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"Ein Land ohne Menschen für Menschen ohne Land". So
beschrieb Präsident Emílio Gorrastazu Medici in den frühen 70er
Jahren das unzivilisierte, wilde Grenzgebiet im Westen Brasiliens,
wo Landarbeiter lebten, die aus dem übervölkerten Süden zugezogen
waren. Dies war niemals ein Land ohne Menschen. Die ersten
Bandeirantes (Pioniere), die sich auf der Suche nach Gold
ihren Weg flussaufwärts nach Cuiabá, der Hauptstadt Mato Grosso,
erzwangen, entdeckten in den 20er Jahren des 18.Jh. einen Dschungel,
bewohnt von Indianerstämmen. Cuiabá war die erste Siedlung im
Westen, die 1719 von Sklavenjägern aus São Paulo gegründet wurde,
die auf Gold- und Diamantenlager stiessen. Der Ansturm von
Goldsuchern machte Cuiabá zur drittwichtigsten Stadt Brasiliens
während der Kolonialzeit. 100 Jahre zuvor schon war sie als
Hauptlieferant von exotischen Vogelfedern an Pariser Hutmacher zu
Ansehen gekommen.
1890 unternahm Cândido Mariano da Silva Rondon eine militärische
Aktion, um Cuiabá telegraphisch mit der Küste zu verbinden; eine
Herkulesarbeit, die das Ziel hatte, das Bewusstsein der Bevölkerung
für den Dschungel und seine Indianerstämme aufzurütteln. 1907 gab
sein Einverständnis, Cuiabá mit Porto Velho, der Hauptstadt
Rondônias, zu verbinden, indem man in nördlicher Richtung
quer durch nicht kartographiertes Indianergebiet stossen wollte. Es
wurde jedoch die Bedingung gestellt, dass Rondons Männer während des
achtjährigen Einsatzes eine Untersuchung über Ethnographie, Tier-
und Pflanzenwelt durchführen sollten. Der von Indianerpfeilen
durchlöcherte Sattel Rondons ist als Beweis für ersten Kontakt mit
den Indianern übrig geblieben. Sein Idealismus trug den Sieg über
feindselige Indianerstämme und blutrünstige weisse Waldläufer davon.
Rondons Ansehen, das er später erwarb, als er den ehemaligen
amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt auf einer
Amazonasexpedition begleitete, ermöglichte es ihm, 1910 den ersten
Indianerschutzservice zu gründen.
Im Bundesstaat Mato Grosso liegt das 1961 gegründete Reservat Parque
Indígena do Xingu, ein 22.000km² grosses Territorium. Hier leben 16
Indianerstämme, die vier verschiedene Sprachen sprechen und in den
vergangenen Jahrhunderten aus anderen Landesteilen auf der Flucht
vor Siedlern einwanderten oder wie die Kren-Akrore zwangsweise
hierher umgesiedelt wurden. Bis zur Erschliessung der Region durch
Strassen (ab 1970), waren die
Ureinwohner hier durch Stromschnellen vor Eindringlingen
geschützt. Zwei Brasilianer, Geschäftsleute, haben sich besondere
Verdienste um die ethnischen Minderheiten am Xingu-Fluss erworben.
Die Brüder Villas-Bôas betrieben von 1946 bis 1973 einen
Verwaltungs- und Handelsposten am Alto-Xingu, der sicherlich viel
zum Frieden in der Gegend beigetragen hat. Ihnen verdanken die
Völker das weitgehend intakte Reservat. Die Xingu-Völker haben sich
in die neue Zeit integriert, ohne ihre kulturelle Identität
aufzugeben. Ende des 19.Jh. siedelten etwa 3.000 Menschen in dem
Gebiet. Bis zur Mitte des 20.Jh. ging ihre Zahl durch Grippe-,
Masern- und Malaria-Epidemien auf unter 1.000 zurück; nun schätzen
die Xinguanos selbst die Reservatsbewohner auf über 3.500 Personen,
die Hälfte davon jünger als 15 Jahre.
Zusammen mit dem im Norden angrenzenden Bundesstaat
Goiás sind
Mato Grosso und Mato Grosso do Sul heute Brasiliens
Rinder- und Sojastaaten. |
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