|
Die
Stadt Belém, übersetzt "Bethlehem", entstand mit der alten
Festung Forte do Castello. Die Portugiesen bauten sie 1616, nachdem
die Franzosen vier Jahre zuvor in São Luis einen militärischen Stützpunkt
errichtet hatten. Beide Länder wollten sich ein Stück der neuen Kolonie
Brasiliens sichern, wobei Belém auch spanischen Interessen diente,
da es die Amazonasmündung, einen möglichen Zugang zum spanischen Goldland
Peru, kontrollierte.
Die Erfindung der Vulkanisierung des Kautschuks
durch Charles Goodyear 1842 führte zum Kautschukboom im gesamten Amazonasgebiet.
So konnten es sich die Gummibarone in Iquitos,
Manaus und Belém leisten, ihre Kinder auf europäische Schulen,
ihre Wäsche zur Reinigung nach Frankreich oder England zu schicken
und von dort alle erdenklichen Luxusgüter zu importieren. Obwohl bei
Todesstrafe verboten, gelang es dem Engländer Henry Wickham 1876,
70.000 Saatkörner ausser Landes zu schmuggeln und im Botanischen Garten
der Königin von England einzupflanzen. Genau 2.397 Samenkapseln gingen
auf, und in den äquatornahen asiatischen Kolonien wurden versuchsweise
Gummibäumchen gepflanzt - mit Erfolg!
Um 1910 hatte Belém 100.000 Einwohner, war der Hauptausfuhrhafen des
Rohgummis und profitierte, wie das konkurrierende Manaus, vom Kautschuk-Boom.
Sie stellten die Erlöse aus den Gummiexporten 39% der nationalen Gesamteinnahmen
dar. Die Stadt Belém verfügte über Elektrizität, Telefone, Strassenbahnen
und hatte, in der tropischen Hitze, eine deutlich europäische Atmosphäre.
Der Gummiboom verhalf zu den nötigen finanziellen Mitteln für die
Errichtung der wenigen und schönen Denkmäler der Stadt, wie das Teatro
da Paz und den Palácio Antônio Lemos. Viele historische Belle-Èpoque-Bauwerke
erinnern noch heute an die Blütezeit Beléms.
Zahlreiche Siedler sind erst in den letzten 30 Jahren aus dem verarmten
Nordosten Brasiliens zugewandert. Weder der fortschreitende Verfall
Beléms noch die allgemeine Verarmung in ganz Brasilien konnte der
sprichwörtlichen Lebenslust, dem grenzenlosen Optimismus und der unglaublich
grossen Freundlichkeit der Einwohner Parás etwas anhaben. |
|
















 |