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Zweite Einwanderungswelle 1845 - 1859

   
     

São Leopoldo (deutsche Siedlung bei Porto Alegre - Rio Grande do Sul) zählte 1855 bereits 12.000 Einwohner und war dabei, sich weiter auszubreiten. In Richtung Osten bei dem Ort Torres entstand die Siedlung von Novo Mundo, heute im Bezirk Taquara. Schon 1840 wurde nordwestlich von São Leopoldo die Siedlung Montenegro gegründet. Noch 25 Siedlungen wurden in der Umgebung angelegt, weiter im Westen auch Santa Cruz do Sul.
Pommern, Sachsen, Sudetendeutsche, Westfalen, Rheinländer und andere waren unter den neuen Siedlern in Rio Grande do Sul. Die "Kolonie" Teutônia wurde am Ufer des Taquari-Flusses östlich von Santa Cruz do Sul angelegt. Weitab am Rande des Serra Geral-Gerbirges entstand Santo Ângelo, heute Agudo, unter Leitung von Karl Hermann Freiherr von Kahlden. Noch weiter entfernt wurde in der Nähe der Stadt Pelotas die "Kolonie" São Lourenço in Rio Grande do Sul vom Kaufmann Jakob Rheingantz angelegt.

Auch das Land in Santa Catarina wurde ab 1829 von Deutschen besiedelt. Gegenüber der Insel Florianópolis wurde die Siedlung São Pedro de Alcântara angelegt. In einem Sinne ist dieser Ort vielleicht eine der bedeutendsten deutschen Siedlungen überhaupt: ihm entstammen viele über ihn hinaus angesehene Deutschbrasilianer, wie Lauro Severiano Müller (1863-1926), der zweimal Ministerpräsident "Gouverneur" von Santa Catarina und zweimal Bundesminister und Senator im brasilianischen Kongress war, Philipp Schmidt, zweimal Ministerpräsidenten von Santa Catarina und Senator, sowie Raulino Julius Adolf Horn, ebenfalls Ministerpräsident des Landes, Bürgermeister von Florianópolis und für viele Jahre Präsident des Parlaments.

Im Nordosten von Santa Catarina, mitten in einem dichten Urwaldgebiet, finden wir die Glanzleistung der deutschen Kolonisierung. In einem Dreieck von nicht mehr als 100km entstanden drei bis heute bedeutende Städte:
Blumenau (1850), Joinville (1851) und Brusque (1860)
Die Stadt Blumenau ist um das Jahr 2000 mit ca. 230.000 Einwohnern eines der grössten brasilianischen Textil- und Informatikzentren. Sehr bekannt ist die Stadt auch für das alljährliche Oktoberfest. Die "Wiesn" Brasiliens besuchten im Jahre 1992 bereits mehr als eine Million Besucher innerhalb von drei Wochen.
Die "Kolonie" Dona Francisca, das heutige Joinville, wurde im Jahre 1851 auf den sumpfigen und landwirtschaftlich ungeeigneten Ländereien des Prinzen von Joinville vom Hamburger Kolonisationsverein von 1849 durch Senator Christian Matthias Schröder gegründet. Dort siedelten sich hauptsächlich bürgerliche Akademiker, Adelige und Offiziere an, die aus politischen Gründen aus Deutschland auswanderten. Diese Kolonisten unterschieden sich von den Bauern und Landarbeitern der anderen Siedlungen. Es entwickelte sich rasch ein reichhaltiges Gewerbe und ein blühendes Kulturleben. Die Stadt zählt um das Jahr 2000 ca. 400.000 Einwohner und gilt als Industriezentrum sowie Ausstellungs- und Kongressstadt.
In Brusque, südöstlich von Blumenau, liessen sich ab 1860 Schleswig-Holsteiner, Pommern und hauptsächlich Badener nieder. Bei der Gründung gab es 54 deutsche Familien. 1887 waren es bereits 11.000 Einwohner. Um das Jahr 2000 ist Brusque mit ca. 70.000 Einwohnern ein Zentrum für Textilwaren und Konfektion.

Die deutsche Kolonisierung Paraná ist im 19.Jh. auf Einzeleinwanderung beschränkt und zeigt keine so massive Siedlertätigkeit wie weiter im Süden. Die einzige deutsche Gründung war bis zum Jahr 1829 der Ort Rio Negro an der Grenze mit Santa Catarina, der aber sehr bald seinen deutschen Charakter verlor. Die Stadt Curitiba, die aus der Siedlung Nossa Senhora da Luz dos Pinhais von Eleodor Ebano (17.Jh.) hervorging, wurde ab 1830 von relativ wenigen deutschen Einwanderern besiedelt. Es kamen hauptsächlich Menschen aus dem Rheinland und von der Mosel dorthin.

Im heutigen Bundesland São Paulo gründeten 17 evangelische Familien bereits 1829 die "Kolonie" Santo Amaro, während andere 12 katholische Familien die Jesuitenländereien in Itapecerica da Serra vorzogen, beide Orte in der Nähe der Hauptstadt. Später, 1849, kamen über 500 deutsche Einwanderer nach Ibicaba in der Nähe der Stadt Limeira. Andere Siedlungen wurden danach Gegründet: São Lourenço (1852), Corumbataí (1853), Joaquím (1853) und Santo Antônio (1854).

Die Kolonie Petrópolis wurde im Jahre 1845 von Major Julius Friedrich Köler (1804-1847) im Orgelgebirge des heutigen Bundesstaates Rio de Janeiro gegründet. Major Köler wurde als Sohn eines Lehrers zu Mainz geboren. Bei seinem Austritt aus dem preussischen Heer war er 1825 bereits Pionieroffizier. Er wurde von Major von Schäffer für die brasilianische Armee angeworben. Hier baute er vor allem Strassen und Brücken. Sein grösste Werk ist die Anlage von Petrópolis, die Kaiser Pedro II. Sommersitz wurde. Petrópolis war früher das "brasilianische Versailles".
Juiz de Fora im heutigen Bundesstaat Minas Gerais wurde 1850 von Heinrich Wilhelm Ferdinand Halfeld gegründet. Die Stadt ist als "Manchester des Südens" wegen ihrer Industrietätigkeit bekannt. Halfeld stellte grosse Ländereien und auch Teile seines Vermögens zur Vergrösserung und Verschönerung der Stadt zur Verfügung. Um 1856 wurden in ihrer Nähe zwei weitere deutsche Orte, São Pedro und Borboleta, angelegt.

Auch im heutigen Bundesstat Espírito Santo haben sich deutsche Kolonisten niedergelassen. Vom Hunsrück kamen 1846 die ersten Siedler nach Santa Isabel. Die Lebensbedingungen waren anfangs sehr hart und besserten sich erst, als sich grössere Gruppen aus Pommern ansiedelten. Der Ort hat um 2000 ca. 26.000 Einwohner und ist wegen seines "Sommerfestes" bekannt, bei dem die deutsche Tradition zum Ausdruck kommt. Dort befindet sich die "Reserva Kautsky" des bekannten Botanikers Roberto Kautskys, der eine Orchideen- und Bromeliensammlung von über 100.000 Exemplaren hinterlassen hat. Auch Santa Leopoldina, 20km nördlich von Santa Isabel, wurde 1856 von deutschen Siedlern gegründet.


Auszug aus dem Buch: "A História Alemã do Brasil - die deutsche Geschichte Brasiliens" - Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002

 

Übersicht
Zeittafel der Geschichte
Deutsche Einwanderer
Hans Staden
Dr. Blumenau
Aufbau mit Deutschen
Erste Einwanderungswelle
Zweite Einwanderungswelle
Dritte Einwanderungswelle
Handel & Transportwesen
Einwanderer in Joinville
Einfluss der Religionen
Telegraphennetz
Völkerkunde

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