet
werden sollte. Dort bog der sandige Weg nach links ab, führte um
einen riesigen See, die heutige Lagoa Rodrigo de Freitas, und
erstreckte sich dann entlang der zweiten Meeresbucht von Rio, der
Bucht von Ipanema. Dieser Stadtteil sollte Jahrhunderte später als
Geburtsort der Bossa-Nova-Musik und des berühmten Liedes "Garota de
Ipanema - Mädchen von Ipanema" von Tom Jobim und Vinicius de Morais
Weltruf erlangen.
Entwicklung
Der Beginn des 18.Jh. war durch zwei Versuche der Franzosen
gekennzeichnet, die Stadt anzugreifen und zu plündern. Doch diesmal
waren die Portugiesen wachsam und schlugen die Eindringlinge zurück.
Rio hatte zu diesem Zeitpunkt wieder die Aufmerksamkeit der
portugiesischen Krone auf sich gezogen, waren doch im benachbarten
Bundesstaat Minas Gerais, der nicht an der Atlantikküste, sondern im
Landesinneren liegt, Goldvorkommen entdeckt worden. Da der Hafen von
Rio der nächstgelegene war, wurde die Stadt also erneut zum
Anlaufpunkt für Expeditionen.
Um
das Jahr 1750 herum war ein Grossteil der Infrastruktur völlig oder
beinahe fertiggestellt. Der Zuckerhandel war die Triebkraft, die die
Ausdehnung der Stadt landeinwärts, nach Norden, Westen und Süden
hin, beschleunigte. So wurden Strassen gepflastert oder neu gebaut
und Befestigungsanlagen verbessert, und ein neu angelegter Kanal
brachte von nun an das kristallklare Wasser vom Rio Carioca zu einem
öffentlichen Springbrunnen auf der Praça Carioca im Zentrum von Rio.
Das Aquädukt von Rio, die über eine bogenförmige Brücke geführte
Wasserleitung - auch Lapa-Bögen genannt -, war das erste grössere
Werk der Ingenieure in der Stadt. Ab Ende des 18.Jh. diente es als
Strassenbrücke und gleichzeitig als Gleisbett für die
Strassenbahnwagen der Linie vom Zentrum nach Santa Teresa.
1807 beschloss Napoleon, Portugal, einen traditionellen Verbündeten
Grossbritanniens, zu besetzen, um damit seine Blockade gegen England
zu verschärfen. Der König von Portugal, Dom João VI., erkannte
rasch, dass jeder Widerstand zwecklos sein würde. Deshalb beschloss
er, unter dem Schutz der britischen Flotte mit seinem Hof und der
königlichen Familie nach Brasilien zu fliehen, wo er 1808 in Rio
ankam. Sieben Jahre später ernannte er die Stadt zur Hauptstadt des
Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und der Algarve. So
wurde Rio in der ganzen Geschichte der Menschheit zur einzigen Stadt
in einer Kolonie, die Sitz der Regierung des Mutterlands war. Dom
João VI. öffnete ausserdem die brasilianischen Häfen für den
Aussenhandel und schloss Brasilien somit dem Weltmarkt an. Das
tropische Klima von Rio lag ihm jedoch nicht sehr, weswegen er bald
nach Portugal zurückging und seinen Sohn Pedro in Brasilien als
Stadthalter zurückliess. 1822 erklärte Dom Pedro Brasiliens
Unabhängigkeit, und Rio wurde zur Hauptstadt des Reiches.
Im 19.Jh. beschleunigte sich die Entwicklung der Stadt besonders dank
Investitionen in das öffentliche Verkehrswesen: Pferdestrassenbahnen
wurden eingeführt - und wohin diese Bahnen kamen, folgten sehr bald
der Fortschritt und der Wohlstand. Von Mitte des 19.Jh. bis ins Jahr
1889, als die Monarchie gestürzt wurde, legten die Veränderungen in
der Politik und die Verbesserung der Lebensbedingungen in Rio die
Grundlagen für die Entstehung einer modernen Grossstadt im
darauffolgenden Jahrhundert: Die Gasbeleuchtung, die neuen
Abwasseranlagen, die erste Eisenbahnstation "Central do Brasil",
Telegraphen und die zehn Jahre dauernde Wiederaufforstung des
Tijuca-Waldes sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Damals kam es
auch zu einer sprunghaften Entwicklung im Bauwesen: Eine
grosse Zahl von Privathäusern, öffentlichen Gebäuden, Klostern und
Kirchen wurde in dieser Zeit errichtet.
Rio - Hauptstadt der Republik von 1889 - 1960
Mit dem Sturz der Monarchie 1889 wurde Rio zur Bundeshauptstadt. Der
Übergang zum republikanischen System war jedoch erst im Jahre 1930
endgültig vollzogen. In diesen 41 Jahren bereitete Rio sich selbst
auf das 20.Jh. und die mit ihm entstandenen neuen Bedürfnisse vor,
die sich aus den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen
Veränderungen ergaben. Im Jahr 1902 lancierte der Bürgermeister von
Rio, Pereira Passos, einen hochgesteckten Plan zur Umgestaltung der
Stadt. Dieser sah vor allem die Neuanlage mehrer Alleen nach dem
Vorbild der Pariser Boulevards vor. Die wichtigste urbanistische
Veränderung bestand in der Schaffung der Avenida Central, die den
Passeio Público, einen Park an der Südspitze des Zentrums, mit dem
neuen Hafen an der Praça Mauá an dessen Nordseite verband. Dieser
Boulevard, später in Avenida Rio Branco umbenannt, durchquerte das
Zentrum von Rio und wurde dadurch zum kulturellen, politischen und
wirtschaftlichen Brennpunkt der Stadt. Die Nationale Schule der
Schönen Künste und die Nationalbibliothek wurden später dort
errichtet. 1909 wurde ganz in der Nähe das Theatro Municipal, eine
beinahe vollkommene Nachbildung des Pariser Opernhauses, eingeweiht.
Entlang der Strandpromenade der Guanabara-Bucht wurden weitere
Alleen angelegt; und auch das Projekt für den Bau der Avenida
Atlântica entlang dem Strand von Copacabana stammt aus der
Regierungszeit von Bürgermeister Pereira Passos.
Mehr Raum für Kultur
1906 bot Rio das Bild einer modernen Stadt. Die meisten Gebäude im
Kolonialstil waren im Namen der Modernisierung abgerissen
worden. Der neue Architekturstil war eklektisch. In dieser Zeit
zeigte sich die Stadt sauber, wunderschön und gut organisiert.
Infolgedessen kamen mehr Menschen auf die Strassen. In der Kolonial-
und der Kaiserzeit waren die meisten Cariocas nämlich lieber zu
Hause geblieben und hatten das Leben auf den Strassen vom Fenster
aus beobachtet. Nunmehr kamen sie heraus, um selbst daran
teilzuhaben. Als Hauptstadt des Landes war Rio auch das Eingangstor
für alles Moderne: Die Musik, der Tanz und die Mode kamen über Rio
ins Land. Die Stadt war nicht nur politisch und wirtschaftlich
gesehen die Hauptstadt des Landes - sie war es auch in kultureller
Hinsicht.
Der eklektische Architekturstil war gemeinsam mit dem Art-Nouveau-Stil
und dem Neoklassizismus bis in die 20er Jahre vorherrschend. Der
Art-Nouveau-Stil inspirierte sich an Formen und Motiven aus der
Natur. Als typisch städtische Erscheinung versuchte dieser Stil, auf
allen Gebieten das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden: in der
Architektur, bei Haushaltsgeräten, in städtischen Einrichtungen, in
der Dekoration und der Bildenden Kunst. Rio besitzt zahlreiche
Belege für diesen Trend, darunter die Konditorei Colombo und das
Restaurant Albamar. Die 20er und 30er Jahre brachten weltweit eine
Welle von geistiger und künstlerischer Kreativität mit sich - eine
wahre kulturelle Revolution! 1922 war Rio Gastgeber einer
internationalen Ausstellung anlässlich der 100 Jahresfeier der
brasilianischen Unabhängigkeit. Bei dieser Gelegenheit wurde der
Morro do Castelo, der eigentliche Geburtsort von Rio, abgetragen, um
neuen Gebäuden und Strassen im Zentrum Platz zu machen. Das Wachstum
der Stadt in die Höhe war in vollem Gange, und die ersten Hochhäuser
mit 20 Stockwerken wurden gebaut. In der Südzone, die inzwischen zu
einem Wohnviertel mit vielen Einfamilienhäusern geworden war,
entstanden die ersten Hotels, darunter das Hotel Glória.
Der Karneval ist geboren
Die Kunstszene in dieser Zeit des Überschäumens künstlerischer
Kreativität stellte auch den Beginn einer Ausdrucksform der
Volkskunst dar, die heute als Karneval bekannt ist. Die ersten
Tonaufnahmen von Sambamusik stammen aus dem Jahr 1917. Die heutige
Sambaschule Protela, damals noch eine Gruppe von Menschen, die
einfach auf den Strassen tanzten und sangen, zeigt sich 1923 zum
ersten Mal, die Mangueira 1928, und die erste Gruppe die sich selbst
als Sambaschule bezeichnete, 1929. 1926 fanden Intellektuelle und
Volkskünstler zueinander - Brasilien begann, Brasilien zu entdecken.
1922 verursachte die Woche der Modernen Kunst eine landesweite
Diskussion zu diesem Thema. In der Zeit von 1920 bis 1945 war
Portinari die herausragende Persönlichkeit in der Kunst. Zu den
Vorreitern des Modernismus gehörten der Maler Di Cavalcanti, der
Bildhauer Vitor Brecheret sowie Tarsila do Amaral, Oswald Goeldi und
Vicente do Rego Monteiro.
Christus segnet die Stadt
1930 kam Getulio Vargas an die Macht und leitete eine Revolution gegen
die Vormachtstellung der Landoligarchie ein. Dazu stimulierte die
Regierung Vargas die Industrieproduktion. Das Wachstum dieses
Sektors und die neue Arbeitsgesetzgebung, die den Arbeitern mehr
Schutz bot, führte dazu, dass viele Menschen aus dem Landesinneren
in die grossen Städte kamen. In dieser Zeit wurden die
Einfamilienhäuser in der Südzone von Rio durch Wohnhochhäuser
ersetzt. In den 30er Jahren kam es so zur Herausbildung einer neuen
Sozialstruktur: Die Stadt und die Industrie bilden eine neue soziale
Landschaft. In dieser Zeit wird auch eine Sehenswürdigkeit
errichtet, die Rio weltberühmt machen sollte - die Statue von
Christus dem Erlöser.
Ein neuer Körper für die unsterbliche Seele von Rio
Der Einfluss des autoritären Staates zeigte sich in breiten Strassen
und grossartigen Behördengebäuden, die auf der Grundlage von Plänen
des Architekten Alfred Agache errichtet wurden. Da die Stadt
Hauptstadt war, gab es hier immer eine grosse Anzahl von Diplomaten
und Politikern sowie viele Paraden und Demonstrationen anlässlich
von Feiertagen wie dem Nationalfeiertag, dem Jahrestag der
Unabhängigkeit Brasiliens, des Geburtstags von Getulio Vargas oder
zum 1.Mai. Diese Paraden wurden in der 1937 verbreiterten
Av.Presidente Vargas abgehalten. In den 40er Jahren war Copacabana
mit seinen Gebäuden im Stil der Art deco gleichbedeutend mit
Raffinesse. Das Museum für Moderne Kunst und das Gebäude des
Erziehungsministeriums mit Fliesenwandbildern von Portinari,
Plastiken von Bruno Giorgi, Gemälden von Pancetti und Gartenanlagen
von Burle Marx stammen aus dieser Zeit. 1935 erarbeiteten die
Architekten Oscar Niemeyer, Lucio Costa und Affonso Reidy u.a. auf
der Grundlage von Le Corbusiers Prinzipien das Projekt für den
Gustavo-Capanema-Palast. Mitte der 30er Jahre, im
Industriezeitalter, wächst die Stadt nach oben. Moderne Gebäude sind
vorherrschend. 1950 wird nach einem Projekt des Architekten Eduardo
Reidy auf einer Erdaufschüttung an der Ufermarginale der
Flamengo-Park angelegt, der Raum für die in die Südzone führenden
Stadtautobahnen schaffen soll. Damit entsteht auch ein wichtiger
Freizeitkomplex, dessen Gartenanlagen von Burle Marx gestaltet
wurden. Ende der 50er Jahre wird das Denkmal für die im 2.Weltkrieg
gefallenen Soldaten eingeweiht. Die drei Teilstreitkräfte sind dort
mit Granitskulpturen von Alfredo Ceschiatti dargestellt. Das Museum
für Moderne Kunst, ebenfalls nach einem Projekt des Architekten
Reidy gebaut, öffnet 1954 seine Türen.
Rio - Gestern, heute, immer ... unvergleichlich!
Als die Hauptstadt nach
Brasília verlegt wurde, verlor Rio keinesfalls seinen
Glanz. Es ist weiterhin das Zentrum, in dem Kunst und Kultur
zusammentreffen. Es ich auch heute einfach noch unvergleichlich!!
Auszug aus dem Buch von "RIOTUR" - Copyright © Prefeitura do Rio
Secretaria especial de Turismo. |
|
|