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Im Jahre 1612 entstand in Maranhão, im Auftrag von
König Louis XIII., die einzige französische Provinzhauptstadt
Brasiliens, São Luis. Doch schon 1615 übernahmen die Portugiesen das
Fort und blieben fortan, von einem holländischen Intermezzo zwischen
1641 und 1644 abgesehen, die eigentlichen Machthaber. Eine
kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit erlebte die Stadt im 18.
und 19.Jh.: Zuckerexport und Wollhandel florierten und liessen um
1850 das sogenannte "Athen Brasiliens" nach
Rio,
Salvador und
Recife zur viertreichsten Stadt des Landes werden. Mit
dem Verbot der Sklaverei im Jahre 1888 begann jedoch eine Phase
wirtschaftlicher Niedergangs, von der sich der heute fast ärmste
Bundesstaat Brasiliens nie wieder erholt hat.
Heute zählt São Luis etwa 700.000 Einwohner. An den Kais haben
sowohl betagte Personenfähren als auch eine moderne Aerobarco-Fähre
nach Alcântara ihre Anlegestellen. Die Schiffsverbindung erleichtert
den Tagesausflug zu dem im 17.Jh. auf dem gegenüberliegenden
Festland erbauten Kolonialstädtchen. Alcântara diente Aristokraten
und reichen portugiesischen Grundbesitzern als Wohnsitz. In der
Folge des wirtschaftlichen Niedergangs, verliessen die Bewohner ihre
schönen Sobradoes, um in die "neureichen" Machtzentren zu ziehen. In
dem vom Verfall gekennzeichneten Ort wurde erst 1988 elektrisches
Licht installiert, als der brasilianische Staat hier eine
Raketenabschussbasis zu errichten begann.
Alcântara zählt gegenwärtig nur noch viertausend Einwohner. Die
Stadt diente eine Zeitlang als Strafkolonie. Ehemalige Gefangene
haben sich später dann häuslich niedergelassen. In der zweiten
Junihälfte steht ganz Maranhão und besonders São Luis im Zeichen der
heiteren São-João-Feiern. Dann zieht eine ausgelassene Menschenmenge
trommelnd, singend und tanzend durch die Altstadt und vergnügt sich
mit dem beliebten Volksspiel
Bumba-meu-boi.
Der Stier, der "Boi Estrela", wird von einem Tänzer dargestellt, der
unter einem mit bunten Glasperlen und Pailletten verzierten
Pappmaschee-Kostüm steckt. Als Symbol für Reichtum sieht er sich
verschiedenen Gefährdungen ausgesetzt, die possenhaft-derb
inszeniert werden. |
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