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"Wussten Sie,
dass der erste deutsche Buchautor über Brasilien bereits
1549 ins Land kam "Hans Staden" und dass die ersten
Deutschen schon bei der Entdeckung Brasiliens im Jahr 1500 auf den
Schiffen der Portugiesen dabei waren?"
Fast 180 Jahre deutschsprachige Einwanderung nach Brasilien in Gruppen
(einzelne Deutsche kamen bereits zur Zeit der Entdeckung ins Land)
hinterliessen in São Paulo ihre Spuren. Über 100
deutschsprachige Vereinigungen, deutsche Schulen und Zeitungen,
das Deutsche Krankenhaus Oswaldo Cruz und der Deutsche Hilfsverein
mit seinem grossen Altersheim, sowie zahlreiche deutsche Bierstuben
und Restaurants dokumentieren unter anderem die Präsenz der
Deutschen Einwanderer.
Die ersten deutschen Gruppen kamen am Anfang des 19.Jh. nach São
Paulo. Damals noch eine Kleinstadt ohne Bedeutung, wurde sie für
viele der eingewanderten Kaufleute, Handwerker, Apotheker und
Gelehrten zur neuen Heimat. Erste Informationen über Zusammenkünfte
der Kolonisten sind aus den 30er Jahren des 19.Jh. bekannt. An den
Wochenenden traf man sich nach verrichteter Arbeit, um beim "Glockenheinrich"
das Tanzbein zu schwingen oder sich beim Kegeln auf der
selbstgebauten Kegelbahn der "Venda Schäfers" zu vergnügen. Wichtig
war es, auch in Brasilien heimatliches Kulturgut zu erhalten.
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1843 vollzogen die deutschen Kolonisten ihre erste offizielle,
gemeinsame Handlung: Sie beantragten bei der Stadtregierung einen
protestantischen Friedhof. Dieser wurde genehmigt, und 1871
formierte sich eine evangelische Gemeinde, die eine Alternative zur
vorherrschenden katholischen Seelsorge bot.
Unter den Einwanderern befanden sich viele Ärzte und Apotheker, zu
denen auch Gustav Schaumann und Gustav Gravenhorst gehörten. Sie
gründeten 1858 die "Farmácia ao Veado de Ouro - Apotheke zum
goldenen Hirschen", die bis heute in der Rua São Bento existiert.
Rund 40 Jahre später wurde die Idee geboren, ein deutsches
Krankenhaus zu errichten. Die reichsten deutschstämmigen Familien
São Paulos schlossen sich zusammen und ermöglichten 1905 die
Grundsteinlegung des heutigen Deutschen Krankenhauses Oswaldo Cruz.
Auch das Hospital Santa Catarina wird bis heute von deutschen
Ordensschwestern geleitet.
In den 60er Jahren des 19.Jh. war es dann endlich soweit: Louis
Bücher bescherte den Paulistanern das langersehnte Bier. Im gelang
es als erstem, aus den gegebenen Rohstoffen Reis und Mais ei
akzeptables Gebräu zu erstellen, das er unter dem Firmennamen
"Antarctica" vertrieb. Das kühle Getränk wurde blad zum begehrtesten
Produkt deutscher Einwanderung. Inzwischen ist das "Chopp" längst
zum selbstverständlichen Alltagsbestandteil der Paulistaner geworden
und damit zum Beispiel für deutsch-brasilianischen Kulturaustausch.
Durch die Herausgabe einer Zeitung in deutscher Sprache wurde 1878
eine Informationsquelle geschafften, die Auskunft über Ereignisse in
der fernen Heimat gab. So verbreitete sich die Kunde über die
Sportbewegung des Turnvaters Jahn. Begeistert gründeten São Paulos
deutsche Kolonisten Sportvereine aller Art und bauten das erste
öffentliche Schwimmbad der Stadt. Ausserdem wurde im gleichen Jahr
die Deutsche Schule eröffnet, die "Olinda-Schule", die nach ihrem
Auszug aus der gleichnamigen Strasse den Namen "Colégio Visconde de
Porto Seguro" trägt.
Um die Jahrhundertwende waren die Deutschen führend in Handel,
Handwerk und Industrie. Die deutschen Warenhäuser, vor allem die
"Casa Alemã" der Familie Heydenreich, waren berühmt für ihre
Importwaren. Aus dem Jahre 1905 sind etwa 300 eingeschriebene
Gewerbebetriebe mit deutschem Namen in São Paulo bekannt. Am
17.November 1916 schlossen sich einige deutsche Firmen zusammen und
bildeten die Anfänge der
Deutsch-Brasilianischen Industrie- und
Handelskammer São Paulo.
Nach dem ersten Weltkrieg kam wieder eine grosse Welle deutscher
Einwanderer nach São Paulo, um sich eine neue Existenz aufzubauen.
Der Kaffeeboom hatte der Region zu einem Aufschwung verholfen und
versprach Arbeitsplätze sowohl auf den Plantagen als auch in der
aufstrebenden Industrie São Paulos.
Auch die 30er Jahre brachten den deutschen Einwanderern neuen
Zuwachs. Vor allem Schriftsteller, Künstler und Gelehrte waren es,
die auf der Flucht São Paulos Kulturangebot stark bereicherten.
Zudem wirkten sie beim Aufbau von Instituten und Ausbau von
Universitäten, besonders der USP "Universidade de São Paulo", mit.
Mit der Nationalisierungskampagne des Präsidenten Getúlio Vargas
begannen schwierige Zeiten für die Deutschen in Brasilien. Die
Übernahme eines brasilianischen Pflichtprogrammes wurde auch für die
ausländischen Schulen obligatorisch. Zudem fand eine
Nationalisierung der Vereine statt und es wurde nur noch die
Landessprache gebilligt. Der Eintritt Brasiliens in den Zweiten
Weltkrieg 1942 verschärfte die Lage der deutschen Einwanderer
zusätzlich. Es bestand Versammlungsverbot und die deutsche Sprache
wurde untersagt. Viele deutsche Firmen und Institutionen wurden
enteignet.
Nach Kriegsende normalisierte sich das Leben der Deutschen in São
Paulo wieder und nach der Wiederaufnahme der diplomatischen
Beziehungen mit Deutschland begannen auch die
deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen wieder zu florieren.
Und die zunehmende Industrialisierung brachte eine weitere
Einwanderungswelle: In Brasilien gründete Tochtergesellschaften
deutscher Unternehmen nahmen Ingenieure und Facharbeiter unter
Vertrag, die oft für immer blieben.
Heute leben etwa 400.000 Deutschsprachige und Deutschstämmige in São
Paulo. Die meisten sind schon vollständig in die brasilianische
Gesellschaft integriert. Trotzdem zeigt der zahlreiche Besuch von
deutschen Schulen und Vereinen, dass immer noch ein reges Interesse
an deutschem Kulturgut besteht. Das resultiert nicht zuletzt aus dem
Bewusstsein, dass die deutschen Einwanderer São Paulos kulturelles und
historisches Profil entscheidend mitgeprägt haben.
Das deutsche Generalkonsulat in São Paulo gibt es seit 1872. Es
gehört wie New York zu den grössten der Welt!
Auszug aus dem Buch: "Willkommen in Brasilien: Informationen für das
Einleben in São Paulo" - Band 4 -
Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2002
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