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Chico Mendes 1944-1988

   
     

... der Verteidiger der Wälder ...

Chico Mendes wurde 1944 in Seringal Cachoeira in Acre geboren - seine Familie stammte von einem früheren Arbeiter der Gummiplantagen. Schon früh setzte er sich für die Rechte solcher Arbeiter an ihrem Land ein. In den 70er Jahren zog der "Plano de Integração Nacional - PNI", ein ehrgeiziger Plan der Regierung, den Rio Amazonas zu bändigen, vielerlei Bauunternehmer, Viehzüchter, Holzschlaggesellschaften und Siedler in Acre in seinen Bann.

1975 organisierte Chico Mendes eine Vereinigung der ortsansässigen Arbeiter, um sich gegen die gewaltsamen Einschüchterungen und Enteignungen zur Wehr zu setzen, die von den Neuankömmlingen ausgeübt wurden. Die zerstörten den Urwald und raubten dadurch den Arbeitern ihre Lebensgrundlage.

Mendes stellte grosse Gruppen einheimischer Arbeiter auf die Beine, die gewaltfreie, menschlichte Blockadenketten rund um bedrohte Waldgebiete bildeten, und zog sich auf diese Weise schnell den Zorn der Bauunternehmer zu, die es gewohnt waren, ihren Willen entweder mit Hilfe korrupter Beamter oder durch angeheuerte "Pistoleros" durchzusetzen, und jedweden Widerstand schnell brachen. Mendes und seine Verbündeten schafften es tatsächlich, Tausende von Hektar Waldgebiet zu retten, die "Reservas Extravistas" benannt wurden, wo einheimische Arbeiter weiterhin ihre Gummipflanzungen unterhalten und Früchte, Nüsse sowie Fasern ernten konnten.

Das internationale Interesse ruhte auf Mendes, dem Verteidiger der Wälder, doch machte ihn seine Rolle als Führer auch zum Ziel frustrierter und wütender Gegner. Im frühen Dezember 1988 zog er in seinen Geburtsort Seringal Cachoeira, um auch diesen Ort zu einer "Reserva Extravista" zu erklären und den Landbesitzer und Viehzüchter Darly Alves da Silva zu vertreiben, der das Land für sich in Anspruch nahm. Am 22.Dezember liess Chico Mendes, der bis dahin bereits mehreren Anschlägen auf sein Leben entgangen war, seine Leibwächter im Haus zurück und begab sich allein auf die hintere Veranda. Dort wurde er von - auf kurze Entfernung aus dem Gebüsch abgefeuerten Gewehrkugeln getroffen - und starb kurze Zeit später.
 

Über zwei Jahre dauerten die Spekulationen um seine Mörder an, obwohl sie gut bekannt waren, denn sie befanden sich ausserhalb der Reichweite der Gerichtbarkeit, da sie von mächtigen Landbesitzern und korrupten Beamten geschützt wurden - eine übliche Vorgehensweise im brasilianischen Grenzland. Zunehmender nationaler und internationaler Druck brachten diesen Fall letztendlich doch vor Gericht. Im Dezember 1990 wurde Darly Alves da Silva für das Anstiften zum Mord zu einer 19jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Sein Sohn Darci erhielt dasselbe Strafmass für das eigentliche Abdrücken des Gewehres.

Die Verurteilung schmeichelte den ortsansässigen Arbeitern, der Weltmeinung und der brasilianischen Regierung, die es bitter nötig hatte, der Bevölkerung und dem Ausland ihre Kotrolle über das Amazonasgebiet zu demonstrieren. Als sich aber das Interesse der Medien auf andere Geschehnisse verlagerte, gingen die Morde weiter. Es zeigte sich, dass diese Verurteilung ein einmaliger Ausnahmefall blieb. Unter all den Hunderten von Morden an Gewerkschaftsführern und Verteidigern der Besitzrechte von Landarbeitern seit den späten 70er Jahren war der Mord an Chico Mendes der einzige, der wirklich untersucht wurde und der auch zu einer Verurteilung führte.

Itamar Mendes, Chicos Frau, wurde später von nicht weniger als zehn Hollywood-Regisseuren bedrängt, ihnen die Filmrechte am Schicksal ihres Ehemannes zu verkaufen. Schliesslich wurde die Geschichte mit dem Titel "Flammen des Widerstandes" - "Kampf des Chico Mendes (Burning Season)" im späten Jahr 1994 unter der Regie von John Frankenheimer verfilmt. Chico Mendes wurde nach seinen Tode von internationalen Organisationen gewürdigt. Auch zahlreiche Parks in Brasilien wurden nach ihm benannt. Ferner hat man in Xapuri sein Haus zu einem Gedenkmuseum umgestaltet. Die Arbeiter in den Plantagen mit Gummibäumen und die Landarbeiter der Region sin sehr daran interessiert, den Druck aufrechtzuerhalten, und zwar nicht nur, um weitere Reservate überall in der Amazonasregion aufzubauen, sondern auch und wichtiger noch, um die brasilianische Regierung zu zwingen, den Gesetzen zur Errichtung solcher Reservate Geltung zu verschaffen und solche Kräfte zu bestrafen, die sie brechen.

Im Februar 1992 wurde die Verurteilung von Darly Alves da Silva durch das Berufungsgericht in Rio Branco aufgehoben. Für all diejenigen, die gehofft hatten, in Brasilien einen Funken Gerechigkeit erlebt zu haben, war dies ein weiterer Schlag ins Gesicht...

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