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São Leopoldo
(deutsche Siedlung bei Porto Alegre - Rio Grande do Sul) zählte 1855
bereits 12.000 Einwohner und war dabei, sich weiter auszubreiten. In
Richtung Osten bei dem Ort Torres entstand die Siedlung von Novo
Mundo, heute im Bezirk Taquara. Schon 1840 wurde nordwestlich von
São Leopoldo die Siedlung Montenegro gegründet. Noch 25 Siedlungen
wurden in der Umgebung angelegt, weiter im Westen auch Santa Cruz do
Sul.
Pommern, Sachsen, Sudetendeutsche, Westfalen, Rheinländer und andere
waren unter den neuen Siedlern in Rio Grande do Sul. Die "Kolonie"
Teutônia wurde am Ufer des Taquari-Flusses östlich von
Santa Cruz do Sul angelegt. Weitab am Rande des Serra
Geral-Gerbirges entstand Santo Ângelo, heute Agudo, unter Leitung
von Karl Hermann Freiherr von Kahlden. Noch weiter entfernt wurde in
der Nähe der Stadt Pelotas die "Kolonie" São Lourenço in Rio Grande
do Sul vom Kaufmann Jakob Rheingantz angelegt.
Auch das Land in Santa Catarina wurde ab 1829 von Deutschen
besiedelt. Gegenüber der Insel Florianópolis wurde die Siedlung São
Pedro de Alcântara angelegt. In einem Sinne ist dieser Ort
vielleicht eine der bedeutendsten deutschen Siedlungen überhaupt:
ihm entstammen viele über ihn hinaus angesehene Deutschbrasilianer,
wie Lauro Severiano Müller (1863-1926), der zweimal
Ministerpräsident "Gouverneur" von Santa Catarina und zweimal
Bundesminister und Senator im brasilianischen Kongress war, Philipp
Schmidt, zweimal Ministerpräsidenten von Santa Catarina und Senator,
sowie Raulino Julius Adolf Horn, ebenfalls Ministerpräsident des
Landes, Bürgermeister von Florianópolis und für viele Jahre
Präsident des Parlaments.
Im Nordosten von Santa Catarina, mitten in einem dichten
Urwaldgebiet, finden wir die Glanzleistung der deutschen
Kolonisierung. In einem Dreieck von nicht mehr als 100km entstanden
drei bis heute bedeutende Städte:
Blumenau (1850), Joinville (1851) und Brusque (1860)
Die Stadt Blumenau ist um das Jahr 2000 mit ca. 230.000 Einwohnern
eines der grössten brasilianischen Textil- und Informatikzentren.
Sehr bekannt ist die Stadt auch für das alljährliche Oktoberfest.
Die "Wiesn" Brasiliens besuchten im Jahre 1992 bereits mehr als eine
Million Besucher innerhalb von drei Wochen.
Die "Kolonie" Dona Francisca, das heutige Joinville, wurde im Jahre
1851 auf den sumpfigen und landwirtschaftlich ungeeigneten
Ländereien des Prinzen von Joinville vom Hamburger
Kolonisationsverein von 1849 durch Senator Christian Matthias
Schröder gegründet. Dort siedelten sich hauptsächlich bürgerliche
Akademiker, Adelige und Offiziere an, die aus politischen Gründen
aus Deutschland auswanderten. Diese Kolonisten unterschieden sich
von den Bauern und Landarbeitern der anderen Siedlungen. Es
entwickelte sich rasch ein reichhaltiges Gewerbe und ein blühendes
Kulturleben. Die Stadt zählt um das Jahr 2000 ca. 400.000 Einwohner
und gilt als Industriezentrum sowie Ausstellungs- und Kongressstadt.
In Brusque, südöstlich von Blumenau, liessen sich ab 1860
Schleswig-Holsteiner, Pommern und hauptsächlich Badener nieder. Bei
der Gründung gab es 54 deutsche Familien. 1887 waren es bereits
11.000 Einwohner. Um das Jahr 2000 ist Brusque mit ca. 70.000
Einwohnern ein Zentrum für Textilwaren und Konfektion.
Die deutsche Kolonisierung Paraná ist im 19.Jh. auf
Einzeleinwanderung beschränkt und zeigt keine so massive
Siedlertätigkeit wie weiter im Süden. Die einzige deutsche Gründung
war bis zum Jahr 1829 der Ort Rio Negro an der Grenze mit Santa
Catarina, der aber sehr bald seinen deutschen Charakter verlor. Die
Stadt Curitiba, die aus der Siedlung Nossa Senhora da Luz dos
Pinhais von Eleodor Ebano (17.Jh.) hervorging, wurde ab 1830 von
relativ wenigen deutschen Einwanderern besiedelt. Es kamen
hauptsächlich Menschen aus dem Rheinland und von der Mosel dorthin.
Im heutigen Bundesland São Paulo gründeten 17 evangelische Familien
bereits 1829 die "Kolonie" Santo Amaro, während andere 12
katholische Familien die Jesuitenländereien in Itapecerica da Serra
vorzogen, beide Orte in der Nähe der Hauptstadt. Später, 1849, kamen
über 500 deutsche Einwanderer nach Ibicaba in der Nähe der Stadt
Limeira. Andere Siedlungen wurden danach Gegründet: São Lourenço
(1852), Corumbataí (1853), Joaquím (1853) und Santo Antônio (1854).
Die Kolonie Petrópolis wurde im Jahre 1845 von Major Julius
Friedrich Köler (1804-1847) im Orgelgebirge des heutigen
Bundesstaates Rio de Janeiro gegründet. Major Köler wurde als Sohn
eines Lehrers zu Mainz geboren. Bei seinem Austritt aus dem
preussischen Heer war er 1825 bereits Pionieroffizier. Er wurde von
Major von Schäffer für die brasilianische Armee angeworben. Hier
baute er vor allem Strassen und Brücken. Sein grösste Werk ist die
Anlage von Petrópolis, die Kaiser Pedro II. Sommersitz wurde.
Petrópolis war früher das "brasilianische Versailles".
Juiz de Fora im heutigen Bundesstaat Minas Gerais wurde 1850 von
Heinrich Wilhelm Ferdinand Halfeld gegründet. Die Stadt ist als
"Manchester des Südens" wegen ihrer Industrietätigkeit bekannt.
Halfeld stellte grosse Ländereien und auch Teile seines Vermögens
zur Vergrösserung und Verschönerung der Stadt zur Verfügung. Um 1856
wurden in ihrer Nähe zwei weitere deutsche Orte, São Pedro und
Borboleta, angelegt.
Auch im heutigen Bundesstat Espírito Santo haben sich deutsche
Kolonisten niedergelassen. Vom Hunsrück kamen 1846 die ersten
Siedler nach Santa Isabel. Die Lebensbedingungen waren anfangs sehr
hart und besserten sich erst, als sich grössere Gruppen aus Pommern
ansiedelten. Der Ort hat um 2000 ca. 26.000 Einwohner und ist wegen
seines "Sommerfestes" bekannt, bei dem die deutsche Tradition zum
Ausdruck kommt. Dort befindet sich die "Reserva Kautsky" des
bekannten Botanikers Roberto Kautskys, der eine Orchideen- und
Bromeliensammlung von über 100.000 Exemplaren hinterlassen hat. Auch
Santa Leopoldina, 20km nördlich von Santa Isabel, wurde 1856 von
deutschen Siedlern gegründet.
Auszug aus dem Buch: "A História Alemã do Brasil - die deutsche
Geschichte Brasiliens" -
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