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Völkerkunde

   
     

Der Anteil Deutscher an der Schaffung der Grundlagen der brasilianischen Völkerkunde ist überragend. Von der "Wahrhaftigen Historia..." Hans Stadens über die Erkenntnisse von Georg Markgraf und Wilhelm Pies unter Moritz von Nassau bis zu den Indianerforschungen der Jesuiten und, nach Übersiedlung des Königshauses, aufgrund der sprachlichen und ethnologischen Studien von Georg Wilhelm Freyreiss, Friedrich Sellow, Prinz von Wied sowie Johann Emanuel Pohl und vor allem Karl von Martius ist der deutsche Beitrag deutlich sichtbar. Zur Zeit Kaiser Pedro II. lieferten weitere Deutsche neue Forschungsbeiträge: Robert Hermann Schomburgk, Franz Keller-Leuzinger, Gustav Ludwig Wilhelm Dodt, Prinz Heinrich Wilhelm Adalbert von Preussen und andere.

Neben den Arbeiten von Karl von den Steinen sind die Schriften des Anthropologen und Ethnologen Paul Ehrenreich (1855-1914), der ihn auf der zweiten Xingu-Reise begleitete, wichtig. Er leistete Grundsätzliches zur Erforschung der Bororó-Indianer am São Lourenço-Fluss und verschiedener Stämme an den Flüssen Tocantins und Araguaia. Seine vergleichende Mythenforschung erhob die Sagen der Indianer auf die Ebene der Forschung.

Karl von Martius brachte als erster Ordnung in die brasilianische Völkerkunde, indem er die Indianerstämme nach sprachlichen Kriterien einteilte. Die sicheren und dauerhaften Grundlagen zur brasilianischen Ethnologie zu legen, blieb dem Völkerkundler Karl von den SteinenKarl von den Steinen (1855-1929) vorbehalten. Er wurde in Mühleim an der Ruhr geboren und studierte Medizin in Zürich, Bonn und Strassburg; danach übte er seinen Beruf als Psychiater an der Berliner Charité aus und forschte in Anstalten anderer europäischer Länder. Um 1879 beteiligte er sich an ethnologischen Forschungen auf verschiedenen Südseeinseln; 1882 war er bei einer deutschen Südpolexpedition dabei.
Auf der Rückreise vom Südpol trennte er sich von der Expedition und unternahm 1884 mit seinem Vetter, dem Maler Wilhelm von den Steinen, und anderen von Buenos Aires aus eine Fahrt über Cuiabá zum Quellgebiet des Batovi-Flusses. Die Forscher folgten dem Flusslauf bis zur Mündung in den Xingú-Fluss und danach bis zum Amazonas. Auf dieser gefahrvollen und entbehrungsreichen Reise schloss Karl von den Steinen die ersten Kontakte zu den bis dahin unbekannten Bakairi- und Kustenau-Indianern. 1887 führte er eine zweite Xingú-Expedition durch. Diesmal begleitet ihn auch der Berliner Anthropologe und Ethnologe Paul Ehrenreich. Die Reiseroute war ähnlich; nur diesmal galt das Interesse der Expedition den Anwohnern des Culiseu-Flusses. Nach seiner zweiten Reise nach Brasilien wurde er Ordentlicher Professor in Marburg. 1897 erforschte er die Marquesas-Inseln im Pazifik, danach war er als Professor an der Berliner Universität und als Direktor der Amerikanischen Abteilung des Berliner Völkerkundemuseums tätig.
Das klassische Werk von Karl von Steinen über "Die Bakairi-Sprache" (1892), in dem er Parallelen zu einer zentralen Karaíb-Grundsprache zieht, und das Buch "Unter den Naturvölkern" von 1887/88 sind wichtige Grundlagen für jeden, der sich mit den Indianern Brasiliens befasst. Seine Einteilung der Indianerstämme in mehrere kleine und die vier grossen Gruppen Tupí, Gé, Karaíb und Aruak löste die von Karl von Martius gemachte Unterteilung ab.

Auszug aus dem Buch: "A História Alemã do Brasil - die deutsche Geschichte Brasiliens" - Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002

 

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