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Die brasilianische
Gesetzgebung zur Einwanderung hatte 1850 "Lei das Terras" einen
Wandel erfahren: Das Land wurde nicht mehr geschenkt, es musste
gekauft werden, wenn auch bezuschusst durch den brasilianischen
Staat mittels eines "Kopfgeldes". Trotz scheinbarer Einschränkung
hat dieses Gesetz die Einwanderung gefördert, weil es die bis dahin
unklaren Besitzverhältnisse beseitigte und künftige klärte.
Da dieses Gesetz aber rückwirkend auf schon bestehende Siedlungen
angewendet werden sollte, wurde der preussische Minister Eichmann
beauftragt, die deutschen Interessen in Brasilien zu wahren. Er
erreichte 1863 eine Regelung fast aller Problemfälle
in São Leopoldo, São Pedro de Alcântara und anderen Orten.
Dennoch verringerte sich der deutsche Einwanderungsstrom in der
zweiten Hälfte des 19.Jh. erheblich. Ursache hierfür waren die
Propaganda gegen Brasilien in Deutschland, das daraufhin erlassene
Von-der-Heydtsche Reskript mit starken Einschränkungen der
preussischen Auswanderung nach Brasilien, der Paraguay-Krieg und das
neue Gesetz zur Freiheit der neugeborenen Sklavenkinder.
Bis 1875 stellte Deutschland zum Beispiel mehr als 80% der gesamten
Einwanderer des heutigen Bundesstaates Rio Grande do Sul. Ab 1875
waren es dann nur noch 15%. Insgesamt kamen in der Zeit von 1859 bis
1889 nur noch ca. 16.000 Deutsche nach Rio Grande do Sul. Der
Rückgang der Einwanderungszahlen ist auch in den anderen Teilen
Brasiliens zu verzeichnen.
Trotz dieser rückläufigen Zahlen wurden in Rio Grande do Sul
zwischen 1859 und 1889 über 50 neue Siedlungen wie Schweizertal und
Friedenstal sowie Sinimbu und andere gegründet. Die Gründer waren
Privatpersonen und in geringerem umfang Unternehmen.
In der Nähe von Dona Francisca "Joinville" im heutigen Bundesstaat
Santa Catarina entstand 1876 die Siedlung Jaraguá do Sul. 1886 wurde
von russlanddeutschen Sektierern aus Wolhynien die "Kolonie"
Brüdertal gegründet, drei Jahre später entstand Bananal (Guaramirim).
Kolonisten aus dem Sudetenland errichteten 1873 den Ort São Bento do
Sul. Auch Mafra erhielt in den achtziger Jahren neue deutsche
Kolonisten. 1881 siedelten sich am Iguaçu-Fluss deutsche Einwanderer
an und bildeten die Orte Porto União und União da Vitória.
Im heutigen Bundesstaat Paraná entstanden in den Jahren 1877 und
1878 hauptsächlich durch Russlanddeutsche die Orte Mariental und
Johannisdorf in der Nähe von Lapa und viele andere deutsche
"Kolonien".
Um 1888 wurden im heutigen Bundesstaat São Paulo bei den
Kaffeeplantagen zwischen Campinas, Limeira und Rio Claro mehrere
kleine deutsche und schweizerische Siedlungen gegründet: Friedburg,
Helvetia, Kirchdorf usw.
Auszug aus dem Buch: "A História Alemã do Brasil - die deutsche
Geschichte Brasiliens" -
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