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Von der Entdeckung im Jahr 1500 bis 1822, dem Jahr der
brasilianischen Unabhängigkeit, wurden viele Deutsche von fernen
Brasilien angezogen. Es waren Einzelpersonen und Leistungen
Einzelner, die an der Entwicklung Brasiliens mitwirkten.
Die Grundlage zu einer organisierten Einwanderung ist das
Regierungsdekret vom 16.März 1820 von König Joao VI. In diesem
Dekret werden "andere Länder" und spezifisch die "verschiedenen
deutschen Länder" aufgefordert, die Einwanderung nach Brasilien zu
unterstützen. Dem Einwanderer wurden ein grosse Stück Land und
weitere Vergünstigungen zugesagt, um die Bildung von "Kolonien" zu
fördern.
Bevor das Dekret offiziell wurde, waren schon 1818 einige
landwirtschaftliche Siedlungen auf dieser Grundlage angelegt worden.
In diesem Jahr kauften deutsche Einwanderer unter Leitung des
Naturforschers Georg Wilhelm Freyreiss grosse Ländereien in der Nähe
von Vila Viçosa im heutigen Bundesstaat Bahia. Sie nannten die
Ansiedlung Leopoldina. Auch Major Dr.Georg Anton von Schäffer kaufte
sich dort 1821 Ländereien, welche er nach seiner Herkunft Frankental
nannte.
Eine Gruppe Schweizer aus dem Kanton Freiburg, wo in den Vorjahren
eine Hungersnot herrschte, gründete 1819 den Ort Nova Friburgo,
160km nordwestlich von Rio de Janeiro. 1824 kamen dorthin auch über
300 Protestanten aus Rheinhessen zusammen mit Pastor Friedrich
Sauerbronn. Dieser war der erste evangelische Pastor in Brasilien.
Am 25.Juli 1824 wurde im heutigen südlichsten Bundesland Brasiliens,
Rio Grande do Sul, die deutsche Siedlung São Leopoldo bei Porto
Alegre gegründet. Die Siedlergruppe kam auf Veranlassung von
Kaiserin Leopoldine dorthin. Diese "organisierte" Einwanderung wird
als der Beginn von vielen darauf folgenden "Einwanderungen in
Gruppen" betrachtet. São Leopoldo wurde eine vorbildliche
kleinbäuerliche Ortschaft mit Grundstücken um die 70ha, die ohne
Sklaven bewirtschaftet werden konnten. Die Siedlung entwickelte sich
nicht nur in der Landwirtschaft, wo die Bauern die ihnen bekannten
landwirtschaftlichen Geräte wie Pflug und Egge einsetzten und durch
die weitgehende Ablösung der bis dahin in Brasilien ausschliesslich
genutzten Hacke ihre Produktivität steigerten, sondern sie wurde
gerade auch wegen ihrer Manufakturen, der Kaufleute und Handwerker
tonangebend. Dazu trug auch der von deutschen Einwanderern und
Wagenbauern in Brasilien heimisch gemachte vierrädrige Pferdewagen
bei.
Bis 1830 wurden weitere neun Siedlungen angelegt, die sich mit ganz
unterschiedlichem Erfolg weiterentwickelten. Mit dieser ersten
Einwanderungswelle kamen über 10.000 deutsche Menschen ins Land.
Auszug aus dem Buch: "A História Alemã do Brasil - die deutsche
Geschichte Brasiliens" -
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