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Das Traditionsbewusstsein der Mineiros geht zum
Grossteil auf die Isolation des Staates während der Kolonialzeit
zurück. Minas Gerais entstand erst 1698 mit dem Beginn des
Goldrauschs. Die Abgeschiedenheit war so gross, dass die Mineiros
eine eigene Landwirtschaft und Heimindustrie aufbauten. Diese
Flexibilität ist es, die die Mineiros von anderen Brasilianern
unterscheidet, und sie machte sie auch zu Befürwortern der
Demokratie. In Minas gab es kaum abwesende Landbesitzer; sie
arbeiteten, anders als die adligen Herren im übrigen Brasilien,
Seite an Seite mit ihren Sklaven.
Mitte des 17.Jh. verliert Brasilien sein Zuckermonopol an die
Holländer und Franzosen, die auf ihren Plantagen in der Karibik mehr
und billigeren Zucker produzieren. Doch in Brasilien folgt ein neuer
Boom der Zeit des Zuckers. Kurz vor 1700 stösst ein Trupp von
Sklavenjägern, sogenannten
Bandeirantes,
400km nördlich von Rio in einem Fluss auf das Metall um das die
Portugiesen die Spanier immer beneidet haben: Gold. Mord und
Totschlag, Aufstände, Republiken entflohener Sklaven, verlassene
Zuckerrohrplantagen, Hungersnöte: Die Gier nach dem Gold, die
Hoffnung auf schnellen Reichtum führen zu einer Völkerwanderung ins
Gebiet der "Allgemeinen Minen", dem heutigen Bundesstaat Minas
Gerais. Im 18.Jh. war das Gold von Minas Gerais ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor. Von 1700 bis 1820 wurden etwa 1.200t gefördert.
Der Reichtum war so gross, dass ein Reisender schrieb: "Im Zentrum
des goldenen Hurrikans war Tollheit; Goldsucher und Händler
kleideten ihre Sklaven in Gold und überhäuften sie mit Diamanten.
Sie schmückten ihre Häuser mit Spitze und Silber und ihre Gattinnen
mit Juwelen".
Für die Sklaven war es die beste Möglichkeit, sich die Freiheit zu
erkaufen. Das berühmteste Beispiel war
Chico Rei, der sich und seiner Gefährten durch Goldstaub
seine Freiheit erkaufte. Der Goldrausch in Minas wirkte sich auch im
Ausland aus. Lissabon wurde mit Goldmünzen überflutet, die in Ouro
Preto geprägt waren. Anstatt ihren Reichtum jedoch langfristig zu
investieren, verplemperten die Könige ihr Vermögen für aufwendige
"Verbesserungen". Als sich dann 1728 Brasiliens Goldrausch auf das
Diamantenfieber verlagerte, war Portugal klüger geworden. Die
Tijuco-Diamantenminen wurden für Schürfer geschlossen. Man ernannte
einen Gouverneur und schickte eine Garnison zu seiner Unterstützung.
Das Vorhaben misslang jedoch, denn Gouverneure wie João Fernandes
trieben Schmuggel, und so brachten Diamanten für kurze Zeit erneuten
Reichtum mit sich.
Obwohl eine ganz junge Gründung, gilt Belo Horizonte heute als
drittgrösste Metropole Brasiliens. Erst 1897 begann die Geschichte
der Stadt, als Ouro Preto, zuvor Hauptstadt des Bundesstaates,
umgeben von Bergen, keine Ausbreitungsmöglichkeiten mehr bot. Die
Anlage Belo Horizontes wurde am grünen Tisch eines Architekturbüros
geplant, inspiriert vom Stadtbild Washingtons. Die Planung
beschränkt sich aber auf die Innenstadt; Umgebung und Vororte
wachsen im Gegensatz dazu fast anarchisch weiter, gemäss den
Erfordernissen einer stürmischen Entwicklung. Belo Horizonte hat
sein Wachstum nicht zu kontrollieren vermocht und schlägt sich nun
mit einer überdurchschnittlich hohen Umweltverschmutzung herum.
Heute leben etwa drei Millionen Mineiros hier. |
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