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Geschichte des Bundesstaates Amazonas

   
     

Abenteurer auf der Suche nach dem El Dorado - 16.Jh.Wie viele Indianer zur Zeit der Ankunft der Portugiesen in Brasilien lebten wird unterschiedlich geschätzt: eine Million bis zehn Millionen, vielleicht auch mehr. Die brasilianischen Indianer bauten keine Kultstätten oder Steinstädte, aus denen sich ihre Zahl oder Geschichte ableiten liesse. Sie hatten vermutlich einen niedrigeren materiellen Lebensstandard und eine hoch entwickelte religiöse und soziale Kultur. Sie suchten und häuften kein Gold und keine Edelsteine, sie lebten in und von der Natur, verstanden es, deren Reichtum und mystisch-religiöse Kraft zu nutzen.

Abenteurer des 16.Jh. wie Francisco de Orellana, der erste Europäer, der das ganze Amazonasbecken durchquerte, waren weniger an nationalem Ruhm oder der Seelenbekehrung als am Gold von El Dorado interessiert. Orellana fand kein Gold, dafür aber einen matriarchalischen Kleinstaat inmitten des Dschungels, der von Indianerfrauen angeführt wurde. Die Amazonen. Die Kunde von kriegerischen Frauenstämmen östlich der Anden war schon im Inkareich verbreitet. Von deren Existenz hatten auch die Spanier weiter flussauf ehrfürchtig erzählen hören. Carvajal, der nüchterne Reporter, hielt die mysteriösen Wesen zunächst für die Bewohner eines Gebiets, das die Indianer "Amacunu" nannten: einen Begriff für Wasser-Wolken-Lärm - vermutlich ein grosser Stromkatarakt. Die schwelgerische Schilderung seiner Begegnung mit den Amazonen, notiert Carvajal, wurde Orellanas Nachruhm als Entdecker des grössten Stroms der Erde zum Verhängnis. Zwar hielt sich, zu Ehren des Erstbefahrers, unter den Zeitgenossen für eine Weile die Bezeichnung "Río Orellana". Doch sie wurde nach und nach von dem viel eindrucksvolleren Begriff "Rio Amazonas" verdrängt und schliesslich vergessen - wie ihr Urheber. Der Amazonasbezwinger selbst starb im November 1546 auf einer namenlosen Fussinsel - Todestag und Todesursache ungewiss.

Die Eroberer kolonisierten zu Beginn die Küste und bauten dort Zuckerrohr an. Dazu ermordeten, versklavten und vertrieben sie meist Indianer der Tupi-Guaraní-Stämme. Diese von den Azteken abstammenden Indianer lebten vom Amazonastal im Norden die gesamte Küste entlang bis in den Süden auf dem Gebiet des heutigen Paraguay. Einige Stämme konnten von der zum Feindesland gewordenen Küste ins Landesinnere fliehen und mischten sich mit den Indianern der Gê-Sprachgruppe. Bandeirantes, die das Landesinnere auf der Suche nach Gold und Indianern durchstreiften, verbreiteten Ruhr, Grippe und später Pocken und Pest. Dem Tod durch Krankheit oder Mord begegneten die Indianer bei jedem wirtschaftlichen Boom in der Kolonie. Sie starben, als im Nordosten der Urwald für den Zuckerrohranbau abgerannt wurde, als in Minas Gerais Gold gefunden wurde, als im Südosten Kaffee und - viel später - im Norden Kautschuk angebaut wurde. Im Nichterschlossenen Landesinnern lebten sie bis Anfang dieses Jahrhunderts weitgehend ungestört. Die Meldung von Goldfunden im nördlichsten Bundesstaat Roraima haben seit 1987 eine Masseneinwanderung in das Reservat der Yanomami ausgelöst, des grössten Indianerstammes Brasiliens. Heute leben schon rund fünfmal so viele Weisse wie Ureinwohner auf dem Indianergebiet von der Grösse Portugals. Von den zehntausend Yanomamis sind seit der Invasion zweitausend an Hunger und Krankheiten gestorben. Die Regierung Collor in Brasília liess nach internationalen Protesten spektakulär einige Landebahnen der Garimpeiros bombardieren. Der Chef der Funai (Fundaçao Naçional do Indio) gab einen Vorschlag zur Lösung des Yanomani-Problems bekannt: Aus dem durch Verfassung und Gesetz den Yanomami gehörenden Gebiet sollen neunzehn isolierte Kleinreservate gebildet werden; zwischen Goldgräbercamps, Sägewerken, Militärstützpunkten und Missionen!!

 

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