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Geschichte Brasiliens in Zahlen  -  Erste Funde - 1894

   
     

ca.28.000 bis 10.000 v.Chr.
Feuerspuren in Höhlen von Piauí als früheste Zeichen menschlichen Lebens in Brasilien (Paläo-Indianer). Diese Paläo-Indianer ziehen als Jäger und Sammler immer weiter südwärts. Fachleute schätzen, dass sie um 10.000 v.Chr. schliesslich Feuerland an der Südspitze Amerikas erreichten.

8000 v.Chr.
Erste Skelettfunde von Menschen belegen Besiedlung durch Stammesgemeinschaften längs des Küstenstreifens und in den Waldgebieten des Landesinneren; die sogenannten Sambaqui (Muschelhaufen)

2000 v.Chr.
Ungefähr 20 Mill. Indianer leben im heutigen Lateinamerika. In Mexiko und in den Hochtälern der Anden entstehen grosse Staatssysteme, die sich bis zum Eintreffen der ersten Europäer zu den blühenden Grossreichen der Azteken, Inka und Maya entwickelten.

1492 n.Chr.
Die "Entdeckung" Amerikas durch Christoph Columbus erschliesst den europäischen Monarchen reiche Gold- und Silberquellen. Im Zug der Eroberungen wird die Zahl der Indianer dramatisch reduziert, ganze Volksstämme werden ausgelöscht.

1494
Vertrag von Tordesillas. Portugal und Spanien teilen sich die Neue Welt untereinander auf. Das noch gänzlich unerforschte, und in seiner Grösse vermutlich weit unterschätzte, Brasilien fällt durch den Schiedsspruch von Papst Alexander VI. in die portugiesische Einflusszone.

1500
Entdeckung Brasiliens durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral am 22.04.; in der Nähe der heutigen Stadt Porto Seguro "Insel" Vera Cruz. Die dort ansässigen Tupí-Indianer leisteten bei Ankunft der Europäer keinen Widerstand. Handel mit dem Holz Pau do brasil, das der Kolonie später ihren Namen gab.
28.April 1500: Erste "Geburtsurkunde" Brasiliens von Meister Johann - Johannes Varnhagen - mit Bericht über das Sternbild "Kreuz des Südens" als Navigationszeichen (heute im brasilianischen Staatswappen).

1507
Erste Eintragung des Namens "Brasil" in eine Weltkarte durch Martin Waldseemüller, und zwar als "Rio Brasil" bei Porto Seguro.

1520
Beginn des Zuckerrohranbaus

1534 - 1821
Kolonialzeit
Ab 1535 Einwanderung deutscher Kaufmanns- und Reederfamilien.

1532
König João III. teilt die brasilianische Küste in 15 Zonen, Capitanías genannt, ein und vergibt diese an Adlige und Personen aus dem Mittelstand. Die nächsten 300 Jahre schottet sich das Land nahezu vollständig von der Aussenwelt ab, unter anderem aus Furcht vor der Konkurrenz anderer europäischen Mächte.

ab 1538
Da viele der von den Europäern gefangenen Indianer dem Arbeitslager durch Freitod entfliehen, werden erste Sklaven aus Afrika, die auf den Zuckerrohrplantagen eingesetzt werden, herbeigeschafft.

1549
Generalgouverneur Tomé de Sousa gründet mit São Salvador da Bahia die erste Hauptstadt Brasiliens.
Schiffbruch von Hans Staden auf seiner zweiten Brasilienreise am Strand von Itanhaém bei São Vicente, Übernahme der Festung "Forte de São Felipe" gegenüber Bertioga.

1550

Erwerb von Zuckermühlen in São Vicente durch Brasmus Schetz und Betreiben des Exportgeschäfts mit Zucker, Brasilholz und Baumwolle auf eigenen Schiffen.

1554
Der Jesuit José de Anchieta gründet São Paulo.

1580
Portugal gerät bis zum Jahr 1640 unter spanische Herrschaft.

1600
Brasilien wird zum grössten Zuckerproduzenten der Welt.
Um 1600 Bandeirantes-Expeditionen ins Hinterland von São Paulo. Erste Expedition unter Führung des deutschen Wilhelm Jost ten Glimmer und Teilnahme von deutschen Bandeirante Pedro Taques.

1630
Die holländische Westindien-Kompanie nimmt Recife ein und setzt sich in Pernambuco fest. Mit der Einführung des Zuckerrohrs und der Plantagenwirtschaft kommt der Dreieckshandel in Schwung: Europäische Manufakturwaren werden in Afrika gegen Sklaven eingetauscht, die in Nord- und Südamerika zur Versteigerung kommen; mit dem Erlös erwirbt man Edelmetalle, Gewürze und Früchte für den Transport in die Alte Welt.

1630 - 1699
Den Portugiesen entlaufene Sklaven sammeln sich in sogenannten "Quilombos" im heutigen Bundesstaat Alagoas und bilden einen, wie ihn die Portugiesen nennen, "Freien Negerstaat". Der mit Abstand grösste Quilombo, Palmares, kann erst 1699 nach langer Belagerung dem Erdboden gleichgemacht werden.
Die Bandeirantes von São Paulo drängen auf der Suche nach Gold und Sklaven ins Hinterland vor.
1637
Landung von Johann Moritz Graf von Nassau-Siegen-Dillenburg in Recife, Pernambuco, im Auftrag der Westindischen Kompanie: politische, völkische und religiöse Duldsamkeit, Förderung von Wissenschaft und Kunst, "Goldenes Zeitalter" des Nordostens bis zu seiner Abreise 1644 zurück in seine deutsche Heimat.

1654
Die Portugiesen vertreiben die Holländer endgültig aus Brasilien.

1684
Erste Erhebung der brasilianischen Bevölkerung gegen die portugiesische Unterdrückung, angeführt von dem deutschen Emanuel Beckmann in São Luiz, Maranhão.

Um 1685
Höhepunkt der Jesuitenarbeit in Brasilien: Errichtung des "Maynastaats" am oberen Amazonas durch deutsche Jesuiten, Herausgabe der "Chronica" über den Maynastaat von Johann Philipp Bettendorff.

1695
Beginn des Goldrausches in Minas Gerais, erste Schiffsladungen gehen nach Lissabon.

1727
Francisco de Mello Palheta schmuggelt die ersten Kaffeebohnen nach Brasilien.

1730
Erste Diamantenfunde in Brasilien.

1750
Im Vertrag von Madrid muss die spanische Kolonialmacht die Westgrenze Brasiliens anerkennen, die von bewaffneten Stosstrupps ("Bandeirantes") nach und nach weit über die im Vertrag von Tordesillas festgelegte Demarkationslinie hinaus geschoben worden war. Die gut organisierten Missionen der Jesuiten werden trotz des Widerstandes der Padres und ihrer indianischen Schützlinge, der Tupí-Guaraní, gewaltsam zerstört.

1763
Rio de Janeiro wird neue Hauptstadt und löst Bahia als Regierungssitz und Hauptstadt ab; unter anderem wegen der Nähe zu den Ausfuhrhäfen, in denen das aus Minas Gerais herbeigeschaffte Gold auf portugiesische Schiffe verladen wurde.

1767
Johann Heinrich Böhm, Kommandant aller Truppen im "Estado do Brasil", Einführung der preussischen Heeresreform "Begründer der brasilianischen Armee" und "Befreier von Rio Grande do Sul".

ab 1789
Zunehmende Unabhängigkeitsbestrebungen in Brasilien. Höhepunkt ist die "Inconfidência Mineira" unter Führung von Tiradentes in Ouro Preto, die jedoch scheitert.

1792
Hinrichtung von Tiradentes (Joachim José da Silva Xavier), dem Anführer der mineirischen Unabhängigkeitsbewegung gegen Portugal.

1805
Einführung des Kaffeeanbaus in Brasilien. Der portugiesische Hof flüchtet vor Napoleon nach Brasilien und erklärt die Kolonie zum Regierungssitz für das Mutterland.

1808
Rio de Janeiro wird auch zur Hauptstadt des Königreichs Portugal. Für die Kolonie sind die Veränderungen enorm und durchaus segensreich: Die Häfen werden für englische Waren geöffnet, Banken, Eisenhütten, Schulen und Universitäten entstehen, nordeuropäische Akademiker werden ins Land geholt. Brasilien erlebt in den folgenden Jahren unter der Monarchie eine erste Blüte, in der früher vernachlässigten Kolonie wächst die Einwohnerzahl rasch auf 14 Mill. Menschen.
Flucht des portugiesischen Könighofs vor Napoleon nach Brasilien mit ca. 15.000 Beamten und Offizieren, Wissenschaftlern und Fachleuten aller Art sowie Künstlern verschiedenster Richtungen, einschliesslich der in Portugal beim Militär und in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen tätigen Deutschen.
1810: Gründung der Militärakademie durch Wilhelm Ludwig Freiherr von Eschwege und Francisco de Borja Garção Stockler, Baron von Vila da Praia.

1815
Brasilien erhält im Verlauf des Wiener Kongress den Status eines Königreichs.
Ankunft des Naturforschers Maximilian Prinz von Wied-Neuwied in Brasilien. Erforschung von Tieren und Pflanzen im Landesinnern von Minas Gerais und Bahia, Studien zu Sprachen, Sitten und Bräuchen verschiedener Indianerstämme, erste Monographie eines brasilianischen Indianerstammes "Botokuden-Indianer".

1817
Fernheirat von Erzherzogin Leopoldine von Habsburg und Kronprinz Peter von Bragança, besonderer Einsatz für ihre neue Heimat Brasilien

1821
König João VI. zieht es vor, nach Lissabon zurückzukehren, und ernennt seinen Sohn Dom Pedro zum Regenten von Brasilien. Damit wird in Brasilien ein überholtes Staatssystem fortgeschrieben, während Simon Bolívar bis 1825 weite Teile Spanisch-Amerikas von der Monarchie befreite.

1822 - 1888
Kaiserreich

1822
Die portugiesische Cortes versucht, die Zeit zurückzudrehen und Brasilien zur Kolonie zurückzustufen. Der Regent Dom Pedro begründet mit dem historischen Ausruf "Independência ou morte!" (Unabhängigkeit oder Tod) die Unabhängigkeit Brasiliens - am 7.September -. Noch im gleichen Jahr wird er als Pedro I. zum Kaiser von Brasilien gekrönt. Ab 12.Oktober 1822 Kaiserreich, vor allem auf Betreiben von Erzherzogin Leopoldine.

1823
In der Monroe-Doktrin machen die Vereinigten Staaten klar, dass sei eine gewaltsame Restitution der alten Kolonialordnung in Ibero-Amerika durch die Europäer nicht akzeptieren.
Ab 1823: Tätigkeit von Major Dr.Georg Anton von Schäffer, Sekretär und Mittelsmann von Kaiserin Leopoldine, als Diplomat in deutschsprachigen Ländern zur Anwerbung von Soldaten, Bauern, Handwerkern und Kaufleuten in Brasilien.

1824
Die Vereinigten Staaten erkennen Brasilien diplomatisch an; 1825 folgen Grossbritannien und Portugal. Beginn der ersten organisierten Einwanderung aus Deutschland.

1831
Pedro I. dankt zugunsten seines erst fünfjährigen Sohnes Pedro d`Alcântara ab, ein Regentschaftsrat übernimmt die Amtsgeschäfte für den unmündigen Thronfolger.

1835 - 1845
In Belém und weiten Teilen von Pará tobt der blutige Volksaufstand "Cabanagem". Die Provinz erklärt sich bis zur Ausrufung der Volljährigkeit von Pedro d`Alcântara für von der portugiesischen Krone unabhängig. Der Aufstand im Norden gefährdet die nationale Einheit ernsthaft und kann erst nach langen verlustreichen Kämpfen im Hinterland zugunsten der Zentralregierung beendet werden.
Auch im Süden Brasiliens entsteht eine Autonomiebewegung. Rio Grande do Sul versucht sich im Rahmen der "Revolução Farroupilha" aus der Unterdrückung durch die Zentralregierung zu befreien. Die Reiterheere der Farroupilha können erst Ende 1844 bei der "Surpresa dos Porongos" geschlagen werden.
Als Kaiser Pedro II. versucht den inneren Frieden wiederherzustellen, vermag die auf Unabhängigkeit abzielenden Aufstände jedoch nur mit Hilfe der Waffengewalt regierungstreuer Truppen blutig niederzuwerfen.

1850
Verbot der Einfuhr von Sklaven. Die Blütezeit der Kaffeeplantagen in São Paulo beginnt; die Baumwoll- und Zuckerrohrpflanzungen des Nordostens werden wirtschaftlich überflügelt, die Nordostregion verarmt allmählich.
Gründung von Blumenau - Santa Catarina -  vom deutschen Apotheker Dr.Hermann Bruno Otto Blumenau.
Beginn der serienmässigen Herstellung von Transportwagen und Kutschen, später auch Fertigung von Eisenbahnwaggons durch die Gebrüder Röbe.

1852
Erste Telegraphenleitung Brasiliens von Wilhelm Schüch, Baron von Capanema. Sie am Caseros-Berg, vor allem durch die deutsche "Brummer-Legion" gegen Argentinien, Festigung der Stellung Brasiliens gegenüber dem Ausland.

1865 - 1870
Zusammen mit Argentinien und Uruguay führt Brasilien Krieg gegen Paraguay. Eintritt für Religionsfreiheit und Befreiung der Sklaven, Einsatz für das Ausserkraftsetzen des Von-der-Heydtschen Reskripts für die drei südlichen Bundesländer Brasiliens.
1866: Grösste Schlacht Südamerikas des Dreiländerbundes Brasilien, Argentinien und Uruguay gegen Paraguay bei Tuiuit, Sieg der Verbündeten vor allem durch die "Deutsche Artillerie-Batterie", Anton Ludwig von Hoonholtz, Baron von Tefé "Held des Paraguay-Kriegs". Endgültiger Sieg 1870 durch den deutschstämmigen Gemahl der Kronprinzessin Isabel, Gaston von Orleans, Graf von Eu.

1888
Aufhebung der Sklaverei am 13.05.88. Als letztes Land der Erde verbietet Brasilien die Sklavenhaltung - 25 Jahre nach den Vereinigten Staaten und 100 Jahre nach Haiti!

1889 - 1963
Republik
Am 15.November 1889 Ausrufung der brasilianischen Republik und Abdankung des Kaisers Peter II., aufgrund eines Militärpusches und Verkündung der Föderativen Republik Brasiliens. Marschall Deodoro da Fonseca besetzt Rio im Handstreich. Kaiser Dom Pedro II. begibt sich ins Exil nach Frankreich. In den kommenden vier Jahren erlebt Brasilien die erste Militärdiktatur. Verdienst des Kaisers: Entwicklung der Kultur und Wirtschaft sowie Festigung der nationalen Einheit.

1894
Schiedensspruch zugunsten Brasiliens gegen Ansprüche Argentiniens auf das Gebiet der ehemaligen Jesuiten-Missionen aufgrund von Studien und Karten von Wilhelm Schüch.
Dringend benötigte Arbeitskräfte wandern aus Europa und Japan ein. Kaffee und Kautschuk sind Brasiliens Hauptausfuhrprodukte.
 

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